Bank of England lockert Stablecoin-Vorgaben und setzt vorläufige Obergrenze von 40 Mrd. £ für große Emittenten
Die Bank of England (BoE) hat ihren geplanten Regulierungsrahmen für systemrelevante Stablecoins nach Rückmeldungen aus Krypto- und Finanzbranche spürbar angepasst. Kernpunkte sind niedrigere Reserveanforderungen, der Wegfall individueller Haltegrenzen sowie eine befristete Emissionsobergrenze von 40 Mrd. £ je systemischem Stablecoin. Ziel ist es, den Standort Großbritannien für Stablecoin-Anbieter attraktiver zu machen, ohne die Finanzstabilität aus dem Blick zu verlieren.
Bargeldreservepflicht sinkt von 40% auf 30%
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Zusammensetzung der Reserven. Nach dem früheren Entwurf hätten Emittenten systemischer Stablecoins 40% ihrer Reserven als Bargeld bei der BoE halten und 60% in kurzfristige britische Staatsanleihen investieren müssen. In der finalen Fassung sinkt der verpflichtende Bargeldanteil auf 30%. Bis zu 70% dürfen in britische Treasury Bills mit Laufzeiten von bis zu sechs Monaten fließen.
Die Anpassung folgt Branchenbedenken, wonach ein hoher Anteil nicht verzinster Zentralbankeinlagen die Profitabilität von Stablecoin-Geschäftsmodellen beeinträchtigen und Innovation bremsen könnte. Sarah Breeden, Deputy Governor für Finanzstabilität, bezeichnete die Änderungen als "wichtigen Meilenstein" für mehr Auswahl und Innovation im britischen Zahlungsverkehr und erklärte, die BoE habe die Zentralbank-Einlagenanforderung auf 30% abgesenkt. Damit können Emittenten auf 70% der Reserveanlagen Renditen erzielen, während die Mittel in hochliquiden und risikoarmen Papieren verbleiben.
Keine Haltegrenzen mehr, stattdessen temporärer Deckel von 40 Mrd. £
Die BoE kippt zudem einen der umstrittensten Vorschläge aus der Konsultation. Ursprünglich war vorgesehen, dass Privatpersonen maximal 20.000 £ an Stablecoins halten dürfen, Unternehmen maximal 10 Mio. £. Diese Limits entfallen.
An ihre Stelle tritt ein vorläufiger "Guardrail": Pro systemischem Stablecoin-Produkt soll die umlaufende Gesamtmenge vorübergehend auf 40 Mrd. £ begrenzt werden. Damit will die Aufsicht eine zu schnelle Abwanderung von Bankeinlagen in Stablecoins ausbremsen. Die Notenbank warnt, großvolumige Einlagenverschiebungen könnten die Refinanzierungsbasis der Banken schwächen und deren Kreditvergabefähigkeit an Haushalte und Unternehmen beeinträchtigen.
Notfall-Liquidität und strikte Rücktauschpflicht binnen 24 Stunden
Der Rahmen enthält außerdem Pläne für eine Zentralbank-Liquiditätsfazilität. Berechtigte Stablecoin-Emittenten sollen in Stressphasen Notfallfinanzierung erhalten können, wenn sie britische Staatsanleihen als Sicherheiten stellen.
Zudem verschärft die BoE die Anforderungen an die Einlösbarkeit: Systemische Stablecoins müssen auch in Marktstressphasen jederzeit zum Nennwert binnen 24 Stunden rücktauschbar bleiben. Emittenten dürfen Rücknahmen nicht aussetzen; eine Mindesthöhe für Rückgaben ist nicht vorgesehen.
Abgelehnt wurden Forderungen, Reserven in Einlagen bei Geschäftsbanken oder Geldmarktfonds zu halten. Die BoE begründet dies mit erhöhten Ansteckungsrisiken zwischen Stablecoin-Systemen und dem traditionellen Bankensektor.
Zum Marktumfeld: Die Marktkapitalisierung des Stablecoin-Sektors liegt aktuell bei 317,45 Mrd. US-Dollar und damit unter dem jüngsten Hoch von 322 Mrd. US-Dollar.