Lagarde: "Doppelte Unsicherheit" durch Krieg – EZB braucht vor April-Sitzung mehr Daten
EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnt, der US-Iran-Krieg schaffe eine "doppelte Unsicherheit" für die Geldpolitik im Euroraum. Der Konflikt dränge die Wirtschaft zwischen das Basisszenario und ein negatives Szenario der Notenbank und lasse den Rat neun Tage vor der Sitzung am 29./30. April keine verlässliche Zinsperspektive festlegen.
Laut Lagarde ist die Spannung strukturell: Kriegsbedingte Energiepreisschübe treiben die Inflation über das Ziel, während sich die Wachstumsaussichten eintrüben und in die Gegenrichtung wirken. Die Kerninflation bleibt mit 2,9% hartnäckig, das tariflich vereinbarte Lohnwachstum lag im 1. Quartal 2026 bei 4,5%. Die Gesamtinflation (HVPI) stieg im März auf 2,6%.
In der EZB-Prognose vom März wird für dieses Jahr eine Inflation von 2,6% erwartet, die bis 2027 in Richtung 2% nachlassen soll. Im negativen Szenario läge der Ölpreis nahe 119 US-Dollar je Barrel, die Inflation würde die Marke von 4% überschreiten.
An den Märkten wird für die April-Sitzung derzeit ein Stillhalten eingepreist, gefolgt von einer Zinserhöhung bis Juni. Der maßgebliche EZB-Leitzins würde demnach bis Jahresende mindestens 2,5% erreichen. Gegenüber Bloomberg TV betonte Lagarde vergangene Woche, die EZB bleibe datenabhängig und flexibel und wollte keine Richtung vorgeben: "Wer überzeugt ist, dass es so oder so kommen wird, der weiß es ehrlich gesagt nicht."