Tiger Research sieht Bitcoin-Ziel bei 143.000 US-Dollar – gestützt durch Makro- und On-Chain-Analyse

Tiger Research hält an einem 12-Monats-Kursziel von 143.000 US-Dollar für Bitcoin fest. Die Analysten verweisen auf weiterhin unterstützende, wenn auch langsamer wirkende makroökonomische Rahmenbedingungen sowie auf On-Chain-Signale, die sich von Unterbewertung in Richtung eines frühen Gleichgewichts verschieben. Makro: Liquidität auf Rekord, aber Transmission in den Kryptomarkt hakt Die globale Geldmenge M2 stieg laut Bericht auf ein Rekordniveau von 13,44 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig fiel Bitcoin seit Veröffentlichung des Q1-Reports um rund 27% und notierte Anfang April im Schnitt bei etwa 70.500 US-Dollar. Tiger Research spricht von einer Entkopplung: Liquidität wächst, der Preis entwickelt sich gegensätzlich. Als Hauptgrund nennen die Autoren die Herkunft des M2-Wachstums. Über 60% des Zuwachses in den vier großen Wirtschaftsblöcken (China, USA, Euroraum, Japan) sei im vergangenen Jahr auf China zurückzuführen – getrieben durch Senkungen des Mindestreservesatzes und eine im ersten Quartal formalisierte dovishe Ausrichtung der People's Bank of China. Der Anteil der USA liege bei nur 10%. Chinesische Liquidität finde jedoch nur begrenzte Wege in den Bitcoin-Markt: Inländische Restriktionen für den Kryptohandel bestehen fort, indirekte Kanäle über Hongkong und Singapur bedienten vor allem institutionelles Kapital. Unterm Strich schrumpfe der Anteil globaler Liquidität, der tatsächlich bei Bitcoin ankommt. Inflationsschub durch Iran-Konflikt bremst Fed-Pivot Da die Transmission aus China stockt, bleibe US-Dollar-Liquidität der zentrale Treiber. Auch dieser Faktor habe sich zuletzt verlangsamt. Nach Angriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar wurde die Straße von Hormus blockiert. Brent stieg Mitte März auf 118 US-Dollar je Barrel, Dubai-Öl erreichte mit 166 US-Dollar je Barrel ein Rekordhoch. Der Preisschock schlug auf die Inflation durch: Die US-Verbraucherpreise (CPI) stiegen im März von 2,4% im Februar auf 3,3% und markierten damit ein Zwei-Jahres-Hoch. In der Folge habe sich der Spielraum für Zinssenkungen verringert; das March-Dot-Plot reduzierte die erwartete Zahl der Zinssenkungen für 2026 auf nur noch eine. Tiger Research betont dennoch: Die Richtung zur Lockerung sei nicht gekippt, lediglich das Tempo. Mitte April wurden Teile der Straße von Hormus wieder geöffnet, Öl fiel deutlich auf etwa 90 US-Dollar. Die Kerninflation blieb mit 2,6% stabil, was auf eine bislang begrenzte Durchschlagskraft in die Breite der Wirtschaft hindeute. Personalie Fed: Trump nominiert Warsh Ende Januar nominierte Präsident Trump Kevin Warsh formal als nächsten Fed-Vorsitzenden; die Bestätigungsanhörungen im Senat laufen. Powells Amtszeit endet am 15. Mai. Tiger Research erwartet, dass der dovishe Einschlag bestehen bleibt – auch wenn die Anzahl der Zinssenkungen sinken könnte. Institutionelle Flüsse drehen wieder ins Plus Ein weiterer Baustein der These: Die institutionellen Abflüsse, die den Rückgang im ersten Quartal mit geprägt hätten, beginnen sich umzukehren. Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten zwar seit ihrem Start im November 2025 die stärksten monatlichen Abflüsse und fünf Monate in Folge Nettoabflüsse. Seit März seien die monatlichen Nettozuflüsse jedoch wieder positiv. Bis Mitte April drehte der Nettofluss seit Jahresbeginn ins Plus; das verwaltete Vermögen (AUM) stieg auf 96,5 Mrd. US-Dollar. Auch Unternehmenszukäufe nehmen zu. Strategy gab in einer Woche (13.–19. April) 2,54 Mrd. US-Dollar aus und kaufte 34.164 Bitcoin. Der Gesamtbestand stieg damit auf 815.061 BTC. Eine breite Ausweitung der Zahl beteiligter Unternehmen sehen die Autoren bislang jedoch nicht. Makro-Faktor auf +20% gesenkt Strukturelle Rückenwinde wie Liquiditätsausweitung, Lockerungsbias, wieder positive institutionelle Kapitalflüsse und Fortschritte beim US-CLARITY-Act blieben erhalten. Gegenwind durch den Iran-bedingten Ölpreisschock und das langsamere Tempo der Fed-Lockerung habe einen Teil davon neutralisiert. Für Q2 senkt Tiger Research die Makro-Komponente um 5 Prozentpunkte gegenüber Q1 auf +20%. On-Chain: Von Unterbewertung in Richtung frühes Gleichgewicht On-Chain-Indikatoren hätten die Extremangstzone verlassen. Kennzahlen wie MVRV-Z, NUPL und aSOPR seien aus dem Panikbereich des ersten Quartals in eine frühe Erholungsphase übergegangen. Ein rasanter Rebound wie in panikgetriebenen Erholungen sei weniger wahrscheinlich, zugleich lägen historische durchschnittliche Ein-Jahres-Renditen aus dieser Zone weiterhin stabil im zweistelligen Bereich. Das Chance-Risiko-Verhältnis bewerten die Autoren als attraktiv. Auffällig sei zudem, dass die durchschnittliche Kostenbasis kurzfristiger Halter (STHs) sinkt. Das deute darauf hin, dass spekulatives Kapital abwandert, während neue Käufer zu niedrigeren Preisen akkumulieren. Die zeitliche Überschneidung mit wieder positiven ETF-Flüssen und den Großkäufen von Strategy stütze die These, dass Institutionelle in Abschwungphasen konsequent Positionen aufbauen und so den durchschnittlichen Einstiegspreis senken. Wichtige Preiszonen: 54.000 US-Dollar als Risiko, 78.000 US-Dollar als Widerstand Als zentrale Risikoschwelle nennt Tiger Research 54.000 US-Dollar, die dem netzwerkweiten Durchschnittseinstand entspreche. Ein Bruch darunter würde das gesamte Netzwerk in einen Zustand nicht realisierter Verluste drücken und in Extremszenarien als Boden wirken. Der stärkste Widerstand liege bei 78.000 US-Dollar – der durchschnittlichen Einstiegskostenbasis langfristiger Halter. Beim aktuellen Kurs von 70.500 US-Dollar liegt Bitcoin damit rund 13% unter dieser Marke. Ein Ausbruch über 78.000 US-Dollar wäre laut Bericht ein primäres Signal für eine kurzfristige Trendwende. Mehr Transaktionen, aber weniger aktive Nutzung In der ersten Aprilhälfte lag das tägliche durchschnittliche Transaktionsvolumen bei 564.000, ein Plus von 37,9% gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl aktiver Adressen auf 428.000 (−13,2% YoY; −4,2% QoQ). Die durchschnittliche Transaktionsgröße fiel auf 1,19 BTC nach 1,80 BTC im Vorquartal (−34,1%). Das Muster deute eher auf wiederholte Kleinsttransfers einer begrenzten Nutzergruppe hin als auf eine breite wirtschaftliche Netznutzung; ein Teil des Volumenanstiegs könne auf mechanische Flüsse wie Börseneinzahlungen zurückgehen. BTCFi-Thesis schwächer: Fundamentalfaktor auf 10% Im Q1-Report wurden Fundamentaldaten mit 0% angesetzt – in Erwartung einer Ausweitung des BTCFi-Ökosystems. Für Q2 verliert dieses Argument laut Tiger Research deutlich an Gewicht. Dem Bericht "2026 Digital Assets Outlook" von The Block zufolge ist die TVL von Bitcoin-L2 in diesem Jahr um 74% gefallen, die gesamte BTCFi-TVL um 10%. Sie entspreche nur 0,46% des gesamten Bitcoin-Angebots (91.332 BTC). Einzelprotokolle wie Babylon und Lombard wüchsen zwar, der Gesamtsektor schrumpfe. Entsprechend wird der Fundamentalbaustein auf 10% gesetzt. Kursziel 143.000 US-Dollar bleibt – trotz Senkung gegenüber Q1 Auf Basis der TVM-Methode errechnet Tiger Research einen neutralen Ausgangswert von 132.500 US-Dollar (ausgehend vom durchschnittlichen Preis Anfang April 2026). Mit einer Fundamental-Anpassung von 10% und einer makroökonomischen Anpassung von +20% ergibt sich ein 12-Monats-Ziel von 143.000 US-Dollar. Das liegt rund 23% unter dem Q1-Ziel von 185.500 US-Dollar. Trotz der Senkung sei das Aufwärtspotenzial ausgehend vom aktuellen Niveau größer geworden: Auf Basis des Durchschnittspreises steigt der Upside von +93% in Q1 auf +103% in Q2. Die Anpassung sei kein Ausdruck von Pessimismus; Makrotrend und On-Chain-Struktur stützten weiterhin die langfristige Bull-These. Für die kurzfristige Bestätigung nennt Tiger Research drei Punkte: ein klarer Durchbruch über das globale mittelfristige Gleichgewichtsniveau bei 78.000 US-Dollar, anhaltende ETF-Nettozuflüsse sowie eine geldpolitische Neuausrichtung der Fed nach abnehmenden geopolitischen Risiken. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, bleibe das Ziel von 143.000 US-Dollar erreichbar.