Kraken-Mutter Payward beantragt nationale Trust-Lizenz bei der OCC

Payward, Betreiber der Kryptobörse Kraken, hat nach einem Bericht von CoinDesk bei der US-Bankenaufsicht OCC eine nationale Trust-Charter beantragt. Ziel ist es, die Verwahrung digitaler Vermögenswerte für institutionelle Kunden in den gesamten USA auszubauen. Die geplante Einheit soll als Payward National Trust Company (PNTC) firmieren. Anders als klassische Banken will PNTC weder Einlagen annehmen noch Kredite vergeben, sondern sich auf die institutionelle Krypto-Verwahrung konzentrieren – ein Segment, in dem der Wettbewerb unter Krypto-Anbietern zuletzt deutlich angezogen hat. Payward verweist auf die bereits bestehende Banktochter Kraken Financial Bank, die in Wyoming über eine SPDI-Lizenz verfügt. Eine bundesweite Trust-Charter würde es Kraken ermöglichen, institutionelle Kunden landesweit unter einem einheitlichen Regulierungsrahmen zu bedienen, statt sich durch unterschiedliche Vorgaben der Bundesstaaten zu arbeiten. Das ist insbesondere für große Fonds, Pensionskassen und Hedgefonds relevant, die Vermögenswerte regulatorisch bei qualifizierten Verwahrstellen halten müssen. Kraken sieht hier erhebliches Wachstumspotenzial: Institutionelles Kapital fließt über ETFs, Tokenisierung und digitale Zahlungssysteme in den Kryptomarkt, wodurch die Nachfrage nach regulierter Verwahrung schnell steigt. Payward-Co-CEO Arjun Seth bezeichnete den Antrag als „komplementäre Säule“ der eigenen Banking-Infrastruktur. Erst vor zwei Monaten erreichte Kraken Financial einen weiteren Meilenstein. Im März erhielt das Institut als erste Kryptobank ein “Master Account” bei der US-Notenbank Federal Reserve. Damit kann Kraken US-Dollar-Zahlungen über das Fedwire-System direkt und ohne Intermediäre abwickeln – ein Zugang, der bis vor Kurzem nahezu ausschließlich traditionellen Finanzinstituten vorbehalten war. Zusammengenommen könnten Fed-Zugang, SPDI-Lizenz und eine mögliche OCC-Charter Kraken zu einem der am tiefsten in die US-Finanzinfrastruktur integrierten Krypto-Unternehmen machen. Die Branche erlebt zugleich einen Ansturm auf bundesweite Lizenzen. Coinbase erhielt im April eine bedingte Genehmigung für eine vergleichbare Lizenz. Ripple, Circle, BitGo und Fidelity Digital Assets verstärken ebenfalls ihre Anstrengungen, Bank- und Verwahrangebote auszubauen. Am Markt wird der Trend mit der Erwartung begründet, dass die US-Regierung in Washington bis 2026 eine deutlich konstruktivere Haltung zur Branche einnimmt. Zudem sollen Personalentscheidungen bei der OCC die Sichtweise gestärkt haben, digitale Assets als Teil der künftigen Finanzinfrastruktur einzuordnen und nicht nur als Spekulationsmarkt. Parallel zur Regulierungsoffensive treibt Payward die Expansion über das reine Börsengeschäft hinaus voran. Kürzlich schloss das Unternehmen die Übernahme von Reap Technologies für rund 600 Mio. US-Dollar ab, um Stablecoin-Zahlungen und eine internationale Karteninfrastruktur auszubauen. Zuvor hatte Kraken Bitnomial für etwa 550 Mio. US-Dollar gekauft, um seine Position im Bereich regulierter Derivate- und Clearing-Dienstleistungen zu stärken. Die Summe der Schritte deutet auf ein klares Ziel: Kraken entwickelt sich schrittweise in Richtung eines breit aufgestellten Finanzkonzerns. Die Botschaft für den Markt: Nach Jahren der Auseinandersetzungen mit Aufsehern wollen die größten Krypto-Unternehmen nicht mehr außerhalb des Bankensystems bleiben – sie wollen Teil davon werden.