Starker US-Arbeitsmarktbericht erhöht Wahrscheinlichkeit für Fed-Zinserhöhung bis Ende 2026
Die US-Wirtschaft hat im Mai 172.000 neue Stellen geschaffen und damit die Erwartungen an der Wall Street deutlich übertroffen. Der Konsens hatte bei den Nonfarm Payrolls lediglich rund 80.000 bis 85.000 neue Jobs gesehen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3% – ein weiteres Signal, dass sich der Arbeitsmarkt trotz monatelanger politischer Unsicherheit kaum abkühlt.
An den Märkten kam das schlecht an: Der Nasdaq Composite fiel am 5. Juni um rund 4%, als Investoren die Folgen für die Geldpolitik einpreisten. Nach den Daten stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der US-Notenbank bis Ende 2026 auf etwa 70%. Vor Veröffentlichung des Berichts lag sie bei rund 50%.
Eric Lynch, Managing Director bei Suncoast Equity Management, brachte die Stimmung auf den Punkt. Er verwies auf die Doppelbelastung aus möglicher geldpolitischer Straffung und enttäuschenden Erträgen aus den massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Lynchs Kritik trifft einen Nerv, der im Tech-Sektor von Quartal zu Quartal empfindlicher wird. Unternehmen haben Milliarden in KI-Infrastruktur gesteckt – in Rechenzentren, Spezialchips und das Training von Modellen. Der erhoffte Ertragshebel bleibt bislang hinter den Erwartungen vieler Anleger zurück.
Zusätzlicher Druck entsteht durch den Führungswechsel bei der Fed. Kevin Warsh übernimmt den Vorsitz zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Seine erste Sitzung fällt in eine Phase, in der die Konjunkturdaten zunehmend restriktive Signale senden und Marktteilnehmer eine klare Linie verlangen. Nach einer Reihe von Zinssenkungen hatte die Notenbank zuletzt in einem datenabhängigen Wartemodus agiert.
Für Krypto-Anleger verschiebt sich damit das Umfeld spürbar. Wenn die Aussicht auf Zinserhöhungen bei 70% liegt, verliert der Rückenwind, auf den viele gesetzt hatten, an Kraft. Steigen die Renditen klassischer sicherer Anlagen wie US-Staatsanleihen, erhöht sich die Opportunitätskosten für nicht verzinsliche Assets wie Bitcoin. Die breitere Risikoaversion, sichtbar im Aktienmarkt und besonders im Nasdaq-Rückgang um 4%, greift häufig auch auf Kryptomärkte über.
Entscheidend bleibt, ob die nächsten Konjunkturdaten die Stärke des Mai-Berichts bestätigen oder ob es sich um einen Ausreißer handelt. Ein einzelner "heißer" Bericht kann die Stimmung drehen. Anhaltend robuste Daten würden die Erzählung einer Zinserhöhung festigen und risikoreiche Anlagen dauerhaft unter Druck setzen.