Bitcoin rutscht auf 73.000 US-Dollar – Texas treibt BTC-Reserve voran, ETFs verzeichnen 2,8 Mrd. US-Dollar Abflüsse

Texas kommt der operativen Umsetzung seiner "Strategic Bitcoin Reserve" einen Schritt näher. Der amtierende Comptroller Kelly Hancock kündigte ein fünfköpfiges Beratungsgremium an, das Verwahrung, Bewertung und Management der künftigen BTC-Bestände des Bundesstaats begleiten soll. Das Panel wurde im Rahmen von Senate Bill 21 eingerichtet, der am 22. Juni 2025 unterzeichnet wurde. Mitglieder sind Hancock selbst, die Investment-Veteranin Laurie Dotter, Jamie McAvity (CEO von Cormint Data Systems), Carla Reyes (Rechtsprofessorin an der SMU) sowie Gary Vecchiarelli (CFO von CleanSpark). Der Ausschuss soll Empfehlungen zu Transparenz, Sicherheit und finanziellen Kontrollmechanismen geben, während Texas den Wechsel von indirekter ETF-Exposure hin zu direkt verwahrten Coins vorbereitet. Parallel dazu stehen Spot-Bitcoin-ETFs unter anhaltendem Abgabedruck: Inzwischen wurden neun Handelstage in Folge Nettoabflüsse verbucht – insgesamt rund 2,8 Mrd. US-Dollar. Die größte Tagesrücknahme fiel auf Mittwoch mit 733,43 Mio. US-Dollar, angeführt von 527,84 Mio. US-Dollar Abfluss aus BlackRocks IBIT. Auch auf Wochensicht hat sich das Bild deutlich eingetrübt: In der jüngsten Woche summierten sich die Abflüsse auf etwa 1,30 Mrd. US-Dollar, nach rund 1,0 Mrd. und 1,26 Mrd. US-Dollar in den beiden Wochen zuvor. Die kumulierten ETF-Flows seit Jahresbeginn sind 2026 ins Minus gedreht und zählen zu den ausgeprägtesten, anhaltenden Kapitalabzügen seit Start der Spot-Produkte im Januar 2024. Bitcoin hat dadurch auch in der globalen Rangliste nach Marktkapitalisierung an Boden verloren: Nach dem Rückgang von 1,66 Bio. US-Dollar Anfang Mai auf etwa 1,45 Bio. US-Dollar in dieser Woche fiel BTC aus den Top 10 und liegt nun auf Platz 13. Vor Bitcoin rangieren unter anderem Saudi Aramco, Tesla und Meta Platforms. Marktbeobachter verweisen auf Kapitalrotation in Edelmetalle und KI-nahe Aktien. Gold markierte im Januar ein Allzeithoch bei 5.600 US-Dollar je Unze und fiel anschließend auf etwa 4.486 US-Dollar, Silber erreichte Spitzenwerte nahe 120 US-Dollar. Auch Halbleiter-Schwergewichte wie TSMC, Broadcom und Micron Technology haben Bitcoin bei der Bewertung überholt – getragen von anhaltender KI-Dynamik. Am Derivatemarkt zeigen sich gemischte Signale, während sich Bitcoin nahe 73.500 US-Dollar stabilisiert – rund 10% unter dem Monatshoch von 81.000 US-Dollar. Das Angebot langfristiger Halter stieg auf ein Rekordniveau von 15,8 Mio. BTC. Analysten betonen, dass dies eher auf Inaktivität als auf neue Überzeugung hindeute. Gleichzeitig ist das Angebot kurzfristiger Halter seit Dezember um 2,2 Mio. BTC gesunken. Die Spot-Nachfrage gilt weiterhin als zu schwach, um Kostenbasis-Niveaus um 78.000 US-Dollar zurückzuerobern. Auf Polymarket preisen Händler hohe Wahrscheinlichkeiten ein, dass BTC den Mai zwischen 72.000 und 76.000 US-Dollar beendet. Kennzahlen zu realisierten Gewinn-/Verlust-Verhältnissen liegen zudem deutlich unter Werten, die typischerweise mit einem gesunden Bullenmarkt verbunden sind. Zusätzlichen Schub erhält Texas' Kurswechsel durch ein offizielles "Request for Proposals": Das Comptroller's Office sucht einen Verwahr- und Liquiditätsanbieter, um die 10 Mio. US-Dollar schwere Strategic Bitcoin Reserve aus BlackRocks IBIT in direkt gehaltene Coins zu übertragen. Das am 7. Mai veröffentlichte Ausschreibungsdokument verlangt, dass die Migration innerhalb von 60 Tagen nach Vertragsabschluss umgesetzt wird, institutionelle Sicherheitskontrollen bereitstehen und ein öffentliches Dashboard Bestände sowie Bewertungen der Reserve ausweist. Der Auftrag umfasst Erwerb, Verwahrung, Reporting und Liquiditätsdienstleistungen im Namen des Staates Texas. Perspektivisch bleibt die Aufnahme weiterer qualifizierter Digital Assets neben BTC ausdrücklich möglich. An den Märkten hat sich die Entkopplung von Krypto und klassischen Risikoanlagen zuletzt ausgeweitet: Während S&P-500- und Nasdaq-100-Futures in Richtung neuer Rekordhochs tendierten, fiel Bitcoin auf Tiefs von Anfang April. Die Zurückweisung oberhalb von 83.000 US-Dollar untermauert eine Serie tieferer Hochs seit Oktober – ein typisches Bärenmarkt-Muster. Das Open Interest bei BTC stieg innerhalb einer Woche auf 20,05 Mrd. US-Dollar (von 19,7 Mrd. US-Dollar), die einwöchige 25-Delta-Skew zog auf 12,85% an und signalisiert steigende Nachfrage nach Downside-Absicherung. Abseits dessen sorgte Stellar für einen Ausreißer nach oben: Der Kurs sprang um 25%, nachdem die DTCC Pläne bestätigte, ihre Plattform für tokenisierte Wertpapiere an das Netzwerk anzubinden. Technisch notiert BTC bei 73.243 US-Dollar in einer kritischen Zone zwischen kurzfristiger Unterstützung bei 72.644 US-Dollar und Widerstand bei 73.600 US-Dollar. Darunter werden 70.580 US-Dollar und 66.863 US-Dollar als tiefere Unterstützungen genannt. Der RSI liegt bei 34,76 und nähert sich überverkauften Bereichen, ohne bereits eine klare Erschöpfung zu bestätigen. Ein bärisches MACD-Signal passt zum dominierenden Abwärtstrend. Ein nachhaltiger Anstieg zurück über 75.112 US-Dollar würde den Fokus auf 76.602 US-Dollar lenken und die Struktur der tieferen Hochs abschwächen. Ein Bruch unter 72.644 US-Dollar dürfte dagegen den Weg in Richtung 70.580 US-Dollar öffnen. Das bullische Szenario gilt bei einem Tagesschluss unter 70.580 US-Dollar als invalidiert; die Bären verlieren laut Chartbild bei einer nachhaltigen Bewegung über 76.602 US-Dollar auf steigenden Umsätzen die Kontrolle.