Japan stuft Kryptowährungen als Wertpapiere ein, senkt Steuer auf 20% und ebnet den Weg für ETFs

Japans Unterhaus hat einem weitreichenden Krypto-Gesetzentwurf zugestimmt, der digitale Vermögenswerte stärker an den Kapitalmarkt heranführt. Nach Angaben von Bloomberg sollen Kryptowährungen künftig in den gleichen Rechtsrahmen wie Aktien fallen, die Steuerlast auf Krypto-Gewinne deutlich sinken und der Weg für börsengehandelte Krypto-Produkte frei werden. Kernpunkte der Reform • Neue Einordnung: Kryptowährungen sollen als Finanzinstrumente unter das Financial Instruments and Exchange Act (FIEA) fallen. Damit würde der Handel mit Krypto-Assets dem Regulierungsregime für klassische Wertpapiere angenähert. • Steuern: Die maximale Besteuerung von Krypto-Gewinnen soll von derzeit bis zu 55% auf einen einheitlichen Satz von 20% sinken, analog zu Aktien und Anleihen. Der Steuerteil ist laut Bericht für 2028 vorgesehen. • ETF-Perspektive: Durch die Einbindung in das FIEA entsteht eine klare Grundlage für regulierte, krypto-gebundene ETFs. Die Japan Exchange Group hat signalisiert, dass erste ETF-Listings bereits im kommenden Jahr möglich wären, sobald der Rechtsrahmen steht. • Aufsicht und Sanktionen: Insiderhandelsregeln für Krypto sollen an jene für börsennotierte Wertpapiere angeglichen werden. Für nicht registrierten Krypto-Vertrieb sind deutlich härtere Strafen geplant; die maximale Haftstrafe würde von drei Jahren auf 10 Jahre steigen. • Offenlegung und Reporting: Zusätzliche Offenlegungspflichten und jährliche Berichtsvorgaben für Krypto-Emittenten gelten als wahrscheinlich. Börsen ohne Lizenz sollen strenger sanktioniert werden. Legislatives Verfahren und Zeitplan Das Unterhaus verabschiedete den Entwurf am Donnerstag. Als nächster Schritt geht er ins Oberhaus. Bei Zustimmung könnten zentrale Teile des neuen Regimes bereits im nächsten Jahr greifen. Die Steueränderungen sind für 2028 avisiert, um Anlegern und Unternehmen Anpassungszeit zu geben. Begründung der Aufseher Masato Yoshizawa aus dem Policy and Markets Bureau der Financial Services Agency (FSA) sagte Bloomberg, Ziel sei es, "mehr Innovation zu fördern, indem ein solides Handelsumfeld geschaffen wird". Behörden betonen, die Maßnahme solle ein geordnetes Marktwachstum ermöglichen und sei kein Gütesiegel für Krypto-Assets. Reaktion der Branche Marktteilnehmer begrüßen die höhere Rechtssicherheit. Koichi Kano, Japan-Chef des Krypto-Marketmakers QCP Group, sieht in dem Entwurf eine lange erwartete regulatorische Klarheit, die Betrieb und Expansion in Japan erleichtere. Hinza Asif, Präsidentin der Asia Web3 Alliance, sagte Bloomberg, die strengeren Durchsetzungsmaßnahmen könnten Vertrauen stärken und zusätzliche Teilnehmer anziehen. Stablecoins bleiben separat geregelt Stablecoins sollen weiterhin unter Japans Zahlungsdienste-Rahmen fallen und nicht in das FIEA überführt werden. Parallel bauen große Banken bereits regulierte Digital-Asset-Infrastrukturen auf: MUFG Bank, Sumitomo Mitsui Banking Corporation und Mizuho Bank planen, im Geschäftsjahr 2026 Live-Transaktionen mit einem gemeinsam ausgegebenen Stablecoin zu starten. Zuvor ist Ende 2025 ein FSA-gestützter Pilot für Stablecoin-Emissionen und grenzüberschreitende Zahlungen vorgesehen. Fazit Sollte das Oberhaus zustimmen und die Umsetzung wie geplant erfolgen, wäre die Reform ein Einschnitt für Japans Krypto-Markt: niedrigere Steuerlast für Anleger, ein regulatorischer Pfad für Krypto-ETFs, strengere und wertpapierähnliche Durchsetzung sowie neue Impulse für institutionelle Beteiligung an digitalen Vermögenswerten.