Südkorea verschärft Kontrollen: Kryptobörsen müssen Bestände alle fünf Minuten abgleichen

Bithumb verschiebt seinen Börsengang auf frühestens 2028. Als Grund nennt die Kryptobörse den Bedarf an umfassenden Anpassungen bei Buchhaltung, Rechnungswesen und internen Kontrollsystemen, nachdem ein viel beachteter Auszahlungsfehler die Aufsicht in Südkorea auf den Plan gerufen hatte. Die Financial Services Commission (FSC) teilte am Montag mit, dass alle im Land tätigen Kryptobörsen ihre internen Aufzeichnungen künftig im Fünf-Minuten-Takt mit den tatsächlich gehaltenen Vermögenswerten abgleichen müssen. Auslöser war eine Sonderprüfung nach einem Vorfall im Februar: Bithumb hatte im Rahmen einer Rewards-Aktion irrtümlich 620.000 Bitcoin an 249 Nutzer ausgezahlt. Nach Unternehmensangaben wurden noch am selben Tag 99,7% der Summe zurückgeholt. Die verbleibenden 1.788 BTC, die bereits verkauft worden waren, deckte Bithumb aus eigenen Mitteln. Die Prüfung brachte laut Aufsicht branchenweite Schwachstellen zutage. Drei der fünf größten Börsen Südkoreas glichen ihre Bücher demnach nur einmal innerhalb von 24 Stunden ab. Auch Systeme, die den Handel bei größeren Abweichungen automatisch stoppen sollen, wurden als unzureichend eingestuft. Mit den neuen Vorgaben müssen Handelsplätze automatisierte Systeme einführen, die Ledger-Daten und Wallet-Bestände alle fünf Minuten abgleichen. Zusätzlich sind klare Schwellenwerte festzulegen, bei deren Überschreitung der Handel automatisch ausgesetzt wird. Hochrisiko-Prozesse wie Promo-Auszahlungen sollen vor Durchführung durch Dritte geprüft und intern auf mehreren Ebenen freigegeben werden. Hochrisiko-Konten sind zu separieren, automatisierte Tools zur Zahlungs- und Auszahlungsverifikation werden verpflichtend. Auch die externe Prüfung wird verschärft: Quartalsprüfungen werden durch monatliche Audits ersetzt. Zudem müssen Börsen detaillierte Aufstellungen ihrer Bestände veröffentlichen, aufgeschlüsselt nach Wallet und Ledger. Die FSC erklärte, sie wolle die aktualisierten Regeln gemeinsam mit der Digital Asset Exchange Alliance bis Ende April finalisieren. Bithumb verschiebt IPO, Naver bremst Anteilstausch Bithumb rückt damit mindestens drei Jahre von seinem ursprünglichen Zieljahr 2025 ab. Das Unternehmen hat Samjong KPMG als Berater hinzugezogen und will 2027 nach eigenen Angaben für die Straffung von Finanzrichtlinien und Kontrollprozessen nutzen, bevor ein neuer Anlauf für den Gang an die Börse erfolgt. Unabhängig davon verschiebt Naver Financial den geplanten Anteilstausch mit dem Kryptounternehmen Dunamu um rund drei Monate. Die Abstimmung der Aktionäre ist nun für den 18. August angesetzt, der Abschluss der Transaktion wird bis zum 30. September erwartet. Südkorea zählt seit Jahren zu den aktivsten Regulierern im Kryptomarkt. Die aktuellen Schritte deuten auf weiter steigenden Druck hin und reduzieren den Spielraum für operative Fehler bei den Börsen.