SharpLink setzt 200 Mio. US-Dollar in ETH zur Renditeoptimierung über Linea, ether.fi und EigenCloud ein
Odaily Planet Daily traf Matt Sheffield (X: @sheffieldreport), Chief Investment Officer von SharpLink, in New York zum Gespräch. SharpLink versteht sich als "Next-Generation Digital Asset Treasury" und ist an der Nasdaq notiert. Das Unternehmen gab bekannt, ETH im Gegenwert von 200 Mio. US-Dollar über den qualifizierten Verwahrer Anchorage Digital direkt onchain zu hinterlegen und eine zweijährige Partnerschaft zur Renditesteigerung mit Linea, ether.fi und EigenCloud einzugehen. Ziel ist eine ETH-Rendite oberhalb des nativen Stakings sowie die Etablierung eines Compliance-Standards für institutionelle DeFi-Aktivitäten.
SharpLink verwaltet nach eigenen Angaben rund 3 Mrd. US-Dollar Eigenkapital und will dieses möglichst effizient über Ethereum auf der Bilanz allokieren. Sheffield beschreibt die zentrale Kennzahl seiner Rolle als "ETH pro Aktie" (ETH-per-Share). Die Strategie ziele darauf ab, ein in ETH denominiertes Portfolio entlang einer effizienten Grenze aufzubauen und risikoadjustiert mehr ETH zu erwirtschaften. Von Beginn an habe SharpLink seine Bestände nativ gestakt, um die "Produktivität" von Ethereum zu demonstrieren. Produkte, die nicht am Staking teilnehmen, schöpften das Wertpotenzial von Ethereum aus seiner Sicht nicht aus.
Auf die Frage, ob SharpLink Dollar-Gewinne oder ETH-per-Share priorisiere, sagte Sheffield, beides laufe praktisch auf dasselbe hinaus. Das Unternehmen halte Ethereum für deutlich unterbewertet und sieht Wachstumstreiber etwa in Tokenisierung und Smart Payments. Seit Juni habe SharpLink daher nahezu die gesamte Treasury in Ethereum allokiert, um möglichst viele ETH zu akkumulieren und langfristig den höchsten Dollar-Wert für Aktionäre zu erzielen.
Im Vergleich zu anderen "Treasury"-Modellen grenzt sich SharpLink von stärker finanzialisierenden Ansätzen ab. Sheffield verwies auf Strategien, die über Kapitalstruktur und Effekte wie variable Gamma aktienähnliche Renditen erzeugen, und stellte dem ein Modell linearer, kumulierter Erträge gegenüber. SharpLink habe keinerlei Schulden und erwirtschafte allein durch Staking rund 1 Mio. US-Dollar pro Tag.
Zu Liquidationsrisiken sagte Sheffield, SharpLink habe keine "Liquidationspreise" wie bei Wandelanleihen oder Vorzugsstrukturen; wiederkehrende Staking-Erträge reduzierten den Druck, in Marktstressphasen verkaufen zu müssen. Zusatzerträge sollen über mehrjährige DeFi-Deployments erzielt werden. SharpLink nehme dafür etwas mehr Risiko in Kauf, orientiere sich aber am nativen Staking als Referenz, den es risikoadjustiert zu schlagen gelte.
Sheffield betonte, das Treasury-Management sei nicht passiv, auch wenn SharpLink den Fokus bewusst eng halte. Themen wie RWA-Liquidität, Yield-Strategien und Smart Payments seien interessant, würden aber nur verfolgt, wenn sie die Kernthese unterstützen und ETH-per-Share erhöhen.
Zu einem bereits im Januar kommunizierten Linea-Engagement präzisierte Sheffield die Größenordnung: Die Onchain-Allokation liege inzwischen bei 200 Mio. US-Dollar, nachdem seit der ersten Mitteilung weitere 30 Mio. US-Dollar hinzugekommen seien. Neben Onchain-Liquidität und Zinsen spiele "Longevity" eine Rolle: Partner sollten institutionelle Standards über längere Zeiträume liefern und Anreize in Ethereum auszahlen.
Als zentrales Element hob Sheffield die operative Umsetzung über Anchorage Digital hervor, einen OCC-lizenzierten, regulierten Verwahrer. SharpLink habe die Finanzoperationen so strukturiert, dass die Assets den qualifizierten Verwahrer nicht verlassen mussten: Minting erfolgte innerhalb der Custody, anschließend sei per LayerZero cross-chain gebridged worden. Hot Wallets habe man vollständig vermieden. Sheffield bezeichnete den Ansatz als "Security first" und als möglichen Präzedenzfall für börsennotierte Unternehmen, um DeFi-Strategien kontrolliert umzusetzen.
Zur Bilanzierung und SEC-Anforderungen, etwa Fair-Value-Bewertung, sagte Sheffield, SharpLink arbeite eng mit internen und externen Teams zusammen, um jede neue Maßnahme regelkonform abzubilden. Native-Staking-Erträge flössen in die Umsätze, während Liquid-Staking-Token derzeit als immaterielle Vermögenswerte klassifiziert seien und Abschreibungslogiken unterlägen. Der Markt müsse diese Effekte in den Abschlüssen verstehen; SharpLink sehe sich dabei als "First Mover", der Standards setzt. Das Unternehmen gehe deshalb methodisch vor. Es nutze digitale Asset-Strategien seit weniger als einem Jahr und verwalte Vermögenswerte in Höhe von rund 30 Mrd. US-Dollar.
Zur schwächeren Kursentwicklung von ETH gegenüber BTC sagte Sheffield, die wichtigsten positiven Treiber würden erst allmählich eingepreist, insbesondere im Bereich RWA. Er verwies auf die geringe Durchdringung tokenisierter Assets im Verhältnis zur gesamten Finanzwelt und nannte BlackRock als Beispiel: Allein eine ETF-Serie umfasse 4,5 Bio. US-Dollar und liege damit um ein Vielfaches über der aktuellen RWA-Marktkapitalisierung. Die Migration von Vermögenswerten onchain stehe noch am Anfang; Ethereum werde im Zentrum stehen. In den vergangenen Wochen seien die Fundamentaldaten stabiler geworden, vor allem während der US-Handelszeiten, begleitet von rationalerem Handel. Klarere US-Regulierung und ETFs lieferten Rückenwind. Kursprognosen vermeide SharpLink, das Ziel bleibe aber, der beste regulierte Weg zu sein, Ethereum zu halten.
Angesprochen auf hohe Buchverluste durch den ETH-Rückgang sagte Sheffield, SharpLink investiere stark in Investor-Relations und Aufklärung, damit Anleger die Strategie transparent nachvollziehen könnten. Er nannte Zahlen zur Aktionärsstruktur: Nach dem 13F-Filing im Juni des Vorjahres habe der institutionelle Anteil bei 56% gelegen, der Rest bei Privatanlegern; das jüngste 13F weise aktuell 46% institutionellen Besitz aus, darunter große Adressen mit zuvor geringer Digital-Asset-Exponierung. SharpLink positioniere sich als reguliertes Vehikel für Anleger, die langfristig auf Ethereum setzen wollen; wer diese These nicht teile, für den sei die Aktie nicht geeignet.
Sheffield berichtete zudem von Erfahrungen in Asien und wachsendem Interesse, das er unter anderem im Februar auf der Consensus in Hongkong wahrgenommen habe. SharpLink habe Südkorea und Japan besucht und zuletzt in der Golfregion Gespräche mit großen Institutionen und Staatsfonds geführt. Besonders in Hongkong und im Golfraum sehe er starke RWA-Dynamik, flankiert von kooperativen Regulierern und lokalen "Builders", die Innovationszentren aufbauen wollten. SharpLink wolle als Brücke zwischen TradFi und Krypto fungieren.
Jenseits von Ethereum liege der Fokus auf dem gesamten Onchain-Ökosystem rund um Ethereum, darunter RWA und Smart Payments. Während Venture Capital und Liquiditätsfonds auf High-Risk/High-Reward setzten und ETFs eher Buy-and-Hold seien, wolle SharpLink nahezu permanentes, in Ethereum denominiertes Kapital bereitstellen. Durch Kooperationen und Kapitalallokation zu Protokollen, die das Ethereum-Ökosystem voranbringen, soll zusätzlicher ETH-per-Share generiert werden "und damit ein Flywheel" für den Markt entstehen.