Deutsche Bank: Bitcoin rutscht kurzzeitig unter 60.000 US-Dollar – zunehmender institutioneller Einfluss
Nach Angaben von CoinMarketCap hat die Deutsche Bank darauf hingewiesen, dass Bitcoin in diesem Monat kurzzeitig unter die Marke von 60.000 US-Dollar gefallen ist. Aus Sicht der Bank deutet der Rücksetzer auf veränderte Preistreiber hin: Nicht mehr vor allem die Stimmung von Privatanlegern, sondern zunehmend Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank, Kapitalströme in Spot-Bitcoin-ETFs sowie Allokationsentscheidungen institutioneller Investoren prägen den Kurs.
Anfang Juni fiel Bitcoin auf den tiefsten Stand seit fast eineinhalb Jahren. Am 5. Juni rutschte der Kurs kurz unter 60.000 US-Dollar und erreichte damit laut Bericht den niedrigsten Wert seit Ende 2024, bevor er sich wieder in den Bereich von rund 62.000 bis 63.000 US-Dollar erholte.
Die Deutsche Bank sieht keinen einzelnen Auslöser, sondern eine Kombination mehrerer Belastungsfaktoren. Die Markterwartungen an den künftigen Fed-Kurs hätten sich spürbar restriktiver entwickelt. Gleichzeitig verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs über mehrere Wochen hinweg Nettoabflüsse. Zusätzlich habe der Verkauf von Bitcoin durch Strategy – der erste seit 2022 – die Stimmung zeitweise belastet.
Besonders die veränderten Zins- und Liquiditätserwartungen dürften laut Bank auf Risikoanlagen drücken. Ökonomen der Deutschen Bank rechnen derzeit damit, dass die Federal Reserve die Leitzinsen im Jahr 2026 zweimal anhebt. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu früher verbreiteten Erwartungen einer geldpolitischen Lockerung und schwächt aus Sicht der Bank die Liquiditätsunterstützung, auf die riskantere Assets wie Bitcoin in den vergangenen Jahren setzen konnten.
Auch die ETF-Flüsse werden als zentraler Faktor hervorgehoben: US-Spot-Bitcoin-ETFs hätten sechs Wochen in Folge Nettoabflüsse verzeichnet, insgesamt in Höhe von rund 6 Mrd. US-Dollar. Da ETFs inzwischen als wichtiger Kanal der Preisbildung gelten, könnten anhaltende Abflüsse den Abwärtsdruck nach Einschätzung der Deutschen Bank weiter verstärken.
Neben Makro- und Liquiditätsfaktoren verweist die Bank zudem auf Umschichtungen in Richtung KI-Investments. Dem Bericht zufolge dürften große US-Technologiekonzerne bis 2026 mehr als 700 Mrd. US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Das ziehe einen Teil des risikoorientierten Kapitals in KI-nahe Aktien.
Die Analysten betonen, dass die marginalen Käufer von Bitcoin heute häufiger ETF-Allokatoren oder Corporate-Treasury-Abteilungen seien und weniger Privatanleger. In der Praxis werde Bitcoin damit bei der Allokation von Risikoassets zunehmend auch gegen KI-Themenwerte abgewogen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag Bitcoin im 24-Stunden-Vergleich rund 3,5% im Minus und notierte bei etwa 62.600 US-Dollar. Die Deutsche Bank sieht die Marktstellung von Bitcoin grundsätzlich nicht gefährdet, erwartet aber, dass die Volatilität stärker von institutionellen Kapitalströmen, geldpolitischen Erwartungen und regulatorischen Entwicklungen geprägt wird.