Mangel an hochreinem CO2 setzt Südkoreas Halbleiterproduktion unter Druck

Wie Huo Xing Finance berichtet, hat der Analyst Jukan von Critini Research am 28. Juni unter Berufung auf Branchenkreise vor Warnsignalen bei der Beschaffung von hochreinem Kohlendioxid (CO2) für fortschrittliche Halbleiterprozesse gewarnt. Treiber ist demnach weniger eine steigende Nachfrage als ein Einbruch bei der Verfügbarkeit von CO2-Rohgas: Sinkende Auslastungen in Raffinerien sowie in petrochemischen Anlagen haben die als Nebenprodukt anfallenden CO2-Mengen deutlich reduziert. Üblicherweise halten Halbleiterhersteller und Zulieferer jeweils rund zwei Wochen Bestand, zusammen etwa einen Monatsbedarf. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern sind die Lagerbestände inzwischen unter diese kritische Schwelle gefallen. Branchenangaben zufolge benötigt Samsung Electronics monatlich etwa 1.800 bis 2.000 Tonnen hochreines CO2, SK Hynix rund 600 bis 700 Tonnen. Obwohl es bei beiden Unternehmen bislang zu keinen Produktionsunterbrechungen gekommen ist, schrumpfen die Puffer weiter, und die Beschaffungsaktivitäten wurden spürbar intensiviert. Selbst bei höheren Preisen bleibt zusätzliche Ware kurzfristig schwer zu sichern. Ursache sind physische Engpässe infolge der vorgelagerten Rohstoffknappheit. Der Preis für flüssiges CO2 ist seit Jahresbeginn um etwa 20% gestiegen; die Branche rechnet damit, dass die angespannte Versorgungslage bis zum Jahresende anhält. Zu den wichtigen südkoreanischen Anbietern von hochreinem CO2 zählen Taekyung Chemical, Sundo Chemical, Dongkwang Chemical und SK Air Plus. Taekyung Chemical gilt dabei weithin als Branchenführer. Hochreines CO2 wird vor allem in superkritischen Reinigungsprozessen für moderne Technologieknoten eingesetzt. Im superkritischen Zustand verbindet CO2 die Lösungskraft einer Flüssigkeit mit der Eindringfähigkeit eines Gases, kann in extrem schmale Strukturlücken vordringen und Rückstände sowie Verunreinigungen entfernen. Das ist besonders für fortschrittliche Chips mit engen Linienabständen und hohen Strukturstufen entscheidend. Das CO2-Rohmaterial stammt als Nebenprodukt aus der Ölraffination, der petrochemischen Verarbeitung und der Wasserstoffproduktion. Nach Angaben aus der Industrie haben Unsicherheiten bei Angebot und Nachfrage von Rohöl infolge des US-Iran-Konflikts sowie der Spannungen im Nahen Osten zu niedrigeren Auslastungen in inländischen petrochemischen Anlagen geführt und damit die Versorgung mit Halbleitermaterialien direkt beeinträchtigt. Ein Materialexperte sagte dazu: "Nach Helium, wasserfreiem Fluorwasserstoff und PGMEA gibt es nun auch bei CO2 Probleme – Risiken aus dem Rohölmarkt des Nahen Ostens schlagen wiederholt auf den Halbleitermaterialsektor durch und zeigen, wie eng Lieferketten für Materialien mit petrochemischen Nebenprodukten verflochten sind."