Grayscale-Researchchef: BTC-Verkauf im Umfang von 3 Mrd. US-Dollar könnte Marktstimmung beruhigen
Ein Satz, der selten fällt: Der Verkauf von Milliarden in Bitcoin könnte die Gemüter am Markt beruhigen. Zach Pandl, Researchchef von Grayscale, skizzierte dieses Szenario in einer Research-Notiz vom 4. Juni und richtet den Blick dabei auf Strategy, das von Michael Saylor geführte Unternehmen, das früher unter dem Namen MicroStrategy bekannt war.
Strategy steht laut Pandl vor einem wachsenden Cashflow-Problem. Die jährlichen Dividendenverpflichtungen aus Vorzugsaktien belaufen sich auf rund 1,5 Mrd. US-Dollar. Das Softwaregeschäft steuert etwa 477 Mio. US-Dollar bei. Damit klafft eine Lücke von rund 1 Mrd. US-Dollar – eine Rechnung, die nur aufgeht, wenn der Bitcoin-Kurs "mitspielt".
Das Unternehmen hat seine Corporate Story auf das Horten von Bitcoin aufgebaut. Mit mehr als 840.000 BTC verfügt Strategy über die mit Abstand größte корпоративe Bitcoin-Treasury weltweit. Jahrelang war der Ablauf klar: Aktien ausgeben, Wandelanleihen platzieren, weitere Bitcoin kaufen – und wieder von vorn. Mit der Vorzugsaktien-Schicht verändert sich die Dynamik.
Die Vorzugsaktien von Strategy, handelbar unter dem Ticker STRC, sind darauf ausgelegt, Dividenden aus dem operativen Geschäft zu zahlen – und bei Bedarf aus den Bitcoin-Beständen. Das Problem: STRC notiert unter dem erwarteten Ziel- bzw. Referenzwert von 100 US-Dollar. Diese Abschläge erhöhen die künftigen finanziellen Verpflichtungen und können eine Rückkopplung auslösen, die zusätzlichen Druck auf die Treasury ausübt.
Ende Mai verkaufte Strategy 32 BTC – der erste Bitcoin-Verkauf seit 2022. Der Erlös floss direkt in die Finanzierung der Vorzugsdividenden. Gemessen an den Beständen ist das marginal, faktisch ein Rundungsfehler. Am Markt kam der Schritt dennoch als Signal an und sorgte für Unruhe.
Pandls These wirkt kontraintuitiv: Ein größerer, kontrollierter Verkauf – etwa Bitcoin im Gegenwert von 3 Mrd. US-Dollar – könnte die Stimmung sogar stabilisieren. Der Grund: Investoren preisen aktuell die Unsicherheit ein, ob und wann Strategy gezwungen sein könnte, Bitcoin in größerem Umfang auf den Markt zu geben. Ein transparent angekündigter, geordnet durchgeführter Verkauf würde diesen "Überhang" reduzieren.
Zum Zeitpunkt der Analyse lag Bitcoin in der Größenordnung von 60.000 US-Dollar. Zugleich stand der Kryptomarkt bereits unter Abgabedruck: In den Wochen zuvor summierten sich Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs auf rund 3 Mrd. US-Dollar. Diese Abflüsse hatten laut Pandl zwar keinen Bezug zu Aktivitäten von Grayscale, bildeten aber das nervöse Umfeld.
Der Verkauf von 32 BTC ist klein, durchbrach aber eine psychologische Marke: Seit 2022 war Strategy ausschließlich Käufer. Jede Abkehr davon – auch in minimalem Umfang – zwingt den Markt, die Erwartungen gegenüber dem größten einzelnen BTC-Halter neu zu justieren. Pandl verweist zudem auf die Schwäche von STRC als Frühindikator. Sollte die Vorzugsaktie weiter unter dem Nennwert handeln, könnte Strategy vor der Wahl stehen, zusätzliche Aktien auszugeben oder mehr Bitcoin zu verkaufen, um die steigenden Kosten der Kapitalstruktur zu bedienen.
Für Anleger steht vor allem die Frage der Größenordnung im Fokus. 32 BTC fallen kaum ins Gewicht. Ein Verkauf im Umfang von 3 Mrd. US-Dollar wäre dagegen materiell, aber aus Marktsicht potenziell verkraftbar. Pandl ordnet ein solches Vorgehen nicht als Notverkauf ein, sondern als strategisches Deleveraging: ein Weg, um zu zeigen, dass die Dividendenpflichten auch ohne die Annahme dauerhaft steigender Bitcoin-Preise bedient werden können.
Für Bitcoin selbst wäre ein Volumen von 3 Mrd. US-Dollar relevant, aber nicht zwangsläufig dramatisch. Das tägliche Handelsvolumen von Bitcoin über große Börsen liegt regelmäßig bei über 20 Mrd. US-Dollar. Ein strukturiertes, vorab kommuniziertes Programm über mehrere Wochen ließe sich deutlich leichter absorbieren als ein panikartiger Abverkauf.
Zwei Indikatoren gelten als besonders wichtig: erstens der Kurs von STRC im Verhältnis zum Nennwert von 100 US-Dollar. Ein dauerhaftes Handeln unter pari deutet auf zunehmenden finanziellen Druck hin. Zweitens die Quartalsberichte von Strategy, insbesondere Hinweise auf Veränderungen in der Politik zur Veräußerung von Bitcoin. Der 32-BTC-Verkauf im Mai wurde schnell offengelegt; eine Beschleunigung dieser Entwicklung wäre das klarste Signal, dass die milliardenschwere Dividendenlücke untragbar wird.
Ein zusätzlicher Punkt: Grayscale bleibt selbst Netto-Käufer von Bitcoin. Pandls Analyse bezieht sich auf die Bilanz von Strategy, nicht auf die Positionierung von Grayscale. Frühere Meldungen vermischten beides teilweise, Hinweise darauf, dass Grayscale Verkäufe aus eigenen Beständen plant oder empfiehlt, gibt es nicht.