EZB-Präsidentin Lagarde wirbt für den digitalen Euro als strategische Antwort auf Umbrüche an den Finanzmärkten
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht Europas finanzielle Zukunft eng mit eigener digitaler Infrastruktur verknüpft. In einer Grundsatzrede am 15. Juni 2026 skizzierte sie, wie Digitalisierung und Tokenisierung die Finanzmärkte verändern – und warum Europa die "Schienen" für Zahlungen und Abwicklung selbst bauen müsse, statt sich auf Systeme anderer zu verlassen. Die Rede hielt sie in Frankfurt auf der EZB-Konferenz "Money in transition: digitalisation and innovation in payments". Lagarde stellte drei Leitlinien in den Vordergrund: Integration, Autonomie und Innovation beim öffentlichen Geld.
Digitaler Euro im Fokus
Das Projekt zum digitalen Euro ist am 30. Oktober 2025 in die nächste Phase übergegangen, nachdem die Vorbereitungsphase im November 2023 gestartet war. Nach Darstellung der EZB soll der digitale Euro Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ziele sind unter anderem Verbraucherschutz und Privatsphäre, freie Wahl der Zahlungsmittel sowie eine geringere Abhängigkeit Europas von ausländischen Zahlungssystemen.
Auf der Konferenz standen zudem digitale Abwicklungsinstrumente für den Großhandel im Mittelpunkt: Zentralbankgeld, tokenisierte Bankeinlagen und Stablecoins. Diskutiert wurde, wie solche Instrumente die Abwicklung integrierter und stärker automatisiert machen können.
Lagardes Skepsis gegenüber Stablecoins
Beim LatAm Economic Forum der Bank of Spain am 8. Mai 2026 plädierte Lagarde dafür, dass die Abwicklung in tokenisierten Märkten auf Zentralbankgeld aufbauen sollte. Den Nutzen eurodenominierter Stablecoins bewertete sie als "schwächer, als er auf den ersten Blick erscheint". Die Haltung passt zur EU-Regulierung Markets in Crypto-Assets (MiCA), die die Regeln für die Ausgabe von Stablecoins innerhalb Europas zuletzt verschärft hat.
Einordnung für Krypto-Anleger
Konkrete Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum spielten in den Diskussionen keine Rolle. Die EU-Agenda zur Savings and Investment Union, die in den Konferenzbeiträgen ausdrücklich mit Tokenisierungstrends verknüpft wurde, deutet darauf hin, dass digitale Abwicklungsassets in den europäischen Kapitalmärkten an Bedeutung gewinnen dürften.