EZB erhöht Leitzinsen um 25 Basispunkte – Inflationssorgen nehmen wieder zu
Die Europäische Zentralbank hat die Märkte mit einer weiteren Straffung überrascht. Am 11. Juni hob sie ihre wichtigsten Leitzinsen um 25 Basispunkte an. Der Einlagensatz steigt damit auf 2,25% und gilt ab dem 17. Juni.
Auslöser sind erneut anziehende Inflationsrisiken. Nach Einschätzung der EZB verstärkt ein energiebedingter Angebotsschock im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen im Nahen Osten den Preisdruck. Chefvolkswirt Philip Lane bezeichnete den Schritt als vorbeugend. Die Notenbank wolle lieber früh handeln, als abzuwarten, bis sich Inflationserwartungen verfestigen.
Prognosen: Preisdruck bleibt zäh
Die aktualisierten Inflationsprojektionen der EZB deuten auf anhaltend hohe Teuerung hin. Für 2026 erwartet die EZB nun eine Gesamtinflation von 3,0% und damit klar über dem Ziel von 2%. Für 2027 wird ein Rückgang auf 2,3% prognostiziert, erst 2028 soll mit 2,0% wieder das Zielniveau erreicht werden.
Auch die Kerninflation bleibt erhöht. Ohne Energie und Nahrungsmittel rechnet die EZB für 2026 und 2027 jeweils mit 2,5%. Diese Kennzahl gilt als besonders aussagekräftig, weil sie signalisiert, dass der Preisdruck zunehmend in Dienstleistungen und Löhne hineinwirkt. Lane verwies in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf mögliche "Zweitrundeneffekte".
Marktbeobachter werten den Schritt als eine Art "Versicherungs"-Anhebung. Lane betonte zugleich, die Geldpolitik bleibe strikt datenabhängig. Es gebe keine Vorfestlegung für weitere Zinsschritte und auch keinen fixen Zielpfad in Richtung eines "neutralen" Zinsniveaus.
Bedeutung für Krypto: höhere Opportunitätskosten
Digitale Vermögenswerte wurden in den Mitteilungen der EZB nicht erwähnt. Der Übertragungskanal ist dennoch klar: Steigende Zinsen im Euroraum erhöhen die Renditen klassischer festverzinslicher Anlagen. Damit steigen die Opportunitätskosten für das Halten volatiler, nicht verzinslicher Assets wie Bitcoin.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
Mit der datenabhängigen Linie wird jede kommende Inflationszahl aus dem Euroraum potenziell marktbewegend. Sollte die Gesamtinflation wieder nachhaltig über 3,0% tendieren oder sich die Kerninflation als zäher erweisen als die Prognose von 2,5%, rückt eine weitere Zinserhöhung in den Bereich des Möglichen.
Besonders im Fokus stehen die PMI-Daten für den Dienstleistungssektor im Euroraum. Dienstleistungspreise gelten als der hartnäckigste Inflationsblock und waren ein zentraler Punkt in Lanes Warnungen. Bleibt der Preisdruck dort hoch, könnte die proaktive Haltung der EZB in zusätzliche Straffung münden – und den Gegenwind für Risikoanlagen bis weit ins Jahr 2027 verlängern.