Kraken strebt nationale Treuhandlizenz an und baut Verwahrgeschäft für digitale Vermögenswerte aus
CoinDesk zufolge hat Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, bei der US-Behörde Office of the Comptroller of the Currency (OCC) eine nationale Trust-Charter beantragt. Geplant ist die Gründung der Payward National Trust Company (PNTC), die als bundesweit regulierter Verwahrer für digitale Vermögenswerte auftreten soll.
Kraken ist in den USA bereits über Kraken Financial mit einer Wyoming-Lizenz aktiv. Landesrechtliche Genehmigungen gelten in der Branche jedoch als begrenzt, weil sie geografische und operative Einschränkungen mit sich bringen. Eine nationale Treuhandlizenz würde Payward eine breitere Einbindung in das föderale Bankensystem ermöglichen und die bestehende Wyoming-Struktur ergänzen. Für institutionelle Kunden, Aufseher und später auch Investoren am Kapitalmarkt gelten bundesweit regulierte Trust-Gesellschaften als deutlich anschlussfähiger.
Ein weiterer Baustein: Kraken Financial soll Anfang dieses Jahres als erstes Unternehmen mit Krypto-Bezug ein "Primary Account" bei der US-Notenbank erhalten haben und damit direkten Zugang zur zentralen Zahlungsinfrastruktur der USA.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der sich das regulatorische Umfeld in den USA spürbar bewegt. Mit einem krypto-freundlicheren politischen Kurs nach der Trump-Regierung seien nationale Trust-Charter für große Marktteilnehmer von einer lange als kaum erreichbaren Option zu einer realistischen Perspektive geworden. Laut OCC wurden zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 insgesamt 11 Charter-Anträge mit Krypto-Bezug weitergeführt oder bedingt genehmigt. Genannt werden Circle, Ripple, BitGo, Fidelity Digital Assets, Paxos, Crypto.com, Bridge und Zerohash.
Parallel treibt Payward seine Expansion über Zukäufe voran. In dieser Woche kündigte das Unternehmen an, Reap Technologies, ein auf den asiatischen Markt ausgerichtetes Stablecoin-Unternehmen, für rund 600 Mio. US-Dollar übernehmen zu wollen. Damit summieren sich die Akquisitionsausgaben der vergangenen zwölf Monate auf etwa 2,7 Mrd. US-Dollar. Die Strategie deutet darauf hin, dass Kraken über die Rolle einer reinen Kryptobörse hinauswachsen und ein breiteres Finanzökosystem rund um Verwahrung, Zahlungen und weitere Dienstleistungen aufbauen will.
Finanziell meldet Payward trotz Marktschwankungen weiteres Wachstum. Für 2025 gab das Unternehmen einen bereinigten Umsatz von rund 2,2 Mrd. US-Dollar an, ein Plus von etwa 33% gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei rund 531 Mio. US-Dollar. Zum Jahresende verzeichnete Kraken etwa 5,7 Mio. finanzierte Konten sowie ein Handelsvolumen von rund 2 Bio. US-Dollar.
Zur Bewertung heißt es in Berichten, Kraken habe bis Ende 2025 rund 20 Mrd. US-Dollar erreicht; Sekundärmarkttransaktionen Anfang dieses Jahres hätten die Bewertung später auf etwa 13 Mrd. US-Dollar sinken lassen. Ungeachtet dessen zählt Kraken weiter zu den größten privaten Infrastruktur-Anbietern im Kryptosektor.
Auch ein Börsengang bleibt ein Thema. Kraken erklärte, man sei zu rund 80% auf einen späteren IPO vorbereitet, das Vorhaben sei derzeit jedoch ausgesetzt und nicht aufgegeben. Eine nationale Trust-Charter könnte dabei ein zentraler Schritt sein: Investoren an den öffentlichen Märkten bevorzugen in volatilen Branchen häufig Geschäftsmodelle mit strenger, klarer Aufsicht. Sollte PNTC genehmigt werden, würde Kraken zu den wenigen krypto-nativen Unternehmen gehören, die sowohl unter bundesstaatlichen als auch unter föderalen Finanzrahmen operieren.