US-Spot-Bitcoin-ETFs verlieren 290 Mio. US-Dollar – Ether-Fonds verzeichnen den fünften Abflusstag in Folge
Am 15. Mai meldete kein einziger US-Spot-Bitcoin-ETF einen Nettozufluss. Über alle zwölf Produkte summierten sich die Abflüsse laut SoSoValue auf 290 Mio. US-Dollar. Die durchweg fehlende Nachfrage fällt selbst vor dem Hintergrund eines in diesem Jahr uneinheitlichen institutionellen Interesses auf.
Auch Spot-Ethereum-ETFs standen unter Druck: Sie verzeichneten netto 65,65 Mio. US-Dollar an Abflüssen. Damit setzte sich die Serie von Rückgaben den fünften Tag in Folge fort; in Summe sind aus den Ether-Produkten damit bereits Hunderte Millionen US-Dollar abgeflossen. Anders als in früheren Phasen, in denen einzelne Fonds selektiv Zuflüsse sahen, zeigte sich diesmal keine Stabilisierung.
Die Abflüsse aus den breit aufgestellten ETFs stehen im Kontrast zu lebhafteren Segmenten des Kryptomarkts. SUI sprang um 18% auf 1,24 US-Dollar, gestützt durch institutionelles Staking und eine Integration bei einem großen Fintech. Auch TON, SIREN und VVV legten auf Wochensicht zweistellig zu. Das deutet weniger auf einen generellen Rückzug aus Digital Assets hin als auf eine Rotation: weg von passiver, breit gestreuter Bitcoin- und Ether-Exposure, hin zu höherbeta Titeln und gezielten Ökosystem-Themen.
Zusätzlichen Gegenwind liefert die Regulierung. In den USA stößt ein als wegweisend geltendes Krypto-Gesetz kurz vor einer Abstimmung im Senat auf neuen Widerstand aus dem Bankensektor. Banken versuchen aktiv, das Vorhaben zu stoppen, was die Unsicherheit erhöht und ETF-Zuflüsse dämpfen kann, selbst wenn der Preisausblick grundsätzlich konstruktiv bleibt. Historisch reagieren ETF-Flows sensibel auf regulatorische Schlagzeilen; ohne positive Impulse fehlt derzeit ein klarer Anreiz für neues Kapital.
Während Spot-Krypto-ETFs an Momentum verlieren, verlagert sich institutionelles Interesse zunehmend auf tokenisierte Real-World Assets (RWA). In der vergangenen Woche überschritt der Onchain-RWA-Markt 20 Mrd. US-Dollar; zudem wurde eine Übernahme über 4,2 Mrd. US-Dollar durch Bullish gemeldet, und zwischen Ondo und JPMorgan kam es zur ersten Live-Abwicklung.
Die wachsende Tokenisierung steht im scharfen Gegensatz zu den Abflüssen aus reinen Bitcoin- und Ether-ETFs. Das könnte eine reifere institutionelle Abwägung widerspiegeln: ETF-Exposure liefert zwar unkompliziertes Beta zur Spot-Entwicklung, kapitalstarke Investoren fokussieren sich aber verstärkt auf renditetragende, regulierte Instrumente mit größerer Nähe zur klassischen Finanzwelt und planbarerem Cashflow.
Ob die aktuelle Abflussserie nur eine kurzfristige Pause oder der Beginn einer längeren Zurückhaltung ist, bleibt offen. Die nächsten US-Inflationsdaten und jede Bewegung beim Krypto-Gesetz im Senat könnten die Richtung rasch verändern. Vorerst zeigen die Zahlen ein seltenes Bild: An einem Handelstag war ausnahmslos jeder US-Spot-Bitcoin-ETF ein Nettoverlierer.