US-Inflation steigt im April auf 3,8% – höchster Wert seit drei Jahren
Die Verbraucherpreise in den USA sind im April gegenüber dem Vorjahr um 3,8% gestiegen. Damit erreicht die Teuerung den höchsten Stand seit drei Jahren und liegt weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der US-Notenbank von 2%. Die Daten dämpfen die Erwartungen, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit lockern könnte.
Warum die Zahl für die Märkte schmerzt: 3,8% bedeuten mehr als nur eine Abweichung vom Zielwert. Der Wert deutet auf eine spürbare Unterbrechung der Disinflation hin, die sich seit 2023 abgezeichnet hatte, als der Preisdruck nach den Spitzen der Zeit nach der Pandemie nachließ. Typischerweise steigen bei höherer Inflation die Renditen von US-Staatsanleihen, zugleich gewinnt der US-Dollar an Stärke. Beides belastet Risikoanlagen – von Tech-Aktien bis Bitcoin – weil sich die erwarteten Finanzierungskonditionen verschärfen. Für die Fed werden Zinssenkungen damit noch schwerer zu begründen. Das Narrativ "higher for longer", das 2024 prägte, gewinnt neuen Rückenwind.
Folgen für Bitcoin und Krypto: Kurzfristig reagieren Kryptomärkte häufig nach einem bekannten Muster auf Inflationsdaten. Fällt die Inflation höher aus als erwartet, kommt es oft zu schnellen Abverkäufen, weil Händler Zinssenkungserwartungen neu einpreisen. Bitcoin und Ethereum sind davon nicht ausgenommen. Historisch konnte Bitcoin in Phasen profitieren, in denen die Inflation von hohen Niveaus aus sinkt. Der April-Wert stört dieses Umfeld, weil er nahelegt, dass der Rückgang ins Stocken geraten ist oder sich sogar umkehrt.
Gleichzeitig stützt anhaltend hohe Inflation einen der ältesten Bitcoin-Narrative: die Rolle als Wertaufbewahrungsmittel. Wenn die Kaufkraft von Fiatgeld bei knapp 4% pro Jahr nachlässt, gewinnt das Argument für einen digitalen Vermögenswert mit fixer Angebotsmenge an Gewicht. Das gilt besonders in einem Umfeld hoher Fiskaldefizite, in dem Regierungen kaum Bereitschaft zu Ausgabendisziplin zeigen, die den Preisdruck tatsächlich senken könnte. Händler sollten zunächst mit Volatilität und möglichem Abwärtsdruck rechnen, bevor sich der Markt stabilisiert und neu bewertet, welchen Kurs die Fed von hier aus einschlägt. Dieses Muster zeigte sich nach mehreren Inflationsüberraschungen im Zyklus 2024–2025.
Das größere Makrobild: Wiederholte Inflationsüberraschungen im vergangenen Jahr haben die Märkte schrittweise gezwungen, sich von den aggressiven Zinssenkungserwartungen zu verabschieden, die die Risk-on-Rallye Ende 2023 und Anfang 2024 getragen hatten. Ein "higher for longer"-Zinsumfeld gilt inzwischen als Basisszenario.
Für die Federal Reserve wird die Lage durch die April-Daten unangenehm. Zinssenkungen bei beschleunigter Inflation würden die Glaubwürdigkeit belasten. Ein Festhalten an hohen Zinsen erhöht wiederum das Risiko, die Konjunktur später in eine Abschwächung zu drücken – zumal Verbraucher und Unternehmen zugleich unter hohen Preisen und hohen Finanzierungskosten stehen.