Lido startet stVaults und Lido Earn: Sinkende Staking-Renditen treiben Diversifizierung

Die Lido DAO hat ein operatives Budget von 60 Mio. US-Dollar für 2026 verabschiedet und eine Drei-Jahres-Strategie vorgestellt, die das Protokoll über sein Kerngeschäft im Liquid Staking hinausführen soll. Geplant sind Rendite-Vaults, institutionelle Wrapper und ein Ansatz, den Lido als "realbusiness DeFi" bezeichnet. Der Fahrplan ist in dem Governance-Vorschlag GOOSE3 beschrieben, der am 24. November 2025 veröffentlicht wurde. Vier Schwerpunkte stehen im Fokus: stärkere Verbreitung von stETH, Modernisierung der Protokoll-Infrastruktur, Aufbau zusätzlicher Umsätze über Lido Earn sowie Produkte, die Offchain-Finanzprozesse von Unternehmen mit Onchain-Liquidität verbinden. Lido bleibt der größte Liquid-Staking-Anbieter auf Ethereum. Das Protokoll hält rund 28–30% des gesamten gestakten ETH; der Total Value Locked schwankt je nach Marktphase zwischen 18 Mrd. und 40 Mrd. US-Dollar. Mit dem wachsenden Validator-Set sind die Staking-Erträge gesunken: Die Basis-APRs liegen inzwischen bei 3–5% und damit unter den Niveaus früherer Zyklen. Laut Governance war dieser Renditedruck ein zentraler Auslöser, die Einnahmequellen breiter aufzustellen. Technisch setzt Lido dabei auf Lido V3. Das Upgrade sowie das Produkt stVaults gingen am 30. Januar 2026 auf Ethereum Mainnet live. Statt eines Ein-Produkt-Modells bietet Lido nun eine modulare Infrastruktur, mit der institutionelle Betreiber Vaults nach Vorgaben zu Verwahrung, Compliance oder Renditeprofil konfigurieren können. Parallel sind zwei Lido-Earn-Produkte gestartet: EarnETH und EarnUSD. Sie bündeln strukturierte Renditestrategien mit täglicher Verzinsung und richten sich sowohl an DeFi-Privatanwender als auch an Stablecoin-Investoren, die Erträge oberhalb der Basis-Staking-Raten suchen. Das 60-Mio.-US-Dollar-Budget teilt sich in 43,8 Mio. US-Dollar für Kernbetrieb und Wachstum sowie 16,2 Mio. US-Dollar an frei verfügbaren Mitteln für Maßnahmen mit hohem Hebel, darunter Liquiditätsanreize und die Entwicklung institutioneller Produkte. Auf der Infrastruktur-Roadmap stehen Curated Module v2, Staking Router v3 und ein neues Werkzeug namens ValMart. ValMart ist als Validator-Routing-System konzipiert und soll Performance, Kosten und Dezentralisierung gleichzeitig optimieren. Lido arbeitet derzeit mit mehr als 683 einzigartigen Node-Operatoren. Institutioneller Zugang ist ein eigener Schwerpunkt. VanEck reichte am 20. Oktober 2025 ein S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC für einen Lido Staked ETH ETF ein. Es handelt sich um den ersten US-ETF-Vorschlag, der stETH direkt referenziert; der Antrag ist bis März 2026 weiterhin anhängig. In Europa brachte WisdomTree im Dezember 2025 ein Physical Lido Staked Ether ETP auf den Markt. Das Produkt ist zu 100% mit stETH besichert, an Xetra, SIX und Euronext gelistet und startete mit einem verwalteten Vermögen zwischen 36 Mio. und 50 Mio. US-Dollar. Lidos Engagement im Crypto Council for Innovation und in der Proof of Stake Alliance gilt als unterstützender Faktor für beide Initiativen. GOOSE3 fordert zusätzliche ETF- und ETP-Partnerschaften, um stETH und stVaults für klassische Kapitalmärkte zu verpacken. In der Drei-Jahres-Vision soll Staking zu einer stabilen Ertragsbasis werden, während Lido Produkte für Corporate-Treasury-Management, Kreditaufnahme und tokenisierte Vermögenswerte aufbaut. Als Kennzahlen für 2026 nennt der Vorschlag unter anderem den stVaults-TVL, den Umsatzbeitrag von Lido Earn, ETF- und ETP-Zulassungen sowie erste Fortschritte aus "realbusiness"-Piloten.