Arthur Hayes trennt sich von HYPE und warnt: Hyperliquids Buyback-Modell könnte an Wall-Street-Konkurrenz scheitern
BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes warnt, dass die Wall Street Hyperliquid im Markt für Perpetual Futures zunehmend ins Visier nimmt. Der schnelle Aufstieg der dezentralen Börse könne unter Druck geraten, sobald etablierte Kryptobörsen und TradFi-Anbieter in großem Stil konkurrierende Produkte starten.
Hyperliquid trat 2023 auf den Plan und entwickelte sich rasch zur bevorzugten Plattform für Derivate auf weniger liquide Märkte sowie Real-World-Assets (RWA). Der native Token HYPE markierte vergangene Woche neue Allzeithochs, nachdem die Plattform Handelsgebühren in Token-Rückkäufe und anschließende Burns lenkte, um das Angebot zu verknappen.
In einem Interview mit Decrypt bezeichnete Hayes dieses Konstrukt als anfällig: "Am Ende des Tages ist das eine Cash-Story". Bricht der Marktanteil abrupt weg, gerät laut Hayes der Rückkauf-Mechanismus ins Stocken, der HYPE stützt.
Kennzahlen und Zeitplan
- Mit einem Upgrade im Oktober weitete Hyperliquid RWA-Perps aus, darunter Gold und Silber. Laut Plattform haben ausstehende Positionen in diesen Märkten inzwischen 3 Mrd. US-Dollar erreicht.
- Hyperliquid kaufte bislang rund 26,6 Mio. HYPE zurück und entfernte dauerhaft 579.603 HYPE aus dem Umlauf. Das größere Buyback-Volumen entspricht bei aktuellen Preisen etwa 1,56 Mrd. US-Dollar.
- HYPE notierte am Sonntag bei rund 59 US-Dollar, etwa 14% niedriger als vor sieben Tagen, nachdem der Token vergangene Woche ein ATH von über 75 US-Dollar erreicht hatte (CoinGecko).
Hayes hatte Hyperliquids Aufstieg wiederholt kommentiert, etwa mit Blick auf die Preisfindung am Wochenende bei Rohstoffen wie Öl. Gleichzeitig betont er die Konkurrenzrisiken: Er rechnet damit, dass zentralisierte Börsen und TradFi-Handelsplätze gezwungen sein werden, eigene Perpetual-Swap-Produkte aufzulegen. "Ziemlich liquide" TradFi-Perps könnten nach seiner Einschätzung bereits im kommenden Jahr erscheinen.
Warum Perpetuals entscheidend sind
Perpetual Futures (Perps) ermöglichen Positionen ohne Laufzeitende; der Ausgleich erfolgt über regelmäßige Funding-Zahlungen statt über feste Fälligkeiten. BitMEX machte den modernen Perpetual-Kontrakt unter Hayes 2016 populär, auch wenn die Grundidee fortlaufender Kontrakte laut Interview deutlich älter ist. Hyperliquids Vorteil liegt bisher in Perps auf weniger liquide, realwirtschaftliche Märkte, die besonders am Wochenende aktiv gehandelt werden. Diese Volumina tragen die Buyback-and-Burn-Ökonomie.
Plötzlicher Kurswechsel: Hayes verkauft
Einen Tag nach dem Gespräch mit Decrypt erklärte Hayes auf X, er habe seine HYPE-Bestände sowie einen weiteren Token "gerade abgestoßen". Als Gründe nannte er makroökonomische und marktbezogene Faktoren: steigende Energiekosten, eine Welle von IPOs, die Liquidität abzieht, sowie eine veränderte Haltung von Präsident Trump zum Thema KI. Der Verkauf erfolgte weniger als zwei Monate nach einem Essay, in dem Hayes HYPE bis August 2026 bei 150 US-Dollar gesehen hatte—eine Kehrtwende, die in der Community gemischte Reaktionen auslöste.
Was auf dem Spiel steht
Der Kern von Hayes' Warnung: Hyperliquids Verknappungsmechanik hängt von stabilen Gebühreneinnahmen ab. Wandert Liquidität zu zentralisierten Börsen oder zu TradFi-Perps mit ähnlichem Produkt und größerer Kapitalbasis, könnte der Buyback-Motor stottern—mit entsprechendem Abwärtsdruck auf HYPE. Hyperliquids Wachstum im RWA-Segment und die bisherigen Rückkaufzahlen sind zwar bemerkenswert, Hayes' Einschätzung unterstreicht aber den zunehmenden Wettlauf zwischen agilen DeFi-Anbietern und etablierten Finanzakteuren um die Zukunft des Derivatehandels.