Japan bringt Krypto-Reform auf den Weg: Pauschalsteuer von 20% auf Gewinne geplant
Japans Unterhaus hat ein Reformgesetz für digitale Vermögenswerte verabschiedet. Der Entwurf soll Kryptowährungen regulatorisch näher an Aktien und andere Finanzinstrumente heranführen. Vorgesehen ist, dass Bitcoin, Ethereum und XRP künftig unter das Financial Instruments and Exchange Act fallen, statt überwiegend über Vorschriften für Zahlungsdienste erfasst zu werden. Als nächstes steht die Abstimmung im Oberhaus (House of Councillors) an.
Tritt das Gesetz in Kraft, soll der neue Ordnungsrahmen 2027 wirksam werden. Die geplante Senkung der Krypto-Steuer von derzeit bis zu 55% auf einen einheitlichen Satz von 20% ist ab 2028 vorgesehen.
Mit der Umstellung würde die Aufsicht über Krypto-Assets von der Payment Services Act-Logik hin zu Kapitalmarktregeln wechseln. Das hätte Folgen für Offenlegungspflichten, Handelsbeschränkungen und die Durchsetzung, da das Regelwerk stärker auf Finanzmärkte zugeschnitten ist.
Die Financial Services Agency (FSA) verweist auf die wachsende Nutzung von Krypto-Assets als Anlageprodukt durch in- und ausländische Investoren. In Japan gibt es inzwischen mehr als 14 Millionen aktive Krypto-Konten. Nutzer mit Einkünften unter 7 Millionen Yen (rund 43.600 US-Dollar) stellen etwa 70% dieser Konten.
Steuerlich sieht der Entwurf eine Abkehr von der progressiven Besteuerung vor: Statt eines Spitzensteuersatzes von bis zu 55% auf Gewinne aus Kryptowährungen soll künftig eine Pauschale von 20% gelten. Damit würde die Behandlung an die Besteuerung von Aktien und Anleihen angeglichen und das System für digitale Vermögenswerte vereinfacht.
Parallel sind strengere Maßnahmen gegen nicht registrierte Krypto-Anbieter geplant. Die maximale Freiheitsstrafe für den Betrieb eines nicht registrierten Krypto-Geschäfts soll von drei Jahren auf zehn Jahre steigen. Geldbußen könnten auf bis zu 10 Millionen Yen (rund 62.800 US-Dollar) erhöht werden.
Ein weiterer Baustein betrifft potenzielle Krypto-ETFs. Sobald digitale Vermögenswerte als Finanzinstrumente eingestuft sind, könnte dies den Weg für börsengehandelte Produkte ebnen. Die Japan Exchange Group prüft Berichten zufolge Listings von krypto-bezogenen ETFs bereits ab 2027, sobald der rechtliche Rahmen steht. Die regierende Liberal Democratic Party sieht darin einen leichteren Zugang für Anleger zu digitalen Vermögenswerten.
Zusätzlich soll das Gesetz Insiderhandelsregeln auf Krypto ausdehnen. Unternehmensinsider, Börsenmitarbeiter und andere Personen mit kursrelevanten, nicht öffentlichen Informationen dürften Token nicht auf Basis unveröffentlichter Ereignisse handeln, etwa bei Listing- oder Delisting-Entscheidungen, großen Transaktionen oder Geschäftsaufgaben.
Auch Emittenten und Projekte sollen stärker in die Pflicht genommen werden: Gefordert sind klarere Angaben zu Technologie, Token-Angebot und Unternehmensfinanzen. Wird Kapital ohne unabhängiges Audit aufgenommen, soll für Privatanleger eine Investitionsobergrenze von 2 Millionen Yen gelten.
Die Reform fällt in eine Phase, in der Japans Infrastruktur für digitale Vermögenswerte ausgebaut wird. Große Banken bereiten Stablecoin-Projekte vor, während Unternehmen wie SBI Holdings ihre Angebote für Krypto-Handel und Verwahrung ausweiten.