Kevin Warsh übernimmt Vorsitz der US-Notenbank und schlägt strafferen Kurs an

Kevin Warsh hat am 15. Mai 2026 offiziell den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve übernommen. Der US-Senat bestätigte ihn am 13. Mai. Bereits bei der Anhörung zur Bestätigung machte Warsh deutlich, wofür er steht: einen klar restriktiven Kurs. "Inflation ist eine Entscheidung, und die Fed muss dafür Verantwortung übernehmen", sagte er am 21. April 2026 vor Abgeordneten. Warsh ist in der Fed-Zentrale am Eccles Building kein Unbekannter. Er war vom 24. Februar 2006 bis zum 31. März 2011 Mitglied des Board of Governors und damit auch während der schwersten Finanzkrise seit der Großen Depression im Amt. Bei seinem Eintritt in das Gremium war er 35 Jahre alt und damit der bislang jüngste Fed-Gouverneur. Warsh gilt seit Jahren als Befürworter einer kleineren Notenbankbilanz. Er plädiert dafür, dass die Fed weniger Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere hält, was den Liquiditätszufluss ins Finanzsystem dämpft. Seine Einordnung von Inflation als "Entscheidung" deutet darauf hin, dass er Preisinstabilität vor allem als Folge geldpolitischer Weichenstellungen sieht. Ein Vorsitzender, der Inflation als hausgemachtes Problem der Fed betrachtet, dürfte Zinsen eher länger hoch halten, als es die Märkte wünschen. Im Jahr 2026 bleiben Inflationsdebatten durch anhaltende Volatilität bei Energiepreisen und breitere wirtschaftliche Unsicherheiten im Fokus. Das Competitive Enterprise Institute hebt einen Punkt hervor, den Anleger im Blick behalten sollten: Wer über den Zins entscheidet, ist wichtiger als das exakte Zinsniveau zu einem bestimmten Zeitpunkt. Für Investoren rückt damit vor allem Warshs Bilanzpolitik in den Vordergrund. Beschleunigt die Fed den Abbau ihrer Bestände an US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren, muss der Privatmarkt ein größeres Angebot aufnehmen. Steigt das Angebot, ohne dass die Nachfrage entsprechend zunimmt, können Renditen hoch bleiben oder weiter anziehen, auch ohne zusätzliche Zinserhöhungen.