Bitcoin fällt auf tiefsten Stand seit 2024 – Short-Positionen nehmen zu

Bitcoin (BTC) ist am Donnerstag zu Beginn der US-Handelssitzung deutlich unter Druck geraten. In der Vorbörse rutschte der Kurs um 5% auf 58.000 US-Dollar und markierte damit den schwächsten Stand seit 2024. Anschließend setzte eine Erholung ein; zuletzt notierte BTC wieder nahe 60.000 US-Dollar. Die Abwärtsbewegung erfasste auch den breiteren Kryptomarkt: Ethereum fiel auf rund 1.550 US-Dollar (minus 5,5%), Solana und Dogecoin verzeichneten vergleichbare Rückgänge. Als Belastungsfaktoren gelten Impulse aus dem Technologiesektor und vor allem die US-Geldpolitik. Zwar legte der Speicherchip-Hersteller Micron nach starken Quartalszahlen am Mittwochabend zu, die Mehrzahl der großen Tech-Werte gab jedoch nach, auch der Nasdaq geriet ins Minus. Zusätzlich sorgte die US-Notenbank für Gegenwind: Die Federal Reserve trat zuletzt deutlich restriktiver auf als erwartet und signalisierte, der nächste Schritt könne eher eine Zinserhöhung sein. Das belastete Risikoanlagen und drückte auch auf Bitcoin. Daten aus dem Derivatemarkt zeichnen laut CoinDesk-Auswertung jedoch ein differenzierteres Bild. Auf Basis von CoinGlass-Liquidationsdaten lag das Liquidationsrisiko oberhalb des aktuellen Kursniveaus. Vereinfacht heißt das: Ein weiterer Rückgang hätte wahrscheinlich keine unmittelbare Kettenreaktion mit panikartigen Verkäufen ausgelöst – das Risiko verlagert sich damit stärker auf Marktteilnehmer, die auf weiter fallende Kurse setzen. Auffällig ist zudem die Positionierung: Nach Angaben von CoinDesk stieg das Open Interest innerhalb von 24 Stunden um rund 0,28%, während der Preis um etwa 3% nachgab. Das deutet darauf hin, dass Trader Short-Positionen nicht abbauen, sondern ausweiten – in der Erwartung, dass Bitcoin die Unterstützung bei 58.000 US-Dollar klar nach unten durchbricht. Gleichzeitig rutschten die Funding Rates ins Negative. Damit zahlen Marktteilnehmer faktisch eine Prämie, um Short-Positionen zu halten – ein auf Dauer teures Engagement. Auch das Orderbuch spricht für ein Ungleichgewicht: Laut CoinGlass-Spot-Markttiefe liegen zwischen dem aktuellen Kurs und 50.000 US-Dollar Kauforders über rund 6.900 BTC (Wert: 409 Mio. US-Dollar). Auf der Oberseite finden sich zwischen aktuellem Kurs und 70.000 US-Dollar lediglich Verkaufsorders über etwa 1.570 BTC (rund 93 Mio. US-Dollar). Das bedeutet: Unterhalb des Marktes ist das Kaufinteresse größer als das Verkaufsinteresse darüber – ein Setup, das tendenziell eher Rückenwind liefert. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für einen "Short Squeeze": In einem überfüllten Short-Markt kann bereits ein moderater Kursanstieg Short-Seller zum Eindecken zwingen, um Liquidationen zu vermeiden. Diese Rückkäufe erhöhen den Aufwärtsdruck zusätzlich. Ein solcher Mechanismus ist möglich, aber nicht garantiert. Open Interest, Orderbuchtiefe und Funding Rates sind beobachtbare Daten; ob sie in den nächsten Stunden oder Tagen tatsächlich eine Eindeckungsrally auslösen, bleibt Interpretation. Märkte können länger einseitig positioniert bleiben, als viele erwarten. Unabhängig vom kurzfristigen Setup bleibt der übergeordnete Trend bei BTC klar abwärtsgerichtet. Selbst ein möglicher Short Squeeze wäre eher eine kurzfristige Gegenbewegung innerhalb der größeren Abwärtsphase als eine nachhaltige Trendwende. Entscheidend bleibt das Makroumfeld, insbesondere die Zinserwartungen an die Fed. Im Fokus stehen nun drei Punkte: Hält die Marke von 58.000 US-Dollar als Unterstützung, bauen sich Short-Positionen weiter auf, und verändert sich der erwartete geldpolitische Kurs der Fed erneut? Diese Faktoren dürften die Richtung des Bitcoin-Kurses in den kommenden Wochen stärker prägen als der reine Short-Squeeze-Mechanismus.