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CoinShares: 1,07 Mrd. US-Dollar Abflüsse aus Krypto-ETPs und -ETFs in der Woche bis 18. Mai
Die sechswöchige Serie positiver Mittelzuflüsse bei Krypto-Anlageprodukten ist gerissen. CoinShares meldet für die Woche bis zum 18. Mai Nettoabflüsse von 1,07 Mrd. US-Dollar aus ETPs und ETFs auf digitale Vermögenswerte – das Ende einer der längsten Zuflussphasen des Jahres.
Den Löwenanteil trugen Bitcoin-Produkte, aus denen 982 Mio. US-Dollar abgezogen wurden. Auch Ethereum stand deutlich unter Druck: Mit 249 Mio. US-Dollar verzeichneten entsprechende Produkte den größten wöchentlichen Mittelabfluss seit dem 30. Januar. In kurzer Zeit floss damit viel institutionelles Kapital ab.
Auffällig ist die regionale Verteilung. Der Rückzug war fast vollständig ein US-Phänomen: In den USA aufgelegte Produkte verbuchten rund 1,14 Mrd. US-Dollar Nettoabflüsse. Dass die US-Zahl über dem globalen Netto liegt, erklärt sich dadurch, dass andere Regionen parallel Positionen aufbauten. In der Schweiz lagen die Zuflüsse bei 22,8 Mio. US-Dollar, in Deutschland bei 22 Mio. US-Dollar. Kanada steuerte 12,6 Mio. US-Dollar bei, die Niederlande 7,5 Mio. US-Dollar. Das Muster deutet eher auf unterschiedliche Interpretationen makroökonomischer Signale als auf einen generellen Vertrauensverlust hin: Während US-Investoren in einem ausgeprägten Risk-off-Umfeld schneller reduzierten, nutzten europäische Allokatoren den Rücksetzer zum Zukauf. CoinShares sieht darin auch einen Hinweis darauf, dass die institutionelle Krypto-Anlegerbasis zunehmend heterogen agiert – je nach Region mit unterschiedlichen Risikorahmen und Reaktionen auf identische Schlagzeilen.
Bei ausgewählten Altcoins zeigte sich ein gegensätzliches Bild. XRP verzeichnete Zuflüsse von 67,6 Mio. US-Dollar und setzte damit einen Trend der Vorwochen fort. Solana zog 55,1 Mio. US-Dollar an. Zusammen flossen diesen beiden Assets über 120 Mio. US-Dollar zu – in derselben Woche, in der insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar aus dem Sektor abwanderte. Das spricht weniger für pauschale Risikoaversion als für eine gezielte Umschichtung innerhalb des Kryptomarkts: weg von den größten, liquidesten Namen, hin zu Assets mit anderem Risiko-Rendite-Profil.
CoinShares betont, dass eine schwache Woche das bislang starke Jahr nicht auslöscht. Für 2025 allein schätzt das Haus die Zuflüsse in Digital-Asset-Produkte auf 47,2 Mrd. US-Dollar, davon mehr als 44,5 Mrd. US-Dollar aus den USA. Die Bitcoin-Abflüsse von 982 Mio. US-Dollar senkten die Zuflüsse seit Jahresbeginn auf 3,9 Mrd. US-Dollar – weiterhin positiv, aber spürbar niedriger als eine Woche zuvor. Die Bitcoin-Dominanz lag im Mai bei rund 58% und steigt auf etwa 64%, wenn die Marktkapitalisierung von Stablecoins herausgerechnet wird.
Der aktuelle Rückgang zählt laut CoinShares zur drittgrößten wöchentlichen Abflussbewegung des Jahres 2026. Gleichzeitig ordnet das Unternehmen die Bewegung als deutlich, aber nicht außergewöhnlich ein – vor dem Hintergrund eines Markts, der insgesamt weiter in Richtung institutioneller Adoption tendiert. CoinShares verweist auf makroökonomische Belastungsfaktoren wie erhöhte Inflationssorgen und geopolitische Spannungen, die typischerweise schnelle Positionsanpassungen in Risikoanlagen auslösen. Trotz zunehmender Reife wird Krypto von vielen institutionellen Allokatoren weiter klar in diese Kategorie eingeordnet.
James Butterfill, Research-Leiter bei CoinShares, dokumentierte die Daten im wöchentlichen Flow-Report des Hauses, der als ein vielbeachteter Indikator für die institutionelle Stimmung am Kryptomarkt gilt.
Für Anleger rückt vor allem die Geschwindigkeit des Stimmungswechsels in den Fokus: Sechs Wochen Zuflüsse, gefolgt von einer Kehrtwende um rund eine Milliarde US-Dollar innerhalb einer Woche. Zudem wirft die Rotation in Altcoins Fragen für die nächste Marktphase auf. Wenn Institutionelle stärker zwischen einzelnen Kryptoassets unterscheiden, statt den Sektor als Einheits-Trade zu behandeln, hat das Folgen für die Portfolio-Konstruktion und spricht für einen reiferen, differenzierteren Markt.
Im Verhältnis zu den kumulierten Zuflüssen von 47,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 entspricht eine Abflusswoche von 1,07 Mrd. US-Dollar rund 2,3% – bemerkenswert, aber nicht katastrophal. Gleichzeitig fällt die Konzentration der Verkäufe auf US-dominizilierte Produkte sowie auf Bitcoin und Ethereum ins Gewicht: Gerade der institutionell geprägte Marktteil reagiert besonders empfindlich, wenn sich das Makroumfeld eintrübt.
Beobachtungspunkte für die kommenden Wochen: ob die US-Abflüsse nachlassen oder zunehmen, ob europäische Zuflüsse groß genug werden, um gegenzusteuern, und ob die Altcoin-Rotation anhält oder nur eine kurzfristige Abweichung bleibt.