Mehr als 50 % des Bitcoin-Angebots liegen wieder im Minus – K33 sieht Parallelen zu Bärenmärkten
Erstmals seit dem letzten Bärenmarkt liegt nach Angaben von K33 Research wieder mehr als die Hälfte des umlaufenden Bitcoin-Angebots "unter Wasser". Über 10 Mio. BTC wurden zuletzt zu Kursen bewegt oder gekauft, die über dem aktuellen Marktpreis liegen. Der Indikator "Supply in Loss" misst den Anteil der zirkulierenden Coins, die bei ihrer letzten Übertragung zu einem höheren Preis bewertet waren als heute.
Zuvor war Bitcoin von einem Jahreshoch um 82.000 USD auf rund 60.000 USD gefallen, ein Minus von etwa 28 % innerhalb eines Monats. Aktuell notiert der Kurs bei etwa 61.000 USD. Noch vor vier Wochen lag der Anteil der Coins im Verlust bei rund 30 % – ein Anstieg um ungefähr 20 Prozentpunkte.
K33 betont, dass die 50-%-Schwelle in früheren Bärenmärkten meist erst in der Nähe wichtiger Tiefpunkte erreicht wurde. Hintergrund ist ein strukturelles Limit: Ein großer Teil sehr alter Coins bewegt sich kaum oder gar nicht, etwa durch verlorene Schlüssel oder langfristige Halter ohne Verkaufsabsicht. Diese Bestände rutschen faktisch nie in die Verlustzone. Historisch lag das Maximum des Indikators deshalb bei etwa 50 % bis 56 % und wurde in den Zyklen jeweils nur nahe markanter Tiefs erreicht.
In den Bärenmärkten 2011, 2018 und 2022 bildete Bitcoin laut K33 innerhalb von 31 Tagen nach dem ersten Überschreiten der 50-%-Marke ein Tief. Davor folgte allerdings jeweils noch ein letzter Abverkauf von etwa 15 % bis 26 % unter dem Niveau beim Schwellenüberschreiten. K33 interpretiert diese letzte Abwärtswelle als Phase, in der Verkaufsdruck von Haltern, die noch im Gewinn sind, ausläuft – bei weiter fallenden Kursen geraten auch deren Bestände in den Verlust. Die Zwölfmonatsrenditen nach den Tiefs fielen in diesen Zyklen deutlich aus und lagen historisch zwischen 69 % und 359 %.
Als Warnhinweis nennt K33 den Zyklus 2014: Damals dauerte es 101 Tage bis zum Tief, und Bitcoin verlor nach dem Überschreiten der 50-%-Marke weitere 46 %. Die Kombination der Signale liefert damit keinen verlässlichen Timing-Mechanismus.
Rekordabflüsse aus Bitcoin-ETPs verschärfen den Druck
Parallel registriert K33 ungewöhnlich starke institutionelle Abflüsse. In vier Wochen flossen 85.643 BTC aus börsengehandelten Bitcoin-Produkten (ETPs) ab – der höchste jemals gemessene Vierwochen-Abfluss. Zwischen dem 7. Mai und dem 8. Juni 2026 entspricht das im Schnitt rund 4.108 BTC pro Tag. Allein in der jüngsten Woche verließen zusätzlich 22.840 BTC diese Produkte.
Bereits Ende Mai hatte ein Rutsch unter 73.000 USD eine erste Welle größerer Liquidationen ausgelöst. Besonders deutlich zeigen sich die Abflüsse auch bei US-Spot-Bitcoin-ETFs, die eine Teilmenge der ETPs darstellen. Ab dem 20. Mai 2026 zogen Investoren über zehn Handelstage in Folge netto mehr als 40.000 BTC ab. Ab dem 30. Mai folgten erneut zehn aufeinanderfolgende Tage mit Abflüssen; die Summe lag bei rund 2,97 Mrd. USD. Der monatliche Nettoabfluss von 2,43 Mrd. USD war zudem der größte Wert des Jahres 2026.
K33 sieht als möglichen Treiber eine Kapitalrotation in "High-Conviction"-Wachstumschancen, darunter der geplante SpaceX-IPO, KI-Unternehmen und Megacap-Techwerte. Auffällig sei außerdem Strategy (vormals MicroStrategy): Das Unternehmen verkaufte 32 BTC und tätigte damit den ersten Bitcoin-Verkauf seit 2022.
Technische Indikatoren auf Extremniveaus früherer Bärenmärkte
Auch klassische Marktmetriken nähern sich laut K33 früheren Stressniveaus. Der 200-Wochen-Durchschnitt gilt als langfristige Unterstützungszone; in keinem großen Bitcoin-Bärenmarkt endete die Abwärtsphase ohne einen Test dieser Linie. In den Zyklen 2015, 2018 und 2022 fiel der Kurs jeweils bis an oder unter diesen Vierjahresdurchschnitt. Im aktuellen Rückgang wurde die Linie ebenfalls kurz unterschritten; die maximale Abweichung lag bei 4,29 % unter dem Vierjahresdurchschnitt.
Der tägliche RSI sank auf den niedrigsten Stand seit November 2018. Der Fear-&-Greed-Index fiel auf einen Extremwert von 8 und erholte sich später leicht auf 10. Gleichzeitig rutschte das Open Interest in CME-Bitcoin-Futures auf ein Zweieinhalbjahrestief. Anfang Juni lösten die fallenden Kurse zudem Long-Liquidationen von rund 1,5 Mrd. USD aus, als Bitcoin unter 62.000 USD fiel und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024.
Als Gegenakzent hebt K33 anziehende Aktivität am Kassamarkt hervor: Das tägliche Spot-Volumen überschritt erstmals seit Februar 2026 wieder 5 Mrd. USD. Historisch treten Phasen hoher Handelsaktivität häufiger an potenziellen Wendepunkten auf.
K33: Abwärtsrisiko begrenzt, 60.000 USD als Kernzone
K33 hält an seinem Basisszenario fest, wonach 60.000 USD das Zyklustief markieren könnten oder zumindest eine attraktive Zone für langfristige Käufe darstellen. Der aktuelle Drawdown beträgt rund 53 % über etwa acht Monate. Größere historische Rückgänge dauerten eher rund ein Jahr und erreichten 76 % bis 85 %. Im Vergleich wirkt die laufende Abwärtsbewegung damit kürzer und weniger tief.
Vetle Lunde, Head of Research bei K33, sieht in der Gesamtlage ein begrenztes Abwärtspotenzial im Verhältnis zum möglichen Aufwärtsspielraum in den kommenden zwölf Monaten – ohne Garantie.
Deutlich vorsichtiger äußerte sich der Market Maker Wintermute: Solange keine Anzeichen für zurückkehrende Zuflüsse sichtbar seien, sei es verfrüht, ein Tief auszurufen. Der Befund, dass ein großer Teil des Angebots im Verlust liegt, reiche allein nicht als Kaufsignal, solange frisches Kapital nicht messbar zurückkehrt. Die Spanne zwischen konträr-optimistischer Interpretation und abwartender Haltung bleibt damit vorerst offen.