US-Dollar steigt auf 100,85 dank Zinserhöhungswetten auf die Fed – Krypto unter Druck
Der US-Dollar hat seinen stärksten Tageslauf seit Monaten hingelegt – und der Kryptomarkt spürte die Folgen unmittelbar. Der Dollar-Index stieg am 18. Juni auf 100,85 und damit auf den höchsten Stand seit November. Auslöser war die Neubewertung der Zinserwartungen nach der Sitzung des Federal Open Market Committee.
Bei der Sitzung am 17. Juni ließ die Fed den Zielkorridor für den Federal Funds Rate bei 3,5% bis 3,75%. In den aktualisierten Projektionen rechnen nun 9 von 18 Fed-Vertretern mit mindestens einer Zinserhöhung vor Ende 2026; die Median-Prognose liegt bei 3,8%.
Am Prognosemarkt Kalshi sprang die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung später im Jahr 2026 auf 57%. Nur wenige Tage vor der Sitzung lag dieser Wert noch bei 35% – ein Sprung um 22 Prozentpunkte binnen kurzer Zeit, der Marktpositionierungen schnell verschiebt. Zur Einordnung: Über weite Teile des Jahres 2025 hatte die Fed die Zinsen nach dem aggressiven Straffungszyklus 2022 und 2023 gesenkt.
Bitcoin geriet nach der Veröffentlichung des FOMC-Statements deutlich unter Druck und fiel am 18. Juni in den unteren Bereich von 62.000 US-Dollar. Im weiteren Verlauf erholte sich der Kurs teilweise auf rund 64.000 US-Dollar.
Bei Spot-ETFs auf Bitcoin und Ether wurden unmittelbar nach der Ankündigung zusammen Abflüsse von mehr als 111 Mio. US-Dollar verzeichnet.
Ein fester Dollar belastet Krypto aus mehreren Gründen. Steigt der Dollar, wirken in US-Dollar notierte Anlagen wie US-Staatsanleihen und Geldmarktfonds attraktiver – das klassische Risk-off-Setup. Kapital wandert aus spekulativen Anlagen in sicherere Segmente; für viele institutionelle Investoren zählt Krypto klar zur spekulativen Kategorie. Die ETF-Abflüsse von 111 Mio. US-Dollar sind ein direktes Signal dieses Mechanismus.
Hinzu kommt die internationale Perspektive: Ein stärkerer Dollar verteuert Bitcoin für Käufer außerhalb der USA und kann die Nachfrage aus Nicht-US-Märkten dämpfen. Beim letzten Erreichen ähnlicher Dollar-Index-Niveaus im November bewegte sich Bitcoin ebenfalls in einer vergleichbaren Spanne, bevor es bis zum Jahresende 2025 zu einer Rally kam.
Für Anleger ist die Kalshi-Wahrscheinlichkeit von 57% für eine Zinserhöhung 2026 keine Gewissheit, sondern eher ein Münzwurf mit leichter Tendenz. Diese Tendenz kann ausreichen, um den Dollar gestützt zu halten und Krypto so lange zu bremsen, bis neue Daten das Bild verändern.
Im Fokus stehen zwei Punkte: erstens die Inflationsdaten der kommenden Monate, weil sie darüber entscheiden, ob der restriktivere Ton der Fed in tatsächliche Schritte mündet. Zweitens die ETF-Flüsse: Anhaltende Abflüsse würden bestätigen, dass institutionelles Kapital tatsächlich aus Krypto herausrotiert und nicht nur kurzfristig absichert. Der Unterschied zwischen einem eintägigen Abfluss von 111 Mio. US-Dollar und einem Trend über mehrere Wochen entscheidet darüber, ob es sich um eine Kaufchance oder um einen Regimewechsel handelt.