Bitcoin-ETFs verzeichnen an einem Tag 635 Mio. US-Dollar Abflüsse – Kurs kommt nahe 80.000 US-Dollar ins Stocken

Ein wichtiger Rückenwind, der den jüngsten Sprung von Bitcoin über 80.000 US-Dollar getragen haben soll, lässt nach. Die elf in den USA gelisteten Spot-Bitcoin-ETFs, die im März und April zusammen 3,29 Mrd. US-Dollar an Anlegergeldern eingesammelt hatten, verzeichnen nun deutliche Mittelabflüsse. Am Mittwoch zogen Investoren laut Daten von SoSoValue 635 Mio. US-Dollar ab – der höchste Nettoabfluss an einem einzelnen Handelstag seit dem 29. Januar. Der Rückzug ist kein Einzelfall: In den vergangenen fünf Handelstagen summierten sich die Abflüsse auf 1,26 Mrd. US-Dollar. Damit sanken die kumulierten Nettozuflüsse seit dem Start im Januar 2024 auf 58,5 Mrd. US-Dollar, nach 59,76 Mrd. US-Dollar eine Woche zuvor. Parallel dazu ist die Bitcoin-Rallye ins Stocken geraten. Seit dem vergangenen Mittwoch kam die Aufwärtsbewegung, die den Kurs von 65.000 US-Dollar auf über 80.000 US-Dollar trug, zum Erliegen. Die Dynamik verliert nahe dem 200-Tage-Durchschnitt, der knapp über 82.000 US-Dollar liegt, an Kraft. In den letzten 24 Stunden fiel Bitcoin um mehr als 2% auf 79.400 US-Dollar. Analysten führen den Rückgang auf wieder aufflammende Inflationssorgen in den USA zurück – auch wenn die Makrothemen an der Wall Street zuletzt weitgehend ignoriert wurden: Nasdaq und S&P 500 markierten am Mittwoch neue Höchststände. Der Abfluss von 635 Mio. US-Dollar sei für Bullen schwer wegzuwischen, zumal die starken Zuflüsse im März und April vielfach als bullischer Katalysator galten und sich das makroökonomische Umfeld durch steigende Inflation eintrübt. "Ein dauerhaft heißer CPI, eine kommende Fed unter Warsh, die der Markt als restriktiver liest, oder ein weiterer Öl-Schock kann Bitcoin auch bei positiven Nettozuflüssen belasten. Aus unserer Sicht ist die wichtigere Frage nicht, ob die Aufwärtsphase weitergeht, sondern ob die Makrobedingungen locker genug bleiben, damit die Zuflüsse ihre Wirkung entfalten", sagte Adam Haeems, Leiter Asset Management bei der Tesseract Group. Tesseract verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 500 US-Dollar an Vermögen. Zugleich gilt: Der Zusammenhang zwischen ETF-Flows und Bitcoin ist weniger eindeutig als früher. Eine Korrelationsanalyse zeigt, dass der rollierende 90-Tage-Pearson-Koeffizient zwischen der täglichen prozentualen Bitcoin-Rendite und der täglichen prozentualen Veränderung der kumulierten Netto-ETF-Zuflüsse aktuell bei nur 0,16 liegt – statistisch nicht von null zu unterscheiden und deutlich unter dem Februar-Hoch von 0,68. Vereinfacht heißt das: Aus der Richtung der ETF-Flows an einem Tag lässt sich derzeit kaum etwas über die unmittelbare Kursbewegung von BTC ableiten. Große Rücknahmen wie am Mittwoch bleiben dennoch relevant.