US-Aktien fester nach Iran-Deal; Halbleiterwerte auf neuen Rekorden
Von Tide Research
Die US-Börsen haben am Donnerstag deutlich zugelegt. Auslöser war die formelle Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens zwischen den USA und dem Iran in Genf. Parallel dazu passierten drei saudische Supertanker die Straße von Hormus, nachdem die Passage wieder geöffnet wurde. Der geopolitische Optimismus überlagerte damit die restriktive Überraschung der Fed-Sitzung (FOMC) vom Vortag.
Der S&P 500 stieg um 1,08% auf 7.500,58 Punkte, der Nasdaq legte um 1,91% auf 26.517,93 Punkte zu. Der Dow Jones gewann 0,14% auf 51.564,70 Punkte und verbuchte damit in dieser Woche seinen dritten Rekordschluss. Der Russell 2000 führte mit +2,12% auf 2.979,77 Punkte.
Auffällig war die Risikobereitschaft: Small Caps und hochvolatile Titel erholten sich am stärksten, während defensivere und klassische Blue Chips zurückblieben. Damit wurden ein großer Teil der FOMC-bedingten Verluste vom Mittwoch wieder wettgemacht.
Halbleiter im Fokus
Der Philadelphia Semiconductor Index sprang um mehr als 6% auf ein neues Allzeithoch. Rückenwind kam aus Washington: Donald Trump schrieb über Truth Social, Apple und Intel hätten eine Design- und Fertigungspartnerschaft vereinbart. Der Einstieg umfasse zunächst Chips in reiferen Fertigungsstufen für iPad sowie ältere iPhone-Modelle; Spitzenprodukte würden weiterhin von TSMC geliefert. Die Gespräche liefen demnach seit über einem Jahr. Für Intel wäre es der bislang bedeutendste externe Kunde im Foundry-Geschäft, Apple würde zugleich seine Abhängigkeit von TSMC reduzieren. Offizielle Stellungnahmen der Unternehmen gab es nicht.
Im selben Beitrag erwähnte Trump auch, Nvidia habe zugestimmt, erste Chips bei Intel fertigen zu lassen. Zudem habe Elon Musk angekündigt, gemeinsam die weltweit größte Wafer-Fab "TerraFab" aufzubauen; Apples Partnerschaft werde als drittes entscheidendes Puzzleteil für Intels Foundry-Strategie gewertet.
Intel-Aktien stiegen um rund 10,5% auf 133,82 US-Dollar. Apple plant laut Bericht angesichts steigender Kosten für Speicher- und Storage-Chips Preiserhöhungen. Davon profitierten Speicherwerte: Micron gewann knapp 9%, SanDisk stieg um mehr als 11%. Nvidia legte nahezu 3% zu. Die breite Stärke über Ausrüster, Speicher und Rechenleistung unterstreicht, dass die langfristige Investmentstory rund um KI-Kapitalausgaben trotz restriktivem "Dot Plot" intakt bleibt.
SpaceX unter Druck
SpaceX fiel um 3,56% auf 185,00 US-Dollar und verzeichnete damit den zweiten Verlusttag in Folge; in zwei Tagen summiert sich das Minus auf etwa 8,3%. Bloomberg berichtete, das Unternehmen bereite die Emission von mindestens 20 Mrd. US-Dollar an Investment-Grade-Dollar-Anleihen vor, um 2027 fällige Bridge-Kredite zu refinanzieren. Sorgen über mögliche Verwässerung sowie das hawkishe Zinsumfeld belasteten. Auf Wochensicht liegt die Aktie dennoch fast 15% im Plus und notiert seit dem ersten Handelstag rund 37% über dem IPO-Preis, kurzfristige Belastungsfaktoren bleiben aber bestehen.
Energie als einziger Verlierer
Der Energiesektor war der schwächste der 11 S&P-Sektoren. WTI-Öl fiel an einem Tag um etwa 2% auf 74,29 US-Dollar je Barrel. ExxonMobil und Chevron gaben deutlich nach, der Dow Jones Transportation Average verlor mehr als 4%. Mit der Wiederöffnung der Straße von Hormus ist die geopolitische Risikoprämie weitgehend aus dem Ölpreis gewichen und hat die Jahresgewinne von zuvor 20% bis 40% erodiert. Der Sektor rutschte damit vom Wochengewinner zum größten Verlierer.
Technologie, Konsum zyklisch und Industrie führten die Gewinnerliste an. Kapital floss aus defensiven Bereichen und Energie in "Compute"-Lieferketten zurück. Abflüsse aus Tech vom Vortag, ausgelöst durch die FOMC-Signale, kehrten teilweise zurück; die schnelle Rotation deutet darauf hin, dass viele Investoren eher auf einen Wiedereinstiegsanlass warteten als ihre Positionierung grundsätzlich abzubauen.
Makro und Ausblick
Der VIX sank um 11,06% auf 16,40. Die durch das FOMC ausgelöste Nervosität ließ innerhalb eines Tages deutlich nach, was darauf hindeutet, dass die Reaktion stärker von technischer Absicherung als von nachhaltiger Risikoaversion geprägt war.
Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen gab leicht auf rund 4,445% nach, während die 2-jährige über 4,18% blieb. Die Marktbepreisung einer Zinserhöhung im September wurde damit nicht zurückgenommen, sondern lediglich durch höhere Risikobereitschaft überlagert. Gold fiel auf 4.210 US-Dollar je Unze, Silber gab ebenfalls nach. Der US-Dollar-Index sank leicht, bleibt aber erhöht. Bitcoin (CoinGecko) schloss nahe 64.026 US-Dollar, Ethereum nahe 1.734 US-Dollar; der Kryptomarkt reagierte kaum auf die geopolitische Entspannung, da die restriktiven Zinserwartungen weiter belasten. WTI schloss mit 74,29 US-Dollar auf einem Drei-Monats-Tief.
In der kommenden Woche stehen PCE-Inflationsdaten, Flash-PMI sowie Microns Quartalszahlen an. Microns Ausblick gilt als direkter Gradmesser für die Nachfrage nach KI-Rechenleistung; im Vorquartal löste eine schwächere Guidance als erwartet einen starken Tagesrückgang im gesamten Halbleitersektor aus. Zudem greift die Russell-Rekonstitution zum Handelsschluss am nächsten Freitag, wodurch mechanische Rebalancings das Volumen erhöhen und die Volatilität bei Small Caps verstärken dürften.
Tide-Einschätzung
Die Erholung am Donnerstag hatte zwei Treiber: Der Abschluss des USA-Iran-Abkommens baute die geopolitische Risikoprämie ab, und Halbleiterwerte bestätigten mit klaren Kursgewinnen die Tragfähigkeit des KI-Themas. Beide Argumente sind plausibel, wirken aber unterschiedlich lange.
Die geopolitische Prämie ist ein Einmaleffekt: Mit der Finalisierung ist sie weitgehend eingepreist. Neue Spannungen im Iran würden den Markt beim nächsten Mal schneller und schärfer treffen als beim ersten Impuls.
Der Halbleiter-Impuls erscheint strukturell robuster. Die gleichzeitigen Rallys bei Intel, SanDisk und Micron sprechen für breit angelegte Branchenstärke und dafür, dass KI-bezogene Investitionen durch reale Nachfrage getragen werden.
Bei SpaceX kommt mit der möglichen 20-Mrd.-US-Dollar-Anleihe ein zusätzlicher Faktor ins Spiel: Sobald die Emission umgesetzt ist, könnten Finanzierungsdruck und Verwässerungserwartungen als dauerhaftes Belastungsthema wirken, nicht nur als kurzfristige Bewertungsanpassung.
Der nächste unmittelbare Test sind die PCE-Daten: Fallen sie erneut höher als erwartet aus, dürfte eine Zinserhöhung im September vom Szenario zur Mehrheitsmeinung werden und die Erholung vom Donnerstag als kurze Verschnaufpause erscheinen lassen. Schwächere Daten könnten dagegen eine schnelle Neubewertung in Richtung dovisher Erwartungen auslösen.