SEC verschiebt Ausnahmeregeln für tokenisierte US-Aktien – Streit um Regulierung hält an
Die US-Börsenaufsicht SEC hat die ursprünglich für diese Woche erwartete Veröffentlichung eines Regelwerks für eine sogenannte "Innovation Exemption" bei tokenisierten Aktien verschoben. Wie CoinDesk unter Berufung auf Bloomberg berichtet, prüft die Behörde derzeit Rückmeldungen klassischer Börsen und weiterer Marktteilnehmer. Die geplante Ausnahme steht im Zusammenhang mit "Project Crypto", das SEC-Chef Paul Atkins vorantreibt und das bestimmte Vorgaben für Kryptounternehmen lockern soll.
Im Zuge der Diskussion hatten Aufseher zeitweise erwogen, Drittanbietern die Ausgabe und den Handel tokenisierter US-Aktien zu ermöglichen – auch ohne direkte Autorisierung der jeweiligen börsennotierten Unternehmen.
Traditionelle Börsen warnen vor Risiken
Laut Bericht führte die SEC zuletzt Gespräche mit Börsenvertretern und anderen Akteuren. Im Mittelpunkt standen zwei Kritikpunkte: eine mögliche Schwächung des Anlegerschutzes sowie potenzielle regulatorische Vorteile für Kryptoplattformen gegenüber den etablierten Wertpapiermärkten. Die World Federation of Exchanges hatte der SEC bereits im November 2025 geschrieben, dass eine rechtliche Aufwertung tokenisierter Aktien vor einem vollständigen Compliance-Rahmen negative Folgen für den US-Markt haben könne. Zu den Mitgliedern zählen Nasdaq, Cboe und die CME Group.
Zwei Wege der Tokenisierung zeichnen sich ab
Für die Integration von Onchain-Technologie in den US-Aktienhandel kristallisieren sich zwei Modelle heraus. Das erste wird von traditionellen Börsen vorangetrieben und setzt auf Tokenisierung innerhalb des bestehenden Handels- und Abwicklungssystems. Das zweite würde kryptonativen Plattformen einen parallelen tokenisierten Markt außerhalb der heutigen Marktstruktur eröffnen.
Die Nasdaq erhielt im März 2026 eine SEC-Genehmigung, ihr Programm für tokenisierte Wertpapiere weiterzuentwickeln. Das Modell belässt den Handel im Börsensystem, sichert die vollen Aktionärsrechte und nutzt die enterprise-taugliche Blockchain-Technologie der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC). Dabei kann dieselbe Aktie in mehreren Token-Varianten existieren.
Sollte die derzeit von der SEC geprüfte "Innovation Exemption" umgesetzt werden, könnten mehrere Drittanbieter tokenisierte Versionen derselben Aktie ausgeben und diese an Kryptomärkten handeln. Das würde die Liquidität des jeweiligen Basiswerts auf verschiedene Emittenten und Handelsplätze aufsplitten.
Die Verzögerung unterstreicht das Ringen der SEC zwischen Innovationsbeschleunigung und dem Schutz der Integrität der bestehenden Wertpapiermärkte. Für Kryptoplattformen, traditionelle Börsen und Institutionen mit Plänen rund um tokenisierte Wertpapiere bleiben die nächsten regulatorischen Schritte kurzfristig ein zentrales Thema.