Strategy-Chef Phong Le rückt Bitcoin-Politik auf Aktionärswert pro Aktie aus

Jahrelang galt bei Strategy im Umgang mit Bitcoin eine ungeschriebene Regel: nicht verkaufen. Diese Phase ist vorbei. CEO Phong Le ließ auf die Frage nach möglichen Verkäufen durchblicken, dass das Unternehmen künftig weniger Ideologie und mehr Rechenmodell gelten lässt. Heißt: Wenn ein Bitcoin-Verkauf den Wert für Aktionäre auf Pro-Aktie-Basis erhöht, ist ein Verkauf möglich. Sechs Leitlinien, ein Kurswechsel Als weltweit größter Unternehmenshalter von Bitcoin mit rund 818.334 BTC führt Strategy sechs neue Marktprinzipien ein, die das Treasury-Management neu ausrichten. Der zentrale Perspektivwechsel: Im Vordergrund steht künftig "Bitcoin Per Share" (BPS) statt der reinen Gesamtmenge an gehaltenem Bitcoin. Der Rahmen sieht ausdrücklich auch strategische BTC-Verkäufe vor, sofern sie den Aktionären nutzen. Damit entfernt sich Strategy von der unter Michael Saylor geprägten, nahezu dogmatischen HODL-Haltung. Saylor ist inzwischen Executive Chairman. An der Akkumulationsstrategie hält Strategy grundsätzlich fest: Bis zum Jahresende soll der Bestand auf 1 Mio. BTC steigen. Als Treiber nennt das Unternehmen geplante Kapitalaufnahmen in Höhe von 44 Mrd. USD. Neu ist, dass ein Verkauf nun offiziell als Option im Instrumentenkasten verankert wird – gesteuert durch Tabellenkalkulationen statt Überzeugung. Warum der Markt nicht nervös wurde Die Bitcoin-Notierung stieg nach der Ankündigung intraday um 2,3% auf über 82.800 USD. Die Aussagen fielen im Zusammenhang mit den Q1-2026-Ergebnissen von Strategy. Zudem teilte das Unternehmen mit, über eine mehrjährige USD-Reserve zu verfügen, die die Bilanz absichern und erzwungene BTC-Verkäufe vermeiden soll. Auch bei Le gab es auffällige Transaktionen: Er verkaufte 3.299 Strategy-Aktien für 456.000 USD und kaufte gleichzeitig STRC-Vorzugsaktien im Wert von 250.000 USD. Strategy bezeichnete dies als Portfolio-Neugewichtung. Der "Saylor-Faktor" Michael Saylor machte Bitcoin nicht nur zur Unternehmensstrategie, sondern zu Marke und Weltanschauung. Öffentlich stellte er Bitcoin regelmäßig als Einbahnstraße dar: kaufen, halten, nie abgeben. Phong Le klingt deutlich technokratischer – eher wie ein CFO, der Szenarien durchrechnet, als wie ein Missionar. Die sechs Prinzipien sind im Kern ein Governance-Rahmen dafür, wann Bitcoin eingesetzt oder abgebaut wird – etwas, das es im alten Regime nicht gab, weil Desinvestitionen dort praktisch nicht vorgesehen waren. Was das für Investoren bedeutet In den kommenden Quartalen dürfte BPS zur zentralen Kennzahl in den Strategy-Reports werden. Steigt BPS nachhaltig, stützt das Les Ansatz. Bleibt der Effekt aus, hätte Strategy das Narrativ aufgegeben, das die Aktie einzigartig machte, ohne einen belastbaren quantitativen Ersatz zu liefern.