vor 5 Std.
Liquid Network nimmt Blockproduktion nach 320-Mio.-US-Dollar-Exploit wieder auf
Das Liquid Network hat die Blockproduktion wieder gestartet, nachdem eine ungewöhnlich große Bitcoin-Abhebung im Zusammenhang mit einer Schwachstelle in Elements gemeldet wurde – der Open-Source-Software, auf der die Sidechain basiert. Der Neustart erfolgt schrittweise: Blöcke werden wieder erzeugt, Transaktionsverarbeitung und Peg-Funktionen bleiben vorerst ausgesetzt.
Liquid teilte am Donnerstag auf X mit, die Blockproduktion laufe als Sicherheitsmaßnahme "ohne Transaktionen". Ziel sei es, die Stabilität des Netzwerks zu bestätigen. Updates für Functionary- und Bridge-Nodes seien bereits ausgerollt; die Functionary-Nodes würden Blöcke nun wieder wie vorgesehen signieren und validieren.
Wichtigste Punkte
- Die Blockproduktion läuft wieder, Transaktionen sowie pegbezogene Abläufe bleiben während der Wiederherstellung pausiert.
- Liquid zufolge signieren und validieren Functionary-Nodes nach den Updates wieder korrekt.
- Peg-Operationen, darunter PAK-autorisierte Peg-outs, bleiben ausgesetzt, bis die BTC/L-BTC-Reserve wiederhergestellt ist.
- Ein Notfall-Update für Elements (v23.3.4) adressierte eine Schwachstelle in einem Proof-Verification-Cache.
Blockproduktion zurück, Abwicklung weiter offline
Liquid beschreibt den Schritt ausdrücklich als Vorsichtsmaßnahme und nicht als vollständige Rückkehr zum Normalbetrieb. Die Sidechain kann damit wieder Blöcke produzieren, ohne Live-Transaktionsverkehr zu verarbeiten. Das reduziert Risiken in der Stabilisierung und ermöglicht es zugleich, zentrale Komponenten wie Blocksignaturen und -validierung unter kontrollierten Bedingungen zu überprüfen.
Peg-Mechanismus bleibt bis zur Reserve-Wiederherstellung gestoppt
Trotz laufender Blockproduktion werden Peg-Prozesse weiterhin nicht reaktiviert. Dazu zählen ausdrücklich auch PAK-autorisierte Peg-outs. Hintergrund ist, dass der Vorfall die Fähigkeit des Netzwerks berührt, den Peg-Mechanismus mit ausreichender Sicherheit zu bedienen. Die nächsten Schritte hängen daher nicht nur von der Härtung der Software ab, sondern auch davon, ob Reserven und angeschlossene Komponenten wieder in einen vollständig gesunden Zustand zurückkehren.
Notfall-Patch für Elements härtet Proof-Verifikation
Der Neustart folgt auf eine Intervention am Vortag: Liquid veröffentlichte ein Notfall-Update für Elements, Version 23.3.4. Der Vorfall wurde mit einer Schwachstelle in einem Cache der Proof-Verifikation in Verbindung gebracht. Laut Liquid zielte das Update darauf ab, die "Cache-Keys für Range-Proofs" zu härten.
Range-Proofs sind ein Bestandteil vertraulicher Transaktionen, mit denen sich Werte verifizieren lassen, ohne die Beträge offenzulegen. Wenn sich das Verifikationsverhalten durch Caching- oder Keying-Probleme unerwartet beeinflussen lässt, kann das Angriffsflächen eröffnen. Mit der Anpassung der Cache-Key-Handhabung unterstreicht Liquid, dass die Wiederherstellung sowohl Software-Patches als auch die verlässliche Umsetzung über die Föderation hinweg erfordert.
Rückblick: Abhebung Anfang September
Liquid hatte den Betrieb am 6. September pausiert, nachdem Akteure, die sich als "Whitehat-Hacker" bezeichneten, rund 4.000 BTC aus der Föderations-Wallet abgezogen hatten – zum damaligen Zeitpunkt etwa 320 Mio. US-Dollar. Das entsprach rund 95% des Wallet-Bestands von etwa 4.200 BTC. Laut früheren Berichten, auf die sich auch die Updates des Liquid Network beziehen, hing die Abhebung mit L-BTC zusammen, die aus einem Bug in Elements stammten.
Nach der Abhebung wurden 3.400 BTC (damals etwa 270 Mio. US-Dollar) zurückgegeben, nachdem Blockstream bestätigt hatte, dass betroffene Bridge-Nodes gepatcht wurden. Zudem hieß es, dass zum 7. September noch 598 BTC (bei aktuellen Preisen rund 46 Mio. US-Dollar) ausständig waren. Diese Abfolge – Abhebung, Patch-Bestätigung, teilweise Rückgabe – erklärt, warum die Wiederherstellung in Etappen erfolgt: Der Peg kann erst dann wieder sicher aktiviert werden, wenn Reserven und Betriebsannahmen vollständig wiederhergestellt sind.
Worauf Nutzer als Nächstes achten sollten
Einen Zeitplan für die Wiederaufnahme von Transaktionen oder Peg-outs nannte Liquid nicht. Entscheidend wird sein, ob das Netzwerk die "vollständige Stabilisierung" bestätigt und ob die BTC/L-BTC-Reserve ausreichend wiederhergestellt wird, um die Peg-Sperre aufzuheben. Für Anwender, die Liquid für Token-Transfers oder Peg-Aktivitäten nutzen, dürfte das nächste Update zur Wiederaufnahme der Peg-Funktionen das wichtigste Signal sein.