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ESMA warnt vor wachsenden Verflechtungen zwischen Krypto und TradFi
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA dringt auf eine engmaschigere Beobachtung der zunehmenden Verknüpfung von Kryptomärkten mit dem traditionellen Finanzsystem. Schwachstellen in digitalen Ökosystemen könnten sich laut Behörde künftig leichter auf das breitere Finanzsystem übertragen und so zu größeren Schocks beitragen.
In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zum Risikomonitoring spricht ESMA von einer "zunehmenden Verflechtung zwischen immer anfälligeren Kryptoasset-Märkten und dem breiteren Finanzsystem". Genannt werden neue Formen der Marktintegration sowie Aktivitäten, die das Ansteckungsrisiko erhöhen können.
Wichtige Punkte aus dem Bericht:
- Verbindungen zwischen Krypto und klassischer Finanzmarktinfrastruktur können die Weitergabe von Schocks begünstigen.
- Tokenisierte Aktien sind global weiterhin ein Nischenmarkt, gewinnen in Europa aber an Dynamik und könnten Teilnehmerkreis und Marktstruktur verändern.
- DeFi-Exploits stehen als potenzieller Spillover-Kanal im Fokus, weil Störungen rasch Verluste, Liquidationen und Liquiditätsstress auslösen können.
- Prognosemärkte werden als neues Risikofeld markiert, insbesondere wegen Insiderhandel, Wash Trading und koordinierter Manipulation.
- In den USA dauert der regulatorische Streit um Prognosemärkte an und könnte letztlich vor dem Supreme Court landen.
Krypto rückt näher an klassische Märkte
Kern der ESMA-Warnung ist die Möglichkeit, dass Risiken, die sich in Kryptomärkten aufbauen, in das weitere Finanzsystem übertragen werden, je stärker die Nutzung über rein krypto-native Plattformen hinausgeht. Die Behörde hebt zwei Entwicklungen hervor, die die Verbindungen vertiefen könnten: wachsende Aufmerksamkeit für tokenisierte Aktien sowie anhaltende Risiken im Bereich Decentralized Finance (DeFi).
Bei tokenisierten Aktien betont ESMA, dass das Volumen im Verhältnis zu den globalen Aktienmärkten bislang vernachlässigbar sei. Selbst kleine Segmente könnten jedoch relevant werden, wenn sie neue Marktteilnehmer anziehen, Infrastruktur gemeinsam nutzen oder Liquiditätswege entstehen, die eng mit etablierten Märkten verbunden sind.
Im DeFi-Sektor verweist die ESMA auf weiterhin wiederkehrende Exploits. Solche Vorfälle können zu schnellen Verlusten, Kaskaden-Liquidationen und angespanntem Liquiditätsumfeld führen. Auch wenn der Bericht nicht für jeden Fall direkte Kausalität behauptet, ist die Botschaft klar: Je häufiger Krypto-Mechanismen mit traditionellen Systemen verzahnt sind, desto weniger wahrscheinlich bleiben Risikoevents auf den Kryptobereich begrenzt.
Prognosemärkte: schwierige Durchsetzung, neue Compliance-Fragen
Besonders auffällig ist aus Sicht der ESMA die zunehmende Nutzung von Prognosemärkten. Die Behörde erwartet wachsende Risiken bei Insiderhandel und Marktmanipulation, vor allem wenn Krypto-Tools eingesetzt werden. Die Verwendung von Krypto in Prognosemarkt-Aktivitäten kann laut Bericht die Erkennung problematischer Muster wie Wash Trading und koordinierter Manipulation erschweren.
Dabei geht es nicht nur darum, wer handelt, sondern auch darum, wie Transaktionen geroutet und erfasst werden. Das beeinflusst die Transparenz für Aufseher bei der Beurteilung von Handelsabsicht und möglicher Abstimmung. Für Händler und Betreiber ist das relevant, weil die Durchsetzung oft davon abhängt, Auffälligkeiten schnell zu identifizieren und einzelnen Personen oder Einheiten zuzuordnen. Sinkt die Klarheit der Marktüberwachung, könnten die Compliance-Anforderungen steigen und Behörden zu strengeren Vorgaben greifen.
USA: Zuständigkeitsstreit um Event Contracts
Die europäischen Hinweise fallen in eine Phase, in der Prognosemärkte in den USA parallel einen eigenen, aber verwandten Regulierungsstreit erleben: Entscheidend ist, ob Event Contracts als bundesrechtlich regulierte Derivate gelten oder unter Glücksspielregelungen der Bundesstaaten fallen.
Im Kontext des ESMA-Berichts heißt es, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) habe Leitlinien für Prognosemärkte bis 2026 veröffentlicht und beharre darauf, exklusiv für bundesrechtlich regulierte Event Contracts zuständig zu sein. Diese Position wird vor Gericht geprüft. Die CFTC hat mehrere Bundesstaaten verklagt, darunter Kentucky, New Mexico, Illinois, Connecticut und Minnesota, nachdem dortige Behörden versucht hatten, staatliche Glücksspielgesetze auf Betreiber von Prognosemärkten anzuwenden.
Die von der ESMA betonten Themen Manipulation und Insiderhandel liegen damit in einem Umfeld politischer und rechtlicher Unklarheit. Solange die rechtliche Einordnung umstritten bleibt, können sich Compliance-Pflichten je nach Gerichtsbewertung des Instruments deutlich unterscheiden.
Der Streit könnte auch den US Supreme Court erreichen. Am 2. September beantragten Behörden aus New Jersey, das Gericht solle klären, ob Bundesstaaten Sportwettgesetze gegen bei der CFTC registrierte Prognosemärkte durchsetzen dürfen. Zur Begründung wurde auf laufende Verfahren in mindestens 20 Bundesstaaten verwiesen. Ob der Supreme Court den Fall annimmt, ist offen. Eine Entscheidung könnte jedoch spürbar beeinflussen, wie Anbieter Produkte strukturieren und wie Aufseher Zuständigkeiten verteilen.
Worauf Investoren und Anbieter achten sollten
Der ESMA-Bericht unterstreicht, dass Regulierer nicht nur den Krypto-Handel selbst, sondern auch die Anbindung krypto-nativer Produkte an die "Finanzmarkt-Pipeline" der klassischen Märkte im Blick haben. Für Investoren und Marktteilnehmer stellt sich die Frage, ob Schutzmechanismen für traditionelle Märkte mit der schnellen Entwicklung neuer Krypto-Verflechtungen Schritt halten, insbesondere bei tokenisierten Aktien, DeFi-Exploits und Prognosemärkten.
Mit Blick auf anhaltende Durchsetzungs- und Zuständigkeitskonflikte, vor allem in den USA, dürften Updates zu Überwachungsstandards, Compliance-Anforderungen und zur juristischen Einordnung von Prognosemarkt-Kontrakten die nächsten zentralen Signale liefern.