Main Street's Stablecoin msUSD verliert Dollar-Bindung und bricht binnen 24 Stunden um 71% ein

Main Street USD (msUSD) hat am Samstag seine Dollar-Bindung verloren, nachdem der Verifizierungsdienst Accountable die Zusammenarbeit mit dem Protokoll beendet hatte. Innerhalb weniger Stunden brach der Großteil des Token-Werts weg. msUSD hatte monatelang nahe 1 US-Dollar notiert, wird nun um 0,29 US-Dollar gehandelt. Das entspricht einem Minus von rund 71% binnen 24 Stunden; die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 30,5 Mio. US-Dollar. Accountable führt Echtzeit-"Proof-of-Reserves"-Prüfungen durch, mit denen Unternehmen Bestände bestätigen können, ohne sensible Daten offenzulegen. Nach eigenen Angaben wurden über das Netzwerk Kundengelder von mehr als 1 Mrd. US-Dollar verifiziert, darunter bei Galaxy und Amber Group. Accountable wird von Pantera Capital unterstützt. Main Street hatte msUSD als "Accountable-verified" beworben und ein öffentliches, von Accountable betriebenes Dashboard genutzt, das die Besicherung von msUSD nachverfolgte. Am Samstag erklärte Accountable, Main Street habe die eigenen Verifizierungsstandards nicht erfüllt, und beendete die Servicevereinbarung mit sofortiger Wirkung. Seit der Abschaltung liefert das Accountable-Dashboard keine Bestätigung von Reserven hinter msUSD mehr. Der Blockchain-Sicherheitsdienst PeckShieldAlert meldete in diesem Zusammenhang einen Kursrückgang von 85% bei dem Token-Vertrag ethereum:0x4ba01f22827018b4772cd326c7627fb4956a7c00. Main Street vermarktete msUSD als Dollar-Token, der jederzeit 1:1 gegen USDC einlösbar sei. Beim Staking wurde msY geprägt, ein Strategietoken, der Erträge aus Options-"Box Spreads" generieren sollte – eine Hedgefonds-Taktik, die als institutionell positioniert wurde. Das Modell war auf den externen Verifizierungs-Feed und Integrationen mit größeren Plattformen angewiesen. Main Street hatte zudem einen msY-Markt auf Morpho beworben, einem der größten dezentralen Kreditmärkte mit Einlagen in Milliardenhöhe. Hinzu kommt eine technische Komponente: Der Token läuft über einen upgradefähigen Proxy-Contract. Der Security-Scanner GoPlus warnt, dass der Eigentümer unter anderem Verkäufe deaktivieren, neue Token prägen oder Gebühren ändern kann. Analysten hatten bereits vor dem Zusammenbruch Risiken renditetragender Stablecoin-Konstruktionen dieser Art thematisiert. Der Vorfall reiht sich in weitere Depeggings in diesem Jahr ein, bei denen Zweifel an der Deckung zu einem Bruch der Bindung führten. Er unterstreicht, wie schnell Vertrauen schwindet, wenn ein externer Prüfer aussteigt – Protokolle, die auf einen einzelnen Feed setzen, übernehmen faktisch dessen Entscheidungen. Eine öffentliche Stellungnahme von Main Street liegt bislang nicht vor. Parallel ist auch msY, der zentrale Yield-Token von Main Street Finance, stark gefallen. PeckShieldAlert berichtete von einem Einbruch um 70% beim Vertrag ethereum:0x890a5122aa1da30fec4286de7904ff808f0bd74a. Auf Morpho führte der Kurssturz zu extremer Illiquidität im msY/USDC-Markt: 100% Auslastung, bis zu 138% Borrow-Raten. Ein AlphaUSDC-Vault hält dort laut Angaben eine Exponierung von rund 18 Mio. US-Dollar; das AlphaUSDC Delta V2 (Curator: #AlphaPING) soll eine 30%ige Exponierung gegenüber dem msY/USDC-Markt haben. Der Depeg löschte innerhalb eines Tages mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung aus. Wie sich msUSD weiter entwickelt und ob es zu einer Erholung kommt, hängt nun davon ab, ob das Protokoll die behauptete Besicherung wieder glaubhaft nachweisen kann.