US-Senat: Krypto-Gesetz unter Zeitdruck – Wahlkampf könnte Verfahren ausbremsen
Der seit Langem erwartete Gesetzentwurf zur Marktstruktur für Krypto-Assets im US-Senat steht nach Einschätzung von NYDIG unter erheblichem Zeitdruck. In einer Marktnotiz vom Freitag warnt das Unternehmen, dass das Vorhaben scheitern könnte, wenn es nicht vor dem anlaufenden Wahlkampf zu den Midterms entscheidend vorangebracht wird.
Der Entwurf soll die Zuständigkeiten für digitale Vermögenswerte klarer abgrenzen. NYDIG erwartet, dass eine solche Klärung das Vertrauen institutioneller Investoren spürbar stärken könnte – unter anderem, weil Bitcoin formal als Rohstoff eingeordnet und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zugewiesen würde. Ein Scheitern würde aus Sicht von NYDIG die regulatorische Unsicherheit verlängern, etwa bei der Durchsetzung im Bereich dezentraler Finanzanwendungen (DeFi), bei Stablecoin-Regeln sowie bei weiteren Kernfragen.
Am Donnerstag nahm das Verfahren eine Hürde: Der Senatsausschuss für Banken brachte den Entwurf nach monatelangen Verhandlungen zu Stablecoin-Vorgaben, Ethik-Regelungen und der Behandlung von Regierungsvertretern mit Krypto-Bezug voran – weitgehend entlang der Parteilinien. Der Krypto-Berater des Weißen Hauses, Patrick Witt, hatte zuvor eine Verabschiedung bis zum 4. Juli als möglich bezeichnet. NYDIG-Researchchef Greg Cipolaro spricht dabei von einem „ambitionierten Richtwert“. Realistisch sei ein Zeitfenster von Juni bis Anfang August, um das Gesetz durch den Kongress zu bringen.
Politisch bleibt die Hürde hoch. Da die Republikaner 53 Sitze im Senat halten, wären mindestens sieben demokratische Stimmen nötig, um die für ein beschleunigtes Verfahren relevanten 60 Stimmen zu erreichen und eine ausgedehnte Debatte zu vermeiden. Mehrere Demokraten kritisieren, der Entwurf gehe nicht weit genug auf Risiken illegaler Finanzströme und Sanktionsumgehung ein.
Hinzu kommt der Kalender: Der Kongress geht von Ende Juli bis Anfang September in die Pause, danach dürfte der Midterm-Wahlkampf die Agenda dominieren. NYDIG hält es für möglich, dass die Senatsführung einen konfliktträchtigen, parteiübergreifenden Beschluss meiden könnte, sobald der Wahlkampf an Fahrt gewinnt. Sollte das Gesetz vor der Pause nicht vorankommen, bliebe als nächste Option eine „lame-duck“-Sitzung nach der Wahl. Dieses Szenario hänge jedoch davon ab, dass die Republikaner die Kontrolle über den Senat behalten und Mehrheitsführer John Thune das Thema Krypto neben zwingend zu verabschiedenden Haushalts- und Finanzierungsgesetzen priorisiert.
Der Ausblick bleibt laut NYDIG eng. Prognosen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Senatsmehrheit; mehrere Sitze gelten als „toss-ups“, die die Kontrolle zugunsten der Demokraten kippen lassen könnten. Ein demokratisch geführter Senat ab Januar würde nach NYDIG-Einschätzung die Chancen verringern, dass der aktuelle, von Republikanern gestützte Vorschlag in dieser Form weiterkommt.
Damit stehen die Abgeordneten vor einer Abwägung: eine nicht perfekte, aber parteiübergreifende Rahmenregelung jetzt verabschieden – oder nach der Wahl unter möglicherweise veränderten Mehrheitsverhältnissen erneut verhandeln.
Fazit: Eine Verabschiedung könnte den US-Kryptomärkten klarere Regeln geben und institutionelle Anleger beruhigen. Scheitert das Vorhaben, bleiben Zuständigkeitsfragen offen und zentrale Streitpunkte – von DeFi-Durchsetzung bis zu Ethikvorschriften – ungelöst, während das Zeitfenster im Kongress enger wird.