Strategy verkauft erstmals seit Dezember 2022 wieder Bitcoin – 32 BTC zur Dividendenfinanzierung

Strategy (vormals MicroStrategy) hat erstmals seit Ende 2022 wieder netto Bitcoin verkauft. Zwischen dem 26. und 31. Mai veräußerte das Unternehmen 32 BTC für rund 2,5 Mio. US-Dollar, was einem Durchschnittspreis von etwa 77.135 US-Dollar je Coin entspricht. Zuletzt hatte Strategy im Dezember 2022 Bitcoin abgestoßen: Damals wurden 704 BTC für ungefähr 11,8 Mio. US-Dollar verkauft. Auslöser der aktuellen Transaktion waren Dividendenausschüttungen auf STRC, die unbefristete Vorzugsaktie des Konzerns (genannt "Stretch"). Für die fällige, feste Ausschüttung benötigte Strategy Liquidität und entschied sich, einen kleinen Teil der Bitcoin-Position zu verkaufen, statt zur Finanzierung neue Stammaktien auszugeben. An der Börse kam das nicht gut an: MSTR verlor im vorbörslichen Handel nach Bekanntwerden der Nachricht mehr als 5%. Die Transaktion markiert auch einen spürbaren Kurswechsel in der Kommunikation. Über Jahre war die Strategie eng mit dem Credo verbunden: Bitcoin kaufen, halten, niemals verkaufen. In der Q1-2026-Earnings-Call deutete CEO Phong Le an, Bitcoin künftig "bei Vorteilhaftigkeit" zu veräußern, um die aus Unternehmenssicht zentrale Kennzahl zu verbessern: den Bitcoin-Wert je Aktie. Zum Zeitpunkt des Verkaufs notierte Bitcoin im Bereich von 77.000 bis 80.000 US-Dollar. Im Verhältnis zu den Gesamtbeständen fiel der Abbau kaum ins Gewicht; Strategy bleibt mit großem Abstand der weltweit größte börsennotierte Corporate-Holder von Bitcoin. Hintergrund ist die Mechanik unbefristeter Vorzugsaktien: Dividenden stellen fortlaufende Verpflichtungen dar, unabhängig davon, ob Bitcoin bei 77.000 oder 177.000 US-Dollar steht. Mit der Emission von STRC entstand damit ein wiederkehrender Cash-Bedarf, den das operative Geschäft rund um Enterprise-Analytics-Software nicht in jeder Phase problemlos abdecken dürfte. Zur Finanzierung standen im Wesentlichen drei Wege offen: zusätzliche Ausgabe von Stammaktien (Verwässerung), neue Schulden (mehr Hebel auf eine bereits gehebelte Bilanz) oder der Verkauf eines kleinen Teils der Bitcoin-Reserve. Strategy wählte die dritte Option. Für Anleger rückt nun weniger der einmalige 32-BTC-Verkauf in den Fokus als vielmehr die Frage nach Frequenz und Umfang künftiger Veräußerungen. Ein einzelner Verkauf zur Dividendenzahlung ist das eine; ein quartalsweises Muster zur Bedienung laufender Verpflichtungen wäre strukturell etwas anderes. Der Vergleich mit Dezember 2022 unterstreicht den Unterschied: Damals nannte das Unternehmen Tax-Loss-Harvesting als Begründung und blieb über das Jahr hinweg Netto-Käufer. Dieses Mal geht es um wiederkehrende finanzielle Verpflichtungen statt um einmalige Steueroptimierung. Marktbeobachter dürften daher besonders auf den nächsten STRC-Dividendentermin achten und darauf, ob Strategy die Zahlung durch weitere Bitcoin-Verkäufe, operativen Cashflow oder andere Maßnahmen vorfinanziert. Das wird zeigen, ob es sich um einen taktischen Einzelfall oder den Beginn eines neuen Finanzierungsmusters beim prominentesten Corporate-Bitcoin-Halter handelt.