Bitcoin-ETFs mit Rekordzuflüssen – On-Chain-Daten warnen vor Schieflage am Markt
Bitcoin-Spot-ETFs verzeichnen laut CoinDesk die längste Serie an Mittelzuflüssen seit September. Gleichzeitig deuten On-Chain-Indikatoren darauf hin, dass die jüngste Erholung stärker auf Derivate und Leverage als auf echte Spot-Nachfrage gestützt sein könnte.
Demnach meldeten Spot-Bitcoin-ETFs am 24. April den neunten Handelstag in Folge Nettozuflüsse. An diesem Tag kamen 14,45 Mio. US-Dollar hinzu, die kumulierten Zuflüsse liegen damit bei rund 2,1 Mrd. US-Dollar. Daten von SoSoValue zufolge ist die neuntägige Serie die längste seit September 2025. Auch die Wochenwerte bestätigen das Bild: In der Woche bis zum 24. April beliefen sich die Zuflüsse auf 823,7 Mio. US-Dollar, nach 996,4 Mio. US-Dollar und 786,3 Mio. US-Dollar in den beiden Wochen zuvor – drei Wochen mit kräftiger institutioneller Nachfrage. BlackRock's IBIT lag vorn und kam auf 983 Mio. US-Dollar Wochenzufluss, den höchsten Wert seit sechs Monaten.
Trotz der ETF-Nachfrage fallen die Signale aus dem Markt nicht eindeutig positiv aus. Ki Young Ju, Gründer der On-Chain-Analyseplattform CryptoQuant, sieht die Rallye vor allem durch den Futures-Markt getrieben: Das Open Interest steige, die "scheinbare" On-Chain-Nachfrage bleibe aber netto negativ – trotz ETF-Zuflüssen und Käufen durch Saylor. Historisch endeten Bärenmärkte erst, wenn sich sowohl Spot- als auch Futures-Nachfrage erholen.
Ilya Otychenko, Chefanalyst bei CEX.IO, äußerte sich ebenfalls vorsichtig. Die jüngsten Kursbewegungen deuteten darauf hin, dass Short-Eindeckungen eine zentrale Rolle gespielt hätten. Dass Open Interest parallel zum Kurs steige, spreche zudem für einen Beitrag von Hebelpositionen. Das sei typischerweise ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Bewegung eher durch Short Squeezes als durch reine Spot-Nachfrage entstanden sei.
Die Liquidationsdaten unterstreichen die Asymmetrie: Seit dem 13. April summierten sich Short-Liquidationen auf rund 2,8 Mrd. US-Dollar, Long-Liquidationen auf 1,8 Mrd. US-Dollar. CoinGlass zeigt damit klar, dass bärische Positionierungen überrascht wurden. Otychenko zufolge könnte der Markt weiter steigen, falls zusätzliche Short-Positionen zur Eindeckung gezwungen werden. Für eine nachhaltige Fortsetzung der Rallye brauche es aber robuste Spot-Nachfrage, mehr On-Chain-Aktivität und breitere Marktteilnahme – andernfalls drohe ein Rücksetzer.
Auch Ju verweist auf eine Lücke zwischen ETF-Nachfrage und Spot-Käufen an Börsen, wo ein Großteil des Handels stattfindet. Das deute darauf hin, dass Futures-Investoren stärker auf Leverage setzen als auf tatsächliche Spot-Akkumulation.
Otychenko ergänzte, dass ein Teil der ETF-Nachfrage mit Cash-and-Carry-Strategien zusammenhängen könnte: Institutionelle Anleger kaufen IBIT-Anteile und gehen gleichzeitig Short-Positionen in CME-Futures ein, um den Spread zu vereinnahmen. Da diese Strategie marktneutral ist, sollten Zuflüsse nicht automatisch als eindeutig bullishes Signal gewertet werden.
Weitere Faktoren stützen die vorsichtige Einschätzung. Negative Funding Rates – Gebühren zur Balance zwischen Spot- und Futures-Preisen – deuten auf wachsende Short- bzw. bärische Positionierung hin. Auch die Optionsdaten sind defensiv: Der 25-Delta-Skew liegt im negativen Bereich und bewegt sich zwischen 2% und 5%, was auf eine erhöhte Zahlungsbereitschaft für Absicherung gegen Kursrückgänge hindeutet.
Otychenko sagte: "Funding Rates liegen nahe historischer Tiefs, während die Akkumulation durch langfristige Halter ein Allzeithoch erreicht hat. Eine dieser beiden Gruppen liegt wahrscheinlich deutlich daneben. Solche Spannungen halten selten lange – und wenn sie sich auflösen, fallen Marktbewegungen oft schnell und entschieden aus."
Bis sich die Spot-Nachfrage erholt, bleibt der Ausblick für Bitcoin und den breiteren Kryptomarkt laut Bericht unsicher. Bitcoin notiert derzeit bei etwa 77.800 US-Dollar, 0,2% niedriger in den vergangenen 24 Stunden, aber rund 3,5% höher auf Wochensicht (CoinGecko).
Auf Prognosemärkten sehen Nutzer laut Bericht eine Wahrscheinlichkeit von 75%, dass der nächste Impuls Bitcoin zunächst in Richtung 84.000 US-Dollar treiben könnte. Kurzfristig bleiben die Erwartungen dennoch verhalten: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Leitwährung am Montag über 78.000 US-Dollar schließt, wird mit 42% angegeben.