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Bitcoin legt in fünf Tagen über 20% zu und nähert sich der Marke von 80.000 US-Dollar
Bitcoin (BTC) ist innerhalb von fünf Tagen um mehr als 20% gestiegen und hat damit die durchschnittliche Jahresrendite des Aktienmarkts rechnerisch rund 140-mal schneller erreicht. Die Aufwärtsbewegung stoppte anschließend bei 79.500 US-Dollar – nur 0,6% unter 80.000 US-Dollar. Am Freitag notierte BTC nahe 76.750 US-Dollar und lag im Tagesverlauf 6,6% im Plus; damit fehlen zur 80.000er-Marke noch rund 4%.
Der tägliche Relative-Stärke-Index (RSI) liegt bei 84,64 und markiert damit den höchsten Wert des Jahres 2026.
Rechnung hinter dem "140x"-Vergleich
Die Herleitung basiert auf der langfristigen Aktienmarktrendite: Seit 1928 hat der S&P 500 laut Datensatz der Stern School (New York University) inklusive Dividenden im Schnitt 10,02% pro Jahr zugelegt. Auf fünf Tage heruntergebrochen entspricht das rund 0,137%. Bitcoin kam im selben Zeitraum auf mehr als 20% – etwa das 140-fache Tempo. Vom Tief zum Hoch summierte sich die Bewegung auf 27%. BTC steuert auf den stärksten Wochenschluss seit zwei Jahren zu.
Trotz des Tempos ist es keine vollständige Erholung: Bitcoin handelt weiterhin 39% unter dem Rekordhoch von 126.080 US-Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde.
US-Treasury als Auslöser, Leverage als Beschleuniger
Ein Impuls kam aus Washington. Das US-Finanzministerium teilte am 19. August mit, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln – von 2 Mrd. US-Dollar pro Operation auf 4 Mrd. US-Dollar. Die Käufe betreffen Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren und sind für den Zeitraum vom 9. September bis 4. November angesetzt. Die Renditen am langen Ende hatten kurz zuvor ein 20-Jahres-Hoch erreicht; am Bond-Markt wurde die Maßnahme als Absicherung interpretiert.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Auflösung von Short-Positionen: Bärische Trader verloren binnen eines Tages 1,06 Mrd. US-Dollar, als Wetten gegen den Markt zurückgekauft wurden. Auch im Spotmarkt nahm die Nachfrage zu. US-Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten am 19. August Zuflüsse von 517,2 Mio. US-Dollar, gefolgt von 606,3 Mio. US-Dollar am 20. August – der stärkste Tag im August, wie Farside Investors ausweist.
Drei Widerstände vor 80.000 US-Dollar
Die Freitagskerze startete bei 73.027 US-Dollar und stieg bis 79.500 US-Dollar, bevor Verkäufer dominierten. Das Hoch traf eine steigende Trendlinie, die von den Tiefs im Februar abgeleitet wird: Bitcoin hatte sich im Frühjahr daran entlang nach oben bewegt, der Rückgang im Juni bis 58.000 US-Dollar brach diese Linie. Die aktuelle Rally führte zurück an die Trendlinie – von unten – und scheiterte. Frühere Unterstützung wirkt damit als Widerstand.
In derselben Zone liegen zwei weitere Hürden: Ein Niveau bei 79.427 US-Dollar begrenzte das Hoch im Mai, darüber wartet die runde Marke von 80.000 US-Dollar. Um nachhaltig über 80.000 US-Dollar zu kommen, müsste BTC alle drei Widerstände überwinden. Auf der Unterseite beginnt Unterstützung beim Freitags-Opening von 73.027 US-Dollar.
Wochenende eher Konsolidierung als Ausbruch
Jamie Coutts von Helios Analytics ordnete die Bewegung im Kontext der zuvor niedrigen Volatilität ein: Der Anstieg zählt seit 2018 zu den fünf größten. Er identifizierte 14 vergleichbare Sprünge. In 71% der Fälle lag Bitcoin 30 und 90 Tage später höher; der Median-Zuwachs lag bei rund 10%. Ein durchschnittlicher Tag seit 2018 brachte dagegen 1,2%.
Die Bandbreite der Ergebnisse ist groß: Ein ähnlicher Anstieg im April 2019 führte innerhalb von 90 Tagen zu einem Plus von 118,7%; ein Sprung im Oktober 2019 ging in 30 Tagen mit einem Minus von 23% einher. Coutts verweist zudem auf die geringe Stichprobe und darauf, dass seine Signifikanztests keine belastbaren Belege liefern. In der Median-Betrachtung fiel BTC innerhalb von 90 Tagen zudem zwischenzeitlich 8,4% unter den Einstieg.
"Im niedrigen 80.000er-Bereich liegt ein massives Angebot darüber, das erst abgearbeitet werden muss", schrieb Coutts, Chartered Market Technician bei Helios Analytics.
On-Chain-Signale sprechen teilweise für Fortsetzung
On-Chain-Daten zeichnen ein etwas konstruktiveres Bild. CryptoQuant zeigt, dass Spot- und Futures-Nachfrage erstmals seit Oktober 2025 wieder gleichzeitig positiv sind. Eine weitere Auswertung verbindet die Erholung mit dem MVRV-Indikator, der den Marktpreis ins Verhältnis zu den durchschnittlichen Erwerbspreisen der Halter setzt. Analyst Darkfost beziffert die Netto-Neunachfrage auf ein 2026er-Hoch von 25.000 BTC; dabei werden neue Coins gegen Bestände abgewogen, die länger als ein Jahr inaktiv waren.
"BTC sieht hier stark aus. Rallys wie diese in Bärenmärkten signalisieren oft, dass der Boden steht. Es kann noch einen Rücksetzer geben, aber die Bärenphase ist meiner Meinung nach im Wesentlichen vorbei", sagte Ki Young Ju, Gründer und CEO von CryptoQuant.
Erreicht Bitcoin am Wochenende 80.000 US-Dollar?
Ein Anlauf ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Am Wochenende ist die Marktliquidität oft dünner, weil weniger große Käufer aktiv sind. Drei Widerstände in kurzer Distanz zu überwinden, während der RSI mit 84,64 im überkauften Bereich liegt, erfordert spürbares Kaufvolumen. Ein Rücklauf in Richtung 73.000 US-Dollar könnte den RSI abkühlen, ohne das Wochenbild zu beschädigen. Der mittelfristige Ausblick hängt nun davon ab, ob der Bereich in den niedrigen 80.000ern nachhaltig überwunden werden kann.