MicroStrategys STRC rutscht unter 95 US-Dollar – Bitcoin-Abverkauf belastet
Die Vorzugsaktie STRC von MicroStrategy ist am 3. Juni 2026 erstmals seit drei Monaten unter 95 US-Dollar gefallen. Das Papier schloss bei 94,65 US-Dollar, während Bitcoin im Zuge eines breiten Abverkaufs bis auf 62.000 US-Dollar sank. Innerhalb von 24 Stunden wurden laut Marktdaten Krypto-Positionen im Volumen von mehr als 1,66 Mrd. US-Dollar liquidiert, überwiegend Long-Positionen an großen Derivatebörsen.
STRC steht für "Strategy – Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock". Das Instrument ist auf einen Nennwert von 100 US-Dollar ausgelegt und soll über eine variable Dividende eine hohe Rendite von rund 11,5% pro Jahr liefern. Zielgruppe sind einkommensorientierte Anleger, die eine indirekte Bitcoin-Exponierung mit geringerer Volatilität als bei MSTR suchen. Kern der Konstruktion sind dynamische Dividendenanpassungen, die den Kurs nahe am Nennwert stabilisieren sollen: Fällt die Nachfrage und damit der Kurs, kann das Unternehmen die Rendite erhöhen, um Käufer anzuziehen und den Preis mittelfristig wieder in Richtung Parität zu bewegen.
Genau dieser Mechanismus wird nun am Markt auf die Probe gestellt. STRC gab um mehr als 2% nach und rutschte mit 94,65 US-Dollar unter eine psychologisch wichtige Zone, an die sich Investoren in den vergangenen Monaten relativer Stabilität gewöhnt hatten. Händler Scott Melker, bekannt als "The Wolf of all Streets", ordnete die Bewegung in sozialen Medien ein: Der Nennwert von 100 US-Dollar sei kein Kursboden. Ein Abschlag von 5% bedeute nicht, dass etwas "kaputt" sei, sondern spiegele höhere Renditeforderungen, Risikopreisung oder Marktbedingungen wider – typisch für Vorzugsaktien.
Zusätzlichen Druck brachte die Nachricht, dass Strategy erstmals seit 2022 Bitcoin verkauft hat, um Vorzugsdividenden zu finanzieren. Der Umfang sei zwar gering gewesen, habe aber das von Executive Chairman Michael Saylor lange gepflegte "never sell"-Narrativ sichtbar beschädigt.
Der Abschlag von STRC hat für den Bitcoin-Markt Signalwirkung, weil er die Fähigkeit von Strategy beeinflusst, über die Emission neuer Vorzugsaktien frisches Kapital für weitere Bitcoin-Käufe zu beschaffen. Notiert STRC deutlich unter 100 US-Dollar, wird eine neue Platzierung weniger attraktiv; einer der wichtigsten Finanzierungskanäle wird damit enger. Analyst Juan Rodríguez schrieb in sozialen Medien, STRC erhöhe den bärischen Druck auf den Bitcoin-Preis und signalisiere eher fehlende künftige BTC-Käufe; Investoren würden bei 95 US-Dollar Kapital zurückholen – trotz Verlusten.
Der Ökonom Peter Schiff verwies auf die mechanischen Risiken der Struktur: Sinkt der STRC-Kurs, muss Strategy die Dividendenrate stärker anheben, um das Papier wieder in Richtung Parität zu ziehen. Das erhöhe den Mittelabfluss und könne Bitcoin-Verkäufe zur Finanzierung der höheren Ausschüttungen vorziehen. Schiff bezifferte die Lage am 3. Juni 2026 mit einem STRC-Stand von 94,85 US-Dollar und einer laufenden Rendite von 12,12%.
Rechnerisch ist die Logik klar: Handelt STRC bei oder über 100 US-Dollar, kann eine Neuemission effizient zusätzliche BTC-Käufe finanzieren. Unter Par steigt der Renditedruck, was die Cash-Abflüsse erhöht – ausgerechnet in einer Phase, in der Bitcoin bereits unter Druck steht. Die Kapitalstruktur ist stark auf steigende Bitcoin-Umfelder ausgelegt. Aktuell treffen Bitcoin bei 62.000 US-Dollar, ein jüngster Verkauf zur Dividendendeckung und ein STRC-Kurs unter dem Zielniveau aufeinander – ein deutlich ungünstigeres Setup als während der vorangegangenen Rally.
Strategy hält nach wie vor über 843.706 BTC und verfügt über erhebliche Cash-Reserven. Auch die Stammaktie MSTR geriet zuletzt unter Verkaufsdruck, was die enge Verflechtung des mehrschichtigen Kapitalaufbaus mit der Bitcoin-zentrierten Unternehmensidentität unterstreicht.
Für Einkommensinvestoren erhöht der Kursabschlag den effektiven Ertrag – er nähert sich aktuell 12%. Dem stehen jedoch Mark-to-Market-Verluste und wachsende Unsicherheit gegenüber, wie stabil die Dividenden bei anhaltender Bitcoin-Schwäche in den kommenden Monaten bleiben.
Parallel zur Marktschwäche läuft die Uhr für eine entscheidende Abstimmung: Bis zum 7. Juni sollen Inhaber von STRC und MSTR über eine Anpassung des Dividendenplans entscheiden. Vorgeschlagen ist eine Umstellung von monatlichen auf halbmonatliche Auszahlungen – bei unverändert 11,5% annualisierter Rate, aber mit Ausschüttungen etwa alle zwei Wochen. Strategy argumentiert, der Schritt solle den Wiederanlageverzug reduzieren, die Kursbildung näher an den Nennwert binden und die Cashflow-Planbarkeit für einkommensorientierte Anleger verbessern.
Kritiker halten dagegen, der Kursrutsch bei den Vorzügen verschärfe die Sorgen um die gesamte Kapitalstruktur. Sollte sich STRC nicht erholen, könnten höhere Dividendenanforderungen den Cash-Burn beschleunigen und frühere Bitcoin-Verkäufe erzwingen. Strategy sieht die Änderung als Stärkung des eigenen "capital turbine"-Modells – unter den aktuellen Marktbedingungen wird die anstehende Abstimmung jedoch zu einem zentralen Stimmungstest für Investoren in einer besonders empfindlichen Phase.