Synthetix-Gründer Kain Warwick übernimmt Verantwortung für sUSD-Depegging und skizziert Ersatz durch BasisVault
Der Synthetix-Gründer Kain Warwick räumt ein, dass sUSD seit mehr als einem Jahr nicht mehr an den US-Dollar gekoppelt ist. In einem ausführlichen Thread, den er am Morgen veröffentlicht hat, übernimmt er persönliche Verantwortung für Fehlsteuerungen im Treasury und beschreibt den geplanten Kurswechsel: Der SNX-besicherte Stablecoin soll geordnet auslaufen und durch ein BasisVault-gestütztes Instrument ersetzt werden, das auf der neuen v4-Exchange des Protokolls aufsetzt.
Der elf Tweets lange Thread folgt auf die Verabschiedung von SIP423 durch die Governance, über die The Defiant zuvor berichtet hatte. Der Vorschlag sieht vor, den sUSD-Contract einzufrieren und Inhabern vier SNX pro sUSD auszuzahlen. Warwick geht in seiner Einordnung über den SIP hinaus, bezeichnet das Depegging als Ergebnis mehrerer Faktoren und erläutert die Begründung für die einzelnen Schritte.
Treasury absorbierte rund 30% der sUSD-Menge
Laut Warwicks Angaben hat das Protokoll-Treasury in den vergangenen zwölf Monaten etwa 30% des ausstehenden sUSD-Angebots aufgenommen. Einen vollständigen Rückkauf der verbleibenden Menge hält er für nicht realistisch: Würde Synthetix SNX zum aktuellen Kurs verkaufen, um den Restbestand an sUSD stillzulegen, wäre das aus seiner Sicht wertvernichtend. Zugleich gebe es keine Nachfrage nach gesperrtem SNX, die eine Wiederherstellung der Parität ermöglichen würde, ohne den Abschlag weiter zu vergrößern.
Warwick verweist darauf, dass das Sperren von SNX zum heutigen Preis einem Abschlag von 75% gegenüber dem frei handelbaren Token entspreche – "was angesichts des Zustands des Token-Marktes wahrscheinlich zutrifft". Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert SNX laut CoinGecko bei 0,2426 US-Dollar. sUSD wird bei 0,25 US-Dollar gehandelt und liegt damit rund 75 Cent unter dem Zielwert von 1,00 US-Dollar.
"420Pool": Stabilisierung des Protokolls auf Kosten des Peg
Zum sogenannten 420-Pool fällt Warwicks Urteil klar aus. Der Mechanismus habe "mit hoher Wahrscheinlichkeit das Protokoll vor einer Todesspirale bewahrt – auf Kosten des sUSD-Peg". Die Belastung sei bei SNX-Inhabern gelandet. Entsprechend beschreibt er sUSD als Verbindlichkeit, die speziell von SNX-Holdern getragen werde; deshalb sieht SIP423 auch eine Kompensation in SNX statt in Cash vor.
Drei Ursachen für das Depegging
Warwick führt das Scheitern der Bindung auf drei sich verstärkende Probleme zurück. Erstens sei die v3-Exchange in seinen Worten ein "Dumpster Fire" gewesen. Zweitens habe der Aufbau von v4 deutlich länger gedauert als erwartet. Drittens habe sich die Ertragsgenerierung auf sUSD-Bestände – eigentlich gedacht, um Kaufnachfrage für den Stablecoin zu erzeugen – nicht eingestellt. Diese Kombination habe sUSD ungeschützt gelassen.
Die Versorgung habe früher über 1 Mrd. US-Dollar über sUSD und andere Synths betragen. Durch einen geordneten Rückbau sei sie auf rund 50 Mio. US-Dollar gesunken. Den verbliebenen Rest bezeichnet Warwick ohne Exchange-Einnahmen als "faktisch insolvent". "Als Gründer liegt die Verantwortung für dieses Missmanagement bei mir", schreibt er.
Ersatz durch BasisVault-Design
Im Zentrum des Ausblicks steht das Ersatzkonzept: sUSD als durch SNX gedecktes Schuldinstrument soll auslaufen und durch einen BasisVault-gestützten Stablecoin ersetzt werden, der auf der v4-Exchange auf Ethereum Mainnet laufen soll. Strukturell unterscheide sich der Ansatz deutlich von sUSD. Ein BasisVault-Stablecoin soll Erträge aus Funding-Rate-Arbitrage zwischen Spot- und Perpetual-Positionen erzielen, statt eine volatile Governance-Token-Besicherung vorauszusetzen. Einen Startzeitpunkt oder eine Zielgröße für die Emission nennt Warwick nicht.
Verpasster Perp-Zyklus
Warwicks Selbstkritik zielt zudem auf ein verpasstes Marktfenster. Synthetix habe Architektur und Community gehabt, um vom On-Chain-Perpetuals-Boom 2023–2024 zu profitieren. Probleme in der v3-Entwicklung hätten die Exchange ausgebremst, während spezialisierte Perp-Plattformen das Wachstum abgegriffen hätten. "Synthetix war nahezu perfekt positioniert, um die Perp-DEX-Meta mitzunehmen, aber wir haben es massiv vergeigt", so Warwick.
Er betont, weiterhin sowohl SNX als auch sUSD zu halten und beschreibt beide Positionen als "max pain seit 2022". Den Thread beendet er mit Zuversicht auf eine Erholung, räumt aber ein, dass der Markt diese aktuell nicht einpreise.
Der Total Value Locked von Synthetix liegt laut DefiLlama bei 32,5 Mio. US-Dollar, nahezu vollständig auf Ethereum. Die Marktkapitalisierung von SNX beträgt laut CoinGecko 83,6 Mio. US-Dollar.