Weltweite Ölknappheit spitzt sich zu: Letzte Vorkriegs-Lieferungen erreichen Raffinerien
BlockBeats berichtet: Am 14. April hat die US-Regierung am Montag offiziell eine Seeblockade der Straße von Hormus verhängt. Damit rückt ein kritischer Zeitpunkt näher: In den kommenden Tagen trifft weltweit die letzte Tankerwelle ein, die die Meerenge noch vor Ausbruch des Kriegs im Iran am 28. Februar verlassen hatte. Analysten sehen darin den Übergang der globalen Ölknappheit in eine neue Phase.
Wie die Financial Times berichtet, sollen die letzten Vorkriegs-Ladungen bis zum 20. April in Malaysia und Australien ankommen; auch die finalen Lieferungen in die USA sollen noch vor Ende dieser Woche anlegen. J.P. Morgan zufolge erhielt Dänemark am Wochenende die letzte Charge Flugtreibstoff aus Kuwait.
Nick Dale von Energy Aspects warnte: "Wenn alle asiatischen Käufe das Atlantikbecken verlassen, erreicht der Schock den Westen einen Monat später. Raffinerien in Europa und den USA werden ab dem nächsten Monat ebenfalls gezwungen sein, die Produktion zu drosseln."
Im physischen Markt ist der Druck zuerst sichtbar. Am Montag stieg der Preis für North-Sea-Forties-Rohöl auf knapp 149 US-Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit kurz vor der Finanzkrise 2008. Brent-Futures lagen derweil bei rund 100 US-Dollar je Barrel. Die JPMorgan-Analystin Natasha Kaneva sagte, Raffinerien in Europa und Asien konkurrierten aggressiv um die verbliebenen Ladungen; dadurch sei der Aufschlag der Spotpreise gegenüber Terminkontrakten auf ein Rekordniveau gestiegen.
Energy Aspects zufolge sank das durchschnittliche tägliche Volumen an in Asien eintreffendem Rohöl aus dem Nahen Osten (ohne Iran) in den ersten beiden Aprilwochen auf 4 Mio. Barrel und lag damit deutlich unter dem Normalniveau von 13,4 Mio. Barrel.
TotalEnergies-CEO Patrick Pouyanné erklärte am Montag, halte die Blockade länger als drei Monate an, drohten "schwere Versorgungsprobleme" bei Kerosin, Diesel und Flüssigerdgas; in diesem Fall könnte eine Rationierung notwendig werden.
Die Krise löst zudem in mehreren Ländern Folgewirkungen aus. Die Philippinen, die mehr als 95% ihres Öls aus dem Nahen Osten beziehen, riefen nach einer Verdopplung der lokalen Benzinpreise den nationalen Energienotstand aus. Indonesien und Vietnam wiesen Bürger an, von zu Hause zu arbeiten. Australien griff auf seine Treibstoffreserven zurück, senkte Kraftstoffsteuern und startete einen National Fuel Security Plan.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) warnte, dass bis zu 32,5 Mio. Menschen durch den Dreifachschock aus steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen sowie einem wirtschaftlichen Abschwung in Armut fallen könnten.