SEC bereitet Regeln für tokenisierte Aktien vor – Markt erreicht 1,4 Mrd. US-Dollar

Die US-Börsenaufsicht SEC arbeitet an einem neuen Regulierungsrahmen für tokenisierte Aktien. Damit könnten digitale Abbildungen börsennotierter Unternehmen künftig auf kryptobasierten Plattformen gehandelt werden – ein weiterer Schritt hin zur Verzahnung von traditionellen Kapitalmärkten und Blockchain-Infrastruktur. Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, könnte die SEC bereits in dieser Woche einen Vorschlag für eine sogenannte "Innovation Exemption" vorlegen. Diese Ausnahmeregelung würde einen Weg eröffnen, Wertpapier-Repräsentationen auf Blockchain-basierten Handelsplätzen außerhalb klassischer Börsen zu listen und zu handeln. Der Vorstoß passt in die Linie der Trump-Regierung, Vorgaben rund um digitale Vermögenswerte zu lockern und den Aufbau krypto-nativer Finanzinfrastruktur in den USA zu fördern. Nach dem skizzierten Modell könnten Drittanbieter Blockchain-Token ausgeben, die an den Wert öffentlich gehandelter Aktien gekoppelt sind – auch ohne Zustimmung oder Beteiligung der jeweiligen Unternehmen. Der Handel dürfte vor allem über dezentrale Krypto-Plattformen laufen. Dabei ist entscheidend: Die Token würden voraussichtlich nicht die gleichen Rechte wie Stammaktien vermitteln. Stimmrechte oder Dividendenansprüche könnten fehlen. Im Kern ginge es um Instrumente, die die Kursentwicklung gelisteter Aktien abbilden. Die Dynamik im Markt für tokenisierte Aktien hat zuletzt deutlich zugenommen. Daten von RWA .xyz zufolge stieg der Marktwert in den vergangenen 30 Tagen um knapp 30% auf 1,43 Mrd. US-Dollar, verteilt auf mehr als 2.200 Assets. Das monatliche Transfervolumen liegt bei 3,10 Mrd. US-Dollar; die Zahl der Halter wird auf rund 267.710 beziffert. Dominierend ist Ondo mit 888 Mio. US-Dollar an tokenisiertem Aktienwert, das entspricht knapp 60% des Marktes. Dahinter folgt die Plattform xStocks mit etwa 394 Mio. US-Dollar. Auch etablierte Marktinfrastrukturanbieter positionieren sich. Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) kündigte an, ab Juli 2026 begrenzte "Production Trades" für tokenisierte Wertpapiere zu ermöglichen; eine breitere Umsetzung soll später im Jahr folgen. Nasdaq arbeitet an einer Struktur für Equity-Token, und die New York Stock Exchange entwickelt Systeme für Onchain-Abwicklung sowie Infrastruktur für tokenisierten Handel. Befürworter erwarten effizientere Märkte durch Handel rund um die Uhr, schnellere Abwicklung und einen leichteren globalen Zugang zu Aktien. Kritiker verweisen auf offene Fragen bei Liquidität, Anlegerschutz und der rechtlichen Einordnung von Aktionärsrechten. Sollte die SEC die Ausnahmeregelung umsetzen, wäre das ein richtungsweisendes Signal: US-Regulierer würden blockchainbasierten Handel stärker in den Mainstream der Kapitalmärkte integrieren, statt ihn an den Rand des Finanzsystems zu drängen.