Mastercard erhält New Yorker BitLicense und treibt Stablecoin-Abwicklung voran
Mastercard hat sich in New York eine BitLicense der Aufsichtsbehörde New York State Department of Financial Services (NYDFS) gesichert. Damit erhält das Unternehmen eine zentrale regulatorische Genehmigung, um die Abwicklung von Stablecoins und tokenisierten Bankeinlagen über seine globale Infrastruktur zu unterstützen. Die Lizenz wurde Mastercard Transaction Services (U.S.) LLC erteilt, wie Mastercard am Mittwoch mitteilte.
Mit dem Schritt gehört Mastercard zu einem ausgewählten Kreis von NYDFS-regulierten Digital-Asset-Anbietern, zu dem unter anderem Circle, Coinbase und Paxos zählen. Nach Morningstar wickelte Mastercard 2025 nahezu 11 Billionen US-Dollar Zahlungsvolumen ab. Die Aktie notierte laut Google-Finance-Daten zuletzt um 494 US-Dollar und damit rund 18% unter dem 52-Wochen-Hoch von 601,77 US-Dollar aus August 2025.
Die Genehmigung fällt in eine Phase stark wachsender Stablecoin-Nutzung: Die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung liegt laut DeFiLlama bei 322,6 Mrd. US-Dollar. Das jährliche Transfervolumen über Stablecoins überschritt 2025 die Marke von 27,6 Billionen US-Dollar und lag damit über dem kombinierten Transfervolumen der traditionellen Netzwerke von Visa und Mastercard.
Was die BitLicense bedeutet
New York führte die BitLicense 2015 ein; sie gilt in den USA als besonders strenge Lizenz für virtuelle Währungen. Antragsteller müssen umfassende Anforderungen erfüllen, etwa bei Verbraucherschutz, Geldwäscheprävention, Cybersicherheit und operativer Resilienz. Für komplexe institutionelle Strukturen kann das Verfahren bis zu zwei Jahre dauern.
Dass Mastercard die Lizenz selbst hält und nicht über Drittanbieter arbeitet, ermöglicht dem Konzern, virtuelle Währungsaktivitäten mit Einwohnern und Unternehmen in New York im eigenen Namen zu betreiben. Für ein Geschäftsmodell, das stark auf Kontrolle über Abwicklungsinfrastruktur ausgerichtet ist, gilt das als wichtiger struktureller Vorteil.
"Klare regulatorische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle, um Vertrauen aufzubauen, wenn neue Formen digitaler Werte von Experimenten in die praktische Anwendung übergehen", erklärte Jorn Lambert, Chief Product Officer von Mastercard. Die Genehmigung unterstreiche den Fokus auf Innovation im Einklang mit hohen Erwartungen an Sicherheit, Compliance und Risikomanagement.
Ausbau der Stablecoin-Abwicklung
Die BitLicense ist der jüngste Baustein in Mastercards Ausbau der Digital-Asset-Abwicklung. Im März ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit SoFi Technologies ein, um SoFiUSD als Abwicklungsoption im globalen Zahlungsnetzwerk zu ermöglichen. SoFiUSD ist der erste Stablecoin, der von einer in den USA national zugelassenen und versicherten Bank auf einer öffentlichen Blockchain ausgegeben wurde.
Zusätzlich startete Mastercard ein Crypto Partner Program mit mehr als 85 Unternehmen, das auf Stablecoin-basierte grenzüberschreitende Transfers und B2B-Zahlungen zielt. Laut Mastercard verdoppelte sich die Stablecoin-Emission 2025 gegenüber dem Vorjahr; zudem würden täglich rund 30 Mrd. US-Dollar in Stablecoins transferiert.
Der Schritt zur direkten Lizenzierung erfolgt parallel zur Entwicklung der US-Bundesregulierung. Der GENIUS Act, das erste umfassende US-Gesetz zu Stablecoins, wurde im Juli 2025 von Präsident Trump unterzeichnet. Bundesbehörden müssen die Umsetzungsregeln laut Gibson Dunn bis zum 18. Juli 2026 finalisieren. Eine starke Position auf Ebene der Bundesstaaten vor Inkrafttreten der Bundesregeln könnte Mastercard Vorteile verschaffen, während der neue Regulierungsrahmen entsteht.
Wettlauf mit Visa
Mastercard agiert nicht allein. Konkurrent Visa erreichte bis November 2025 ein Stablecoin-Abwicklungs-Run-Rate-Volumen von 3,5 Mrd. US-Dollar und hat die entsprechenden Dienste auf mehr als 40 Länder ausgeweitet. Galaxy Digital erhielt zudem Anfang dieses Monats von der NYDFS sowohl eine BitLicense als auch eine Money Transmission License, während institutionelle Akteure ihre Aktivitäten rund um regulierte Digital-Asset-Infrastruktur in New York beschleunigen.
Noch frühe Phase
Welche konkreten Stablecoins Mastercard unter der Lizenz unterstützen will und wie schnell Abwicklungsvolumen auf digitale Schienen verlagert werden soll, hat das Unternehmen nicht offengelegt. Die bisherigen Pilotprojekte zur Stablecoin-Abwicklung sind auf Partnerschaften wie die SoFi-Vereinbarung begrenzt. Eine flächendeckende Einführung im gesamten Netzwerk würde zudem die Abstimmung mit Tausenden ausgebender und akquirierender Banken weltweit erfordern.
Auch die Ausgestaltung der Umsetzungsregeln zum GENIUS Act dürfte prägen, wie Stablecoin-Aktivitäten unter Bundesaufsicht künftig aussehen und wie sich Lizenzen auf Ebene der Bundesstaaten wie die BitLicense in das Gesamtgefüge einfügen.