Bitcoin-ETFs: Abflüsse von 1 Mrd. US-Dollar in einer Woche – Stimmungsumschwung bei Investoren
Bei Spot-Bitcoin-ETFs sind in der vergangenen Woche netto 1 Mrd. US-Dollar abgeflossen. Damit endete eine kräftige, sechswöchige Kaufphase institutioneller Anleger, die zuvor insgesamt 3,4 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen gebracht hatte. Marktteilnehmer, die im April und Anfang Mai überwiegend stetige Zuflüsse gesehen hatten, wurden von der abrupten Trendwende überrascht.
Die Woche bis zum 15. Mai 2026 war die schwächste seit Januar: Nach einem kleinen Plus von 27,29 Mio. US-Dollar am Montag drehten die Flows am Dienstag mit Abflüssen von 233,25 Mio. US-Dollar ins Negative. Den größten Tagesrückgang gab es am Mittwoch, als 635,23 Mio. US-Dollar in einer Sitzung abgezogen wurden. Am Donnerstag kam es kurzzeitig zu einer Erholung mit Zuflüssen von 131,31 Mio. US-Dollar, bevor der Druck zum Wochenschluss zurückkehrte: Am Freitag flossen weitere 290,42 Mio. US-Dollar aus allen 11 Spot-Bitcoin-ETFs ab. Kein Produkt verzeichnete am letzten Handelstag Zuflüsse, sämtliche Fonds schlossen im Minus.
Trotz der Abflüsse bleiben die Bestände hoch. Das gesamte verwaltete ETF-Vermögen liegt weiterhin bei 104,29 Mrd. US-Dollar. Seit dem Start im Januar 2024 summieren sich die kumulierten Nettozuflüsse auf 58,34 Mrd. US-Dollar. Für die längerfristige institutionelle Nachfrage bleiben die Erwartungen bis 2026 grundsätzlich positiv.
Makro-Faktoren trugen maßgeblich zur Stimmungseintrübung bei. Inflationsdaten aus April wiesen einen CPI von 3,8% und einen PPI nahe den Höchstständen von 2022 bei 6% aus. Gleichzeitig stiegen die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen auf 4,54% – den höchsten Stand seit Mitte 2025. Auch die Zinserwartungen verschoben sich: Die FedWatch-Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Zinserhöhung stieg auf über 44%.
Parallel zog die Sektorrotation an den Aktienmärkten an. KI-nahe Titel wie NVIDIA, Google und Apple näherten sich Rekordständen, während Neuemissionen wie Cerebras am ersten Handelstag um mehr als 70% zulegten. In diesem Umfeld verlagerte sich Risikokapital zulasten von Krypto-ETFs.
Analysten verweisen zudem auf Gewinnmitnahmen bei Bitcoin. Die durchschnittliche realisierte Gewinnmarge erreichte 17% und damit den höchsten Wert seit Ende 2025. Historisch steigt bei solchen Niveaus der Verkaufsdruck, in früheren Zyklen gingen ähnliche Phasen häufig Korrekturen voraus.
Auch Ethereum-ETFs standen unter Abgabedruck: Fünf Verlusttage in Folge führten zu wöchentlichen Nettoabflüssen von 254,46 Mio. US-Dollar. Das verwaltete Vermögen der Ether-Fonds liegt damit bei rund 12,93 Mrd. US-Dollar.
Wöchentliche Nettoflüsse (Recap): BTC: -995,5 Mio. US-Dollar; ETH: -255,2 Mio. US-Dollar; SOL: +58,2 Mio. US-Dollar. Solana war damit der einzige Bereich mit positiven Mittelzuflüssen.