Kraken streicht 150 Stellen für stärkeren KI-Fokus – US-Börsengang könnte sich bis 2027 verschieben
Kraken hat rund 150 Arbeitsplätze abgebaut und richtet den Kryptobörsen-Betrieb stärker auf Künstliche Intelligenz aus. Nach Informationen von Bloomberg könnte die Neuausrichtung den seit Langem erwarteten US-Börsengang bis ins Jahr 2027 verschieben.
Bloomberg beruft sich auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person: Der Stellenabbau sei vor allem durch Effizienzgewinne entstanden, weil bei Payward, der Unternehmensstruktur hinter Kraken, KI-Tools breiter eingesetzt werden. Eine weitere Kürzungsrunde sei vorerst nicht geplant, auch wenn mehrere Teams die KI-Nutzung ausweiten.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Branche insgesamt auf die Bremse tritt. Sinkende Kryptopreise und steigende Investitionen in Automatisierung zwingen viele Unternehmen zu strengerer Kostendisziplin. Zudem meldeten börsennotierte Kryptofirmen schwächere Ergebnisse für das erste Quartal, nachdem die Märkte Ende vergangenen Jahres an Schwung verloren hatten.
Kraken hatte nach Bloomberg-Angaben im November vertraulich Unterlagen für einen Börsengang bei US-Aufsichtsbehörden eingereicht, den Prozess im März wegen eingetrübter Marktbedingungen aber gestoppt. Co-CEO Arjun Sethi bestätigte später auf einer Branchenkonferenz die vertrauliche Einreichung, nannte jedoch keinen Zeitplan. Die jüngste Restrukturierung könnte eine US-Notierung bis 2027 verzögern – in einem ohnehin unsicheren Zeitfenster.
Der Stellenabbau passt in ein breiteres Muster KI-getriebener Effizienzprogramme. 2026 sollen bislang mehr als 5.000 Jobs im Kryptosektor weggefallen sein; als Gründe werden Automatisierung und organisatorische Umbauten genannt.
Zu den prominenten Beispielen zählt Coinbase: Das Unternehmen kündigte an, etwa 14% der Belegschaft abzubauen. CEO Brian Armstrong begründete dies mit dem Ziel, "lean, fast, and AI-native" zu werden. KI ermögliche es Ingenieuren, Arbeiten in Tagen zu erledigen, die früher Wochen dauerten, und erlaube nichttechnischen Teams, über automatisierte Abläufe produktionsreifen Code auszuliefern. Coinbase will zudem Führungsebenen reduzieren, die Organisation auf maximal fünf Ebenen unter CEO und COO begrenzen und mit kleineren, KI-fokussierten Teams experimentieren.
Gemini teilte im Februar mit, rund 200 Stellen zu streichen und das Geschäft in Großbritannien, der EU und Australien herunterzufahren. Als Gründe nannte das Unternehmen wachsende Verluste, IPO-bezogene Kosten und schwächere Märkte, nachdem Bitcoin unter 70.000 US-Dollar gefallen war. Die Krypto-Analyseplattform Dune strich etwa 25% der Jobs, um den Fokus wieder stärker auf Kernprodukte zu legen.
Während Börsen und Plattformen KI integrieren und gleichzeitig Kosten senken, steht die Branche vor einer Gratwanderung: Automatisierung soll langfristig Effizienzgewinne bringen, darf aber operative Schlagkraft und das Vertrauen von Investoren nicht untergraben – Faktoren, die künftige Finanzierungsrunden und IPO-Pläne maßgeblich beeinflussen.