US-Militär setzt ukrainisches Anti-Drohnen-System auf saudischem Stützpunkt ein – trotz Trumps öffentlicher Absage
US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine im März öffentlich abblitzen lassen: US-Truppen bräuchten keine Unterstützung bei der Drohnenabwehr. Hinter den Kulissen zeichnet sich ein anderes Bild ab. Nach Informationen von Reuters, die sich auf fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen stützen, hat das US-Militär jüngst ukrainische Anti-Drohnen-Technologie auf einem wichtigen Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien installiert.
Dem Bericht zufolge wurde das bislang nicht öffentlich bekannte ukrainische Führungs- und Kontrollsystem "Sky Map" auf der Prince Sultan Air Base in Betrieb genommen. Die Maßnahme soll helfen, eine Serie von Drohnenangriffen abzuwehren, bei denen Militärflugzeuge und Gebäude zerstört wurden und mindestens ein US-Soldat ums Leben kam. Die Einführung von Sky Map gilt zugleich als Hinweis auf erhebliche Lücken in der US-Luft- und Raketenabwehr.
Mehrere Quellen berichten, dass ukrainische Militärangehörige zuletzt auf dem Stützpunkt eingetroffen sind, um US-Soldaten am System auszubilden. Sky Map wird von den ukrainischen Streitkräften breit eingesetzt, um anfliegende Drohnenbedrohungen – einschließlich iranischer Shahed-Drohnen – zu erkennen und Abfangmaßnahmen zu koordinieren. Nach vier Jahren Praxistest im Russland-Ukraine-Krieg hätten sich ukrainische Drohnen- und Gegenmaßnahmen in Teilen deutlich weiterentwickelt als entsprechende US-Fähigkeiten, heißt es.
Analysten verweisen auf die Lage der Prince Sultan Air Base, rund 640 Kilometer von Iran entfernt. Der Stützpunkt sei seit Kriegsbeginn wiederholt von Drohnen- und Raketenwellen attackiert worden. Timothy Walton, Senior Fellow am Hudson Institute, sagte: "Die seit Langem bestehenden Lücken des US-Militärs bei der globalen Luft- und Raketenabwehr sind gut bekannt, wurden aber nie geschlossen."
Trump hatte am 6. März in einem Interview mit Fox News den Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zurückgewiesen, beim Schutz gegen iranische Drohnenangriffe zu helfen. "Wir brauchen ihre Hilfe bei der Drohnenabwehr nicht", sagte Trump.
Das Weiße Haus und das Pentagon verwiesen Anfragen an das US Central Command, das für den saudischen Stützpunkt zuständig ist. Central Command lehnte eine Stellungnahme ab. Weder Sky Fortress, das ukrainische Unternehmen hinter Sky Map, noch das Büro Selenskyjs beantworteten Fragen.
Parallel erhöht das Pentagon den Mitteleinsatz für Gegenmaßnahmen. Die Anti-Drohnen-Taskforce des US-Verteidigungsministeriums kündigte im vergangenen Monat 350 Millionen US-Dollar an, um die Drohnenabwehr im Rahmen von Operation Epic Fury zu stärken. Adam Scher, Sprecher der Joint Task Force 401, erklärte, die USA setzten dabei auf neue Verteidigungssysteme, darunter Sensoren, Kameras und Abfangmittel. "Es gibt keine Wunderwaffe, die jede Drohnenbedrohung abfangen kann", sagte Scher.
Drei informierte Quellen bezeichnen Sky Map als zentrale Drohnen-Kommandoplattform der ukrainischen Streitkräfte. Die Konsole kombiniert Karten- und Videodarstellung und führt Radar- sowie Multisensor-Daten zusammen, um anfliegende Luftziele präzise zu identifizieren. Sky Fortress sei 2022 von ukrainischen Ingenieuren mit Militärbezug gegründet worden und habe landesweit mehr als 10.000 akustische Sensoren installiert, um russische Drohnenangriffe zu erkennen. Zudem habe das Projekt finanzielle Unterstützung von Brave1 erhalten, der ukrainischen Agentur für militärische Innovationen, zur Entwicklung einer Softwareplattform für koordinierte Abfangschläge.
Auf der Prince Sultan Air Base seien darüber hinaus weitere neue Anti-Drohnen-Systeme eingeführt worden. Dazu zählt der Abfangdrohne "Merops" des US-Unternehmens Project Eagle, finanziert vom früheren Google-CEO Eric Schmidt. Mehrere Quellen berichten, dass es bei ersten Tests technische Ausfälle gegeben habe. Bei einem Test in diesem Monat habe eine Merops-Abfangdrohne die Kontrolle verloren, sei abgestürzt und in ein Toilettengebäude des Stützpunkts eingeschlagen. Ein Sprecher Schmidts wollte sich dazu nicht äußern.
Der Stützpunkt steht laut dem Bericht seit Beginn des Krieges unter anhaltendem Druck durch Luftangriffe. Innerhalb weniger Wochen nach Ausbruch der Kampfhandlungen sei die Basis von Sättigungsangriffen mit iranischen Shahed-Drohnen und Raketen getroffen worden. Am 27. März sei dabei ein US-Flugzeug vom Typ E-3 Airborne Warning and Control System zerstört und mehrere Tankflugzeuge vom Typ KC-135 beschädigt worden. CNN berichtete zudem, dass Zeltanlagen zur Unterstützung des THAAD-Radarbetriebs zerstört worden seien.
Drei Quellen zufolge nutzte die Basis ursprünglich das FAAD-System (Forward Area Air Defense) von Northrop Grumman, das in den 1990er-Jahren eingeführt wurde und Bedrohungen wie Mörser, Raketen und Drohnen verfolgen kann. Gegen Drohnen auf kurze Distanz setze der Stützpunkt vor allem auf die Abfangdrohne "Coyote" von RTX. RTX hatte nach Angaben im vergangenen September einen Vertrag über 5 Milliarden US-Dollar mit dem US-Militär abgeschlossen. Die geflügelte Drohne kann demnach entweder einen Sprengkopf für einen Selbstmordangriff tragen oder gegnerische Drohnen mittels Mikrowellen außer Gefecht setzen, indem sie deren Elektronik beschädigt.
Ein Sprecher von Northrop Grumman erklärte, das FAAD-System habe seine Zuverlässigkeit und operative Überlegenheit im Einsatzraum fortlaufend bewiesen. RTX-Sprecher Chris Johnson sagte: "Der Coyote-Abfangjäger hat in der Praxis eine hervorragende Leistung gezeigt und Hunderte von Luftbedrohungen erfolgreich abgefangen."