Abracadabra greift zu Notmaßnahmen: MIM verliert über 50% gegenüber der Dollarbindung

Abracadabra reagiert auf den starken Kursverlust seines an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins Magic Internet Money (MIM). Nachdem MIM zeitweise mehr als 50% unter die Zielmarke von 1 US-Dollar gefallen war, kündigte das DeFi-Protokoll Notmaßnahmen an, um Angebot und Marktvertrauen zu stabilisieren. Kern des Plans ist eine stufenweise Anhebung der Zinsen in den sogenannten "Cauldrons", dem Kredit- und Minting-System von Abracadabra. Höhere Finanzierungskosten sollen Kreditnehmer zu schnelleren Rückzahlungen bewegen und so die umlaufende MIM-Menge reduzieren. Abracadabra erklärte in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung, die Umsetzung beginne umgehend. Die Zinsanpassungen sollen nicht nur aktive, sondern auch als veraltet ("deprecated") markierte Märkte umfassen. Aus Sicht des Protokolls schafft der Abschlag von MIM gegenüber 1 US-Dollar einen Rückzahlungsanreiz: Wer Schulden in MIM aufgenommen hat, kann diese bei einem Kurs deutlich unter 1 US-Dollar günstiger tilgen als ursprünglich geschuldet. Das soll die zirkulierende Menge verknappen und den Kurs in Richtung der Zielbindung bewegen. Abracadabra formulierte das Ziel, Vertrauen wiederherzustellen, die Marktstruktur zu verbessern und MIM zu einer "gesunden (und liquiden) Bindung" zurückzuführen. MIM wird im Abracadabra-System gegen renditetragende Sicherheiten geprägt: Nutzer hinterlegen zinstragende Token in den Cauldrons und nehmen dagegen Kredite auf, wodurch MIM entsteht. Trotz Besicherung bleibt das Modell anfällig für Marktstruktur- und Liquiditätsprobleme. Der aktuelle Depeg unterstreicht ein bekanntes Risiko krypto-besicherter Stablecoins: Entscheidend ist nicht nur die theoretische Deckung, sondern auch die Tiefe der Liquidität an Handelsplätzen. Bei dünner oder unausgewogener Liquidität kann Verkaufsdruck den Kurs weiter von 1 US-Dollar wegdrücken und eine Erholung erschweren. Daten von CoinMarketCap zufolge geriet MIM Mitte Juni unter Druck und fiel zeitweise auf rund 0,74 US-Dollar. Danach erholte sich der Kurs kurzzeitig auf etwa 0,89 US-Dollar, bevor er bis Mittwoch erneut auf ungefähr 0,49 US-Dollar abrutschte. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lag das zirkulierende Angebot laut CoinMarketCap bei rund 104 Mio. US-Dollar. Die aktuellen Schritte folgen auf einen früheren Versuch, die Liquidität zu stützen. Am 15. Juni, als MIM erstmals von der Dollarbindung abwich, hatte Abracadabra nach eigenen Angaben 100.000 US-Dollar in den primären Liquiditätspool auf Curve Finance eingebracht. Die Einlage sollte nach "unerwarteten Liquiditätsabzügen" im Zuge veränderter DeFi-Incentives als Basis dienen, um das Gleichgewicht in Curve-Pools wiederherzustellen. Trotzdem weitete sich der Depeg anschließend aus, was darauf hindeutet, dass zusätzliche Liquidität allein in einem Umfeld sinkenden Vertrauens nicht ausreicht. Zusätzlichen Druck sieht der Bericht im schwachen Gesamtmarkt: Der Kryptomarkt habe in den vorangegangenen 24 Stunden rund 3% verloren, Bitcoin sei kurzzeitig unter 60.000 US-Dollar gefallen. In solchen Phasen ziehen sich Liquiditätsanbieter häufig zurück, während Marktteilnehmer Liquidität suchen—ein Umfeld, in dem Stablecoin-Depegs wahrscheinlicher werden. Für den weiteren Verlauf rücken drei Faktoren in den Fokus: MIMs Kursabstand zu 1 US-Dollar, die Liquiditätstiefe rund um die Curve-Pools sowie die Rückzahlungsaktivität in den Cauldrons nach den Zinserhöhungen. Davon hängt ab, ob Abracadabras Eingriff eine nachhaltige Rückkehr zur Dollarbindung ermöglicht oder lediglich weiteren Stress hinauszögert.