Bitcoin rutscht unter 59.000 US-Dollar – US-PCE-Inflation zieht an, Liquidationen bei 1,26 Mrd. US-Dollar
Bitcoin ist am Donnerstag unter die Marke von 59.000 US-Dollar gefallen. Auslöser waren stärker als erwartet wirkende US-Inflationssignale, zunehmende Abflüsse aus börsengehandelten Bitcoin-Produkten und eine Welle an Liquidationen im gehebelten Handel. In rund einer Stunde rutschte BTC von über 61.000 auf knapp 58.000 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte sich der Kurs auf 59.180 US-Dollar erholt, lag aber auf 24-Stunden-Sicht weiterhin 2,57% im Minus.
Im Fokus stand der jüngste US-Report zu den Personal Consumption Expenditures (PCE): Die jährliche PCE-Inflation lag im Mai bei 4,1% nach 3,8% zuvor. Auch wenn Monats- und Jahreswert unter einzelnen Prognosen an der Wall Street lagen, bleibt die Teuerung mehr als doppelt so hoch wie das 2%-Ziel der US-Notenbank. Das dämpft die Hoffnung auf eine bald lockerere Geldpolitik.
Unter 60.000 US-Dollar nahmen Zwangsschließungen deutlich zu. Laut CoinGlass summierten sich die Liquidationen am Kryptomarkt in den vergangenen 24 Stunden auf rund 1,265 Mrd. US-Dollar; mehr als 209.000 Trader wurden liquidiert. Allein in der letzten Stunde des stärksten Kursimpulses fielen mehr als 500 Mio. US-Dollar an Liquidationen an. Besonders stark traf es Long-Positionen, nachdem viele Marktteilnehmer auf eine Gegenbewegung gesetzt hatten.
Zusätzlichen Verkaufsdruck lieferten Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs: Am Mittwoch flossen nahezu 500 Mio. US-Dollar aus den Produkten ab, zeitgleich mit dem Rückgang unter 60.000 US-Dollar. Damit schwächte sich einer der meistbeachteten institutionellen Nachfragekanäle. Auch Ethereum und XRP gaben nach, während Händler Risikoengagement in großen Assets reduzierten und die Volatilität an technischen Schlüsselmarken anzog.
Der PCE-Bericht stützte die Erwartung, dass die Federal Reserve länger an einer straffen Linie festhalten könnte. Höhere Inflation belastet Risikoanlagen, da sie Zinssenkungserwartungen senkt und ein stärkeres Dollarumfeld begünstigt. Der US-Dollar-Index eroberte zuletzt wieder die Marke von 100 zurück, was Bitcoin und andere Assets, die von reichlich Liquidität profitieren, zusätzlich unter Druck setzte. Zudem wurden Zinssenkungserwartungen für 2026 nach unten angepasst, nachdem geopolitische Spannungen und hartnäckige Inflationsdaten das makroökonomische Umfeld belastet hatten.
Auch marktstrukturell bleibt die Lage fragil. Kurzfristige Halter sehen eine weiter nachlassende Preisdynamik, die laut Glassnode seit dem Wechsel ins Negative im März schwächer geworden ist und per 23. Juni bei rund 24% im Jahresvergleich lag. Historisch wurden in ausgeprägten Reset-Phasen Kontraktionen zwischen minus 55% und minus 65% beobachtet – die aktuelle Abschwächung hat sich verschärft, erreicht aber noch nicht die extremsten Bereiche früherer Zyklen.
Technisch testet Bitcoin nun eine zentrale wöchentliche Unterstützungszone zwischen 57.800 und 60.000 US-Dollar. In diesem Bereich liegt auch das 0,618-Fibonacci-Retracement bei 57.824 US-Dollar, berechnet vom Zyklustief bei rund 15.525 bis zum Zyklushoch bei rund 126.255 US-Dollar. Gleichzeitig notiert BTC unter dem wöchentlichen 200-Wochen-Durchschnitt bei etwa 62.438 US-Dollar, der in früheren Korrekturphasen häufig als langfristige Stütze diente. Nach dem Bruch dieser Marke könnte 62.400 US-Dollar bei einer Erholung als Widerstand fungieren.
Der 200-Wochen-EMA verläuft noch höher bei rund 68.677 US-Dollar, womit sich ein breiterer Widerstandsbereich zwischen etwa 62.400 und 68.700 US-Dollar ergibt. Für eine technische Stabilisierung müsste Bitcoin zunächst den 200-Wochen-Durchschnitt zurückerobern und anschließend auch den 200-Wochen-EMA überwinden. Verteidigen Käufer den Bereich um 57.800 bis 58.000 US-Dollar, wäre eine Entlastungsbewegung in Richtung 62.400 US-Dollar möglich. Fällt die Unterstützung, liegen die nächsten Abwärtszonen bei rund 52.000 und 50.000 US-Dollar.