Trump ordnet 120-Tage-Überprüfung zu Krypto- und Fintech-Zugang zu Fed-Masterkonten an

US-Präsident Trump hat am Dienstag per Executive Order die Bundesaufsichtsbehörden angewiesen zu prüfen, ob Krypto- und Fintech-Unternehmen direkten Zugang zu Zahlungskonten der US-Notenbank (Federal Reserve) erhalten sollen. Damit rückt die Frage, wer an die zentralen US-Zahlungsinfrastrukturen angeschlossen wird, erneut in den Fokus. Worum es in der Anordnung geht: Die Finanzaufsicht soll Regeln, Leitlinien, Aufsichtspraxis und Antragsprozesse überprüfen, die Fintechs und Digital-Asset-Firmen daran hindern könnten, Bankpartnerschaften einzugehen, Banklizenzen zu beantragen, Einlagensicherung zu erhalten oder sonstige Genehmigungen und Zulassungen zu bekommen. Ziel ist es, "übermäßig belastende und fragmentierte Regulierung und Aufsichtspraktiken" abzubauen, die Markteintrittsbarrieren schaffen und vor allem etablierten Finanzdienstleistern nutzen. Zudem wird gefordert, digitale Vermögenswerte und innovative Technologien stärker in klassische Zahlungssysteme zu integrieren. Die Anordnung verlangt eine öffentliche Überprüfung samt Bericht innerhalb von 120 Tagen, verpflichtet die Fed aber nicht, Masterkonten zu vergeben – die formelle Unabhängigkeit der Notenbank bleibt damit gewahrt. Warum Masterkonten wichtig sind: Masterkonten bei der Federal Reserve ermöglichen berechtigten Instituten, Zahlungen direkt über die Zentralbank abzuwickeln, statt Transaktionen über Korrespondenzbanken zu routen. De facto ist der Zugang zu einem Masterkonto ein Zugang zum Kern der US-Zahlungsinfrastruktur – für Fintechs und Krypto-Firmen ein strategischer Hebel, um Settlement, Verwahrung und Tokenisierungsprozesse enger mit traditionellen Märkten zu verzahnen. Reaktionen aus Branche und Expertenkreis: Ari Redbord, Global Head of Policy and Government Affairs bei TRM Labs, bezeichnete die Anordnung als "konkreten Schritt" zur Förderung der US-Digital-Asset-Adoption und ordnete die Dominanz in dem Bereich als "strategisches Interesse der USA" ein. Er verwies auf das starke Wachstum und nannte Stablecoins mit 33 Billionen US-Dollar Transaktionsvolumen im Jahr 2025 bei einer Marktkapitalisierung von über 300 Milliarden US-Dollar. Luke Nolan, Senior Researcher bei CoinShares, sieht den Druck auf die Fed vor allem im öffentlichen Effekt: Formal entscheide weiterhin die Fed über Masterkonto-Genehmigungen, ein öffentlicher Bericht binnen 120 Tagen erhöhe aber die Begründungslast bei Ablehnungen. Nolan warnte vor einem Präzedenzfall, wenn das Weiße Haus sich öffentlich in eine Frage einbringt, die historisch als Aufsichts- und Risikomanagemententscheidung galt. Wesley Rios von Morph betonte, die Anordnung setze den Fed-Zugang zwar offiziell auf die Agenda, ein tatsächlicher Fortschritt hänge aber davon ab, ob die Fed ihre Zugangskriterien anpasst und ausreichende rechtliche Klarheit für Nichtbanken sieht. Dan Dadybayo von Horizontal Systems erwartet indirekte Impulse für Tokenisierung, weil tokenisierte Assets leichter mit traditionellen Märkten interagieren könnten; besonders profitieren könnten Plattformen für tokenisierte Treasuries, Wertpapiere und Settlement-Infrastruktur. Einordnung in jüngste Entwicklungen: Die Fed hat bereits erste begrenzte Schritte in Richtung Krypto-Zugang unternommen. Im März 2026 genehmigte die Kansas City Fed für Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, ein "limited purpose account". Zudem hatte die Fed im vergangenen Jahr sogenannte "skinny" Masterkonten für ausgewählte Firmen ins Spiel gebracht – ein Bruch mit der bislang restriktiven Linie. Mehrere Krypto-Unternehmen erhielten außerdem bedingte nationale Trust-Bank-Charter durch das Office of the Comptroller of the Currency (OCC), die bestimmte bankähnliche Leistungen ermöglichen (bundesregulierte Verwahrung, Staking, Settlement). Genannt werden Coinbase, Circle, Ripple, Paxos, die Stripe-eigene Bridge sowie Crypto.com. Politischer Gegenwind: Senatorin Elizabeth Warren (D‑MA) schrieb an das OCC, die Charter-Genehmigungen verstießen gegen den National Bank Act und stellten "ernste Risiken" für das Bankensystem dar. Sie drängte zudem darauf, einen anhängigen Antrag des Trump-nahen DeFi-Unternehmens World Liberty Financial abzulehnen oder zu überprüfen, und bezeichnete ihn als zentral für "vielleicht den beschämendsten Korruptionsskandal eines US-Präsidenten in der Geschichte der USA". Fazit: Die Executive Order macht den Zugang zu Fed-Masterkonten zu einem politisch aufgeladenen Grundsatzthema darüber, wie Krypto-Firmen an die zentrale US-Finanzinfrastruktur angebunden werden sollen. An der rechtlichen Zuständigkeit der Fed ändert sie nichts. Durch öffentliche Prüfung und Fristen erhöht sie aber den Druck auf die Aufseher und könnte – sofern Standards gelockert und rechtliche Unsicherheiten geklärt werden – den Weg dafür öffnen, dass Krypto-Unternehmen künftig nicht mehr "außerhalb der Schienen" bauen, sondern innerhalb der bestehenden Zahlungsrails operieren.