Bitcoin-ETFs verlieren fast 3 Mrd. US-Dollar in 10 Tagen – BTC rutscht Richtung 73.900 US-Dollar

US-notierte Spot-Bitcoin-ETFs haben ihre bislang längste Verlustserie ausgeweitet: Seit dem 15. Mai verzeichnen die Produkte zehn Handelstage in Folge Nettoabflüsse. In Summe wurden dabei knapp 3 Mrd. US-Dollar abgezogen. Die täglichen Rückgaben reichten von 70 Mio. US-Dollar bis zu 733 Mio. US-Dollar am Mittwoch. Das gemeinsame Nettovermögen sank innerhalb von zwei Wochen von 104,29 Mrd. auf 94,17 Mrd. US-Dollar. Damit wurde der bisherige Negativrekord von acht aufeinanderfolgenden Abflusstagen aus Anfang 2025 (damals 3,2 Mrd. US-Dollar) am Donnerstag übertroffen und am Freitag weiter ausgebaut. Der Rückzug institutioneller Allokatoren gilt als außergewöhnlich deutlich. Einige Marktbeobachter sehen Anzeichen, dass die Abflusswelle auslaufen könnte. Die Krypto-Analyseplattform Santiment bezeichnete die Entwicklung als Kontraindikator: In der Vergangenheit seien Phasen extremer ETF-Abflüsse häufig mit zyklischen Tiefs bei Bitcoin zusammengefallen. Als Beispiel nannte Santiment den Ein-Tages-Abfluss von rund 904 Mio. US-Dollar im November 2025, dem eine spürbare Kurserholung folgte. Der Crypto Fear and Greed Index liegt bei 23 (\u0022Extreme Fear\u0022); der Gesamtmarkt ist seit Mitte Mai um rund 9,5% gefallen – Werte, die früher mehrfach als Wendepunkt für institutionelle Zuflüsse in Spot-Produkte galten. Für Unruhe sorgte zwischenzeitlich Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter. On-Chain-Tracker meldeten eine Überweisung von 411,5 BTC im Wert von rund 30 Mio. US-Dollar an Coinbase Prime – die erste direkte Exchange-Einzahlung des Unternehmens seit fast zwei Jahren. Wenige Stunden später wurde der gesamte Betrag wieder in die eigene Verwahrung zurückgeführt, was Spekulationen dämpfte, Michael Saylor könne den ersten BTC-Verkauf seit Jahren vorbereiten. Auf Polymarket waren die Quoten dafür, dass Strategy 2026 irgendeinen Teil seiner Bitcoin verkauft, nach der Einzahlung kurzzeitig auf über 90% gestiegen und gaben nach der Rückbuchung nur moderat nach. Strategy hält weiterhin 843.738 BTC im Wert von über 62 Mrd. US-Dollar und hat die wöchentliche Akkumulation seit dem 18. Mai pausiert. In den USA setzte die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zudem einen Derivate-Meilenstein: Sie genehmigte Bitcoin-Perpetual-Futures der Prediction-Markets-Plattform Kalshi. Perpetuals haben keine Laufzeit und folgen dem Spotpreis über Funding-Mechanismen; offshore sind sie das dominante Format, für US-Privatkunden waren sie bislang faktisch versperrt. Die Aufsicht erklärte, der Kontrakt erfülle die Anforderungen des Commodity Exchange Act, und signalisierte, dass Krypto-Märkte für 24/7-Handel, Clearing und Settlement geeignet sein könnten. Das gilt als strukturelle Öffnung für börsengehandelte Krypto-Derivate in den USA. Als grundlegendes Risiko rückte erneut das Quantum-Thema in den Fokus. Deeptech-Investor Andrew Gault warnte, die Anfälligkeit von Bitcoin gehe über Wallet-Schlüssel hinaus. Das größere Risiko sei bereits heute abgegriffener, verschlüsselter Datenverkehr aus Interbank-Netzwerken, Custody-Brücken und Settlement-Strukturen, der später entschlüsselt werden könnte. Google nannte in einem Hinweis aus März 2029 als internes Ziel für den Abschluss der Migration auf Post-Quantum-Kryptografie und verwies auf schnelle Fortschritte bei Quantenhardware und Schätzungen zur Faktorisierung. Rund 6,9 Mio. BTC liegen in Adressen mit offengelegten Public Keys; die Migrations-Roadmap des Protokolls gilt als nicht abschließend geklärt. Auch im Bitcoin-Treasury-Segment zeigen sich Risse. BSTR-Mitgründer Sean Bill argumentierte, viele Corporate-Holder verfügten nicht über die Kapitalstruktur, um Bitcoin produktiv einzusetzen, und nutzten das Asset vor allem als Marketinghebel. Rund 198 börsennotierte Unternehmen halten zusammen etwa 1,25 Mio. BTC, mehrere kleinere Stellvertretermodelle gerieten aber unter Druck. Die Aktie von Nakamoto ist seit dem Hoch im Mai 2025 nahe 34 US-Dollar um rund 99% eingebrochen, fiel vor einem Reverse Split bis auf 0,16 US-Dollar; Nasdaq hatte zuvor mit Delisting gedroht. Standard Chartered warnte zudem, ein scharfer Rückgang könne Zwangsliquidationen in hoch gehebelten Treasury-Bilanzen auslösen. Bitcoin notiert bei rund 73.898 US-Dollar und zeigt auf 24-Stunden-Sicht kaum Veränderung, das technische Bild bleibt jedoch fragil. Der RSI liegt bei 37,8 und damit klar in Richtung überverkauft, ohne ein Kapitulationssignal zu liefern. Der MACD bleibt bärisch, der übergeordnete Trend abwärtsgerichtet. Zentrale Unterstützung liegt bei 73.425 US-Dollar; ein Bruch könnte Abgaben in Richtung 71.965 und die wichtigere Zone bei 70.280 US-Dollar nach sich ziehen. Auf der Oberseite liegen Widerstände bei 74.571, danach 76.648 und 78.601 US-Dollar. Ein Rückeroberung von 74.571 US-Dollar bei steigendem Volumen würde den bärischen MACD neutralisieren; ein Tagesschluss unter 70.280 US-Dollar würde die \u0022Dip-buying\u0022-These entkräften.