SEC kurz vor Abschluss von "Reg Crypto": Neues Regelwerk für Token-Finanzierungen rückt näher
Die US-Börsenaufsicht SEC treibt ein formelles Regelwerk für Krypto-Assets voran. SEC-Chef Paul Atkins bestätigte, dass der Vorschlag für eine neue Ausnahmeregelung "Reg Crypto" derzeit im Weißen Haus geprüft wird – ein letzter Schritt vor der Veröffentlichung. Im Fokus stehen Token-Fundraisings, Erleichterungen für Start-ups und klarere Kriterien dafür, wann ein Token als Wertpapier gilt.
Kern des Entwurfs ist ein auf das Securities Act of 1933 ('33 Act') zugeschnittener Rahmen zur Kapitalbeschaffung. Geplant ist eine gestufte Exemption-Struktur: Eine Start-up-Ausnahme soll Teams in der Frühphase ermöglichen, innerhalb eines zeitlich begrenzten Fensters von bis zu vier Jahren rund 5 Mio. US-Dollar einzuwerben. Zusätzlich ist eine separate Fundraising-Ausnahme vorgesehen, die Emissionen von bis zu etwa 75 Mio. US-Dollar innerhalb von 12 Monaten erlauben würde. Statt einer Vollregistrierung sollen vereinfachte Offenlegungspflichten gelten, darunter Angaben zur Finanzlage und Basis-Reporting. Ziel ist es, Kapital über Token zu ermöglichen, ohne Projekte von Beginn an in den klassischen Wertpapierprozess zu zwingen.
Ergänzend sieht der Entwurf einen "Safe Harbor" vor: Projekte sollen transparent machen können, ab wann ein Token mit zunehmender Dezentralisierung den Übergang vom Wertpapier zum Nicht-Wertpapier vollzieht. Damit würde ein definierter Pfad geschaffen, statt anhaltender Rechtsunsicherheit. Der Ansatz orientiert sich laut Darstellung auch an Section 103 des Senatsentwurfs "Clarity Act", der ähnliche Fundraising-Grenzen und Offenlegungsvorgaben skizziert.
Parallel bereitet die SEC eine weitere "Innovation Exemption" unter dem Securities Exchange Act of 1934 vor, die speziell DeFi adressiert. Sie soll begrenzten On-Chain-Handel mit tokenisierten Wertpapieren über dezentrale Plattformen – einschließlich Automated Market Maker – ermöglichen, ohne sofort eine vollständige Registrierung als Broker-Dealer oder Börse auszulösen. Das Konzept ist als regulatorischer Sandbox-Rahmen gedacht, in dem sowohl traditionelle Finanzhäuser als auch Krypto-natives unter klaren Limits Modelle testen können. Atkins betonte, Experimentiermöglichkeiten sollten geschaffen werden, ohne etablierte Akteure zu benachteiligen oder Neueinsteiger zu blockieren.
Zur Abstimmung mit anderen Behörden arbeitet die SEC zudem mit der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) über ein neues Memorandum of Understanding zusammen. Ziel ist es, Überschneidungen zu reduzieren, Produktdefinitionen zu schärfen und die Durchsetzung zwischen den Behörden besser abzustimmen. Atkins unterstrich, dass die Regelsetzung unabhängig von den langsamen Fortschritten im Kongress vorankomme. Zugleich verwies er auf politische Risiken: Veränderungen im Kongress könnten den regulatorischen Kurs bremsen. Die Branche rief er dazu auf, sich im Umfeld der Midterm-Wahlen 2026 weiter zu engagieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Für Entscheidungen im Zusammenhang mit genannten Unternehmen, Produkten oder Dienstleistungen wird zu eigener Prüfung geraten.