LG Electronics entwickelt eigene Arbitrum-L2-Blockchain zur Automatisierung programmatischer Werbung

LG Electronics arbeitet an einem proprietären Blockchain-Netzwerk, das den automatisierten Handel mit digitaler Werbung effizienter und transparenter machen soll. Wie Fortune am 11. Juni 2026 berichtete, entwickelt der südkoreanische Konzern gemeinsam mit Arbitrum eine maßgeschneiderte Ethereum-Layer-2-Blockchain, um die Abläufe in programmatischen Werbemärkten zu automatisieren und Betrug einzudämmen. Kern der Initiative ist eine gemeinsame Onchain-Datenbasis, in der Werbeinventar sowie verifizierte Interaktionsdaten von Nutzerinnen und Nutzern erfasst werden. Fortune-Journalisten Jack Kubinec und Ben Weiss zufolge hat LG dafür ein eigenes, dediziertes L2-Netz auf Basis der Arbitrum-Technologie aufgebaut. Ziel sind niedrige Kosten und hoher Durchsatz durch das Bündeln vieler Transaktionen, passend für großvolumige Werbeprozesse. Die Infrastruktur soll verfügbare Werbeplätze über Publisher hinweg als unveränderliches Register abbilden und Kennzahlen wie Impressions und Engagements nachvollziehbar dokumentieren. Über Smart Contracts könnten Anzeigenplätze automatisiert gekauft und verkauft werden, wodurch klassische manuelle Verhandlungen reduziert oder teilweise ersetzt würden. Laut Bericht ist das Projekt über die erste technische Evaluierung hinaus. LG habe bereits ein Pilotprogramm mit einer nicht namentlich genannten japanischen Werbeagentur abgeschlossen und plane für später im Jahr 2026 eine kommerzielle Bewertung mit Blick auf einen breiteren Rollout. LG verweist in diesem Zusammenhang auf eigene Ressourcen: Das Unternehmen betreibt innerhalb der F&E-Organisation ein Blockchain-Forschungslabor. Samuel Byungsun Park, Leiter der Blockchain-Forschung bei LG Electronics, bestätigte gegenüber Fortune die laufende Testphase. "Wir prüfen, ob dieser Ansatz einen spürbaren Mehrwert für Werbetreibende, Publisher und Zielgruppen liefern kann", sagte Park. Arbitrum-Mitgründer Steven Goldfeder betonte die Effizienzvorteile, wenn die Infrastruktur programmatischer Werbung direkt auf dezentralen Registern läuft: "Man kann den Markt im Grunde automatisiert in Software betreiben", so Goldfeder. "Man braucht keine manuellen Eingriffe." Der Ansatz passt zur strategischen Ausrichtung von LG auf Software, Services und Web3-Anwendungen. Über die Vermarktungseinheit LG Ad Solutions verfügt der Konzern über eine installierte Basis von rund 49 Millionen Smart-TVs in den USA und etwa 216 Millionen Geräten weltweit. Dieses Volumen soll helfen, Betrug in der programmatischen Werbung zu verringern und eine Infrastruktur im großen Maßstab zu erproben. Blockchain ist bei LG kein Neuland. Bereits 2018 brachte die Tochter LG CNS mit "Monachain" eine Unternehmens-Blockchain für digitale Authentifizierung und Supply-Chain-Anwendungen an den Start. Auf der Hauptversammlung im März 2022 passte LG zudem die Satzung an und nahm die "Entwicklung und den Verkauf blockchainbasierter Software" sowie "Verkauf und Vermittlung von Kryptowährungen" in den Unternehmenszweck auf. Später im Jahr 2022 folgten die dezentrale Wallet "Wallypto" auf Basis von Hedera Hashgraph sowie die NFT-Plattform LG Art Lab für Smart-TVs, die 2025 wieder eingestellt wurde. Die aktuelle Initiative deutet darauf hin, dass LG Blockchain weniger als Krypto- oder Collectibles-Experiment betrachtet, sondern als Backend-Technologie für eine milliardenschwere Branche mit bekannten Problemen wie Intransparenz, Ineffizienzen und Fraud. Sollte der geplante kommerzielle Rollout erfolgreich sein, könnte das Modell als Blaupause für Medien- und Technologiekonzerne dienen, die die digitale Werbeinfrastruktur modernisieren wollen. Mit Zugang zu mehr als 216 Millionen Smart-TVs weltweit verfügt LG bereits über eine Reichweite, die Blockchain-gestützte Werbung im industriellen Maßstab testbar macht.