Iran stimmt einer Feuerpause zu – der Krieg ist dennoch nicht vorbei
Guten Morgen. Heute ist Mittwoch, der 22. April 2026. Hier ist Ihr "Futures Morning Rush" – die wichtigsten Entwicklungen für Rohstoffe, Metalle und Makro im Überblick.
TOP-THEMEN
1) Iran hat einer Pause der Kampfhandlungen zugestimmt, doch der Konflikt gilt weiter als nicht beendet.
2) US-Präsident Trump kündigte am Dienstag (Ortszeit) eine Verlängerung der Waffenruhe an, hält die Seeblockade aufrecht und erwartet von Teheran einen einheitlichen Verhandlungsvorschlag.
3) Indonesiens Energieministerium: Bis zum 13. April wurden 2026 im Rahmen der Beimischungsvorgaben 3,9 Mio. Kiloliter Biodiesel auf Palmölbasis verbraucht.
4) China senkt ab 24:00 Uhr am 21. April die Endverbraucherpreise: Benzin -555 RMB/Tonne, Diesel -530 RMB/Tonne. Umgerechnet landesweit: -0,44 RMB/Liter (92 Oktan), -0,46 RMB/Liter (95 Oktan), -0,45 RMB/Liter (0-Nummer-Diesel).
5) US-Handelsministerium: Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Monatsvergleich um 1,7% (ohne Inflationsbereinigung).
6) Fed-Chef-Nominierter Walsh fordert eine grundlegende Reform der Geldpolitik und ein neues Inflationsrahmenwerk.
MAKRO
1) Chinas Staatsrat veröffentlichte die "Meinungen zur Förderung der Ausweitung und Qualitätsverbesserung des Dienstleistungssektors". Für den Güterverkehr sollen multimodale Systeme ausgebaut, "ein Dokument"- und "ein Container"-Modelle vorangetrieben, Schiene-Wasser-Intermodalverkehr gestärkt und Verlagerungen von Straße auf Schiene bzw. Wasser beschleunigt werden. Zudem sollen Eisenbahnfracht in Richtung Logistik weiterentwickelt, Regeln zu Disposition, Abrechnung und Konnektivität verbessert sowie Betrieb und Disposition von Öl- und Gaspipelines optimiert und die landesweite Vernetzung beschleunigt werden.
2) Iran entscheidet sich letztlich gegen eine Teilnahme an den US-Iran-Gesprächen am 22.; US-Medien berichten, Vance sage eine Reise nach Bahrain ab.
3) Chinas MIIT: Im 1. Quartal stieg die Wertschöpfung der Industrieunternehmen über festgelegter Größe um 6,1% gegenüber Vorjahr. Alle 31 Provinzen verzeichneten Wachstum, über 80% der Branchen legten zu. Der Industriesektor trug knapp 40% zum Wirtschaftswachstum bei.
4) Am 20. April fand in Peking ein CPPCC-Symposium zur makroökonomischen Lage im 1. Quartal 2026 statt (u.a. mit Vizevorsitzendem Wang Yong). Empfehlungen: engere Ausrichtung an Zielen und Aufgaben des 15. Fünfjahresplans, bessere Koordination von Inlands- und Auslandslage, mehr Vorausschau und Abstimmung der Makropolitik, offensivere Fiskalpolitik.
5) Iranische Medien zur von Trump verlängerten Waffenruhe: Iran habe keine Verlängerung beantragt; ein Berater des Parlamentspräsidenten nennt den Schritt bedeutungslos, da eine Blockade einem Bombardement gleichkomme. Die Streitkräfte erklären, bei einem Angriff würden umgehend vorab festgelegte Ziele mit überwältigender Gewalt getroffen.
6) Trump schrieb am 21. April (Ortszeit) auf "Truth Social", auf Bitte des pakistanischen Armeechefs und des Premierministers würden US-Militärschläge gegen Iran verschoben, die Waffenruhe verlängert und Iran müsse zuerst einen einheitlichen Verhandlungsvorschlag vorlegen. Währenddessen setzten die USA die Seeblockade durch und blieben in erhöhter Einsatzbereitschaft. Die Waffenruhe solle bis zur Vorlage des Vorschlags und bis zum Abschluss der Gespräche gelten "unabhängig vom Ergebnis".
7) Walsh vor dem Senat: Bei Bestätigung als Fed-Vorsitzender werde er umfassende Reformen anstoßen. Die Fehler im Umgang mit der Pandemie-Inflation erforderten einen Kurswechsel, inklusive neuer Instrumente und neuer Kommunikation – etwa Forward Guidance, Konjunkturprojektionen und Dot Plot.
8) Am frühen 22. April (Ortszeit) erklärte das iranische Staatsfernsehen als Reaktion auf Trumps Aussagen, Iran habe sich auf dem Schlachtfeld als Sieger erwiesen. Die Kontrolle über die Straße von Hormus sei ein äußerst wertvoller Gewinn aus diesem Krieg. Iran habe einer Pause der Operationen zugestimmt, der Krieg sei aber nicht vorbei. Zugleich warnte das Fernsehen vor Forderungen, Iran müsse verhandeln, sonst würden Feinde angreifen.
MÄRKTE: GLOBALE FUTURES
1) US-Rohöl (Frontmonat) +3,2% auf 90,22 USD/Barrel; Brent (Frontmonat) +3,75% auf 99,06 USD/Barrel.
2) Edelmetalle schwächer: COMEX Gold -1,87% auf 4.738,50 USD/Unze; COMEX Silber -4,21% auf 76,67 USD/Unze.
3) Basismetalle in London überwiegend tiefer: LME Zink +0,84% auf 3.437,0 USD/Tonne; Nickel -0,55% auf 18.150,0; Aluminium -0,74% auf 3.531,0; Blei -0,84% auf 1.957,5; Kupfer -0,91% auf 13.154,5; Zinn -2,13% auf 49.605,0.
SCHWARZE SERIE (STAHL/ERZ)
1) Shanghai Futures Exchange: Die genehmigte Lagerkapazität für Warmband-Coil-Futures am Standort Nr. 88 JinQiao Avenue, Zhenjiang (Jiangsu), betrieben von Zhenjiang Huilong Changjiang Port Co., Ltd., wird von 1,8 Mio. Tonnen auf 2,1 Mio. Tonnen erhöht.
2) Mysteel (Satellitendaten): In der Woche 13.–19. April 2026 lagen die Eisenerzbestände in sieben großen Häfen in Australien und Brasilien bei 14,933 Mio. Tonnen, +350.000 Tonnen ggü. Vorwoche. Höchster Stand seit Jahresbeginn.
3) BHP: Eisenerzproduktion im 3. Quartal 62,8 Mio. Tonnen, +2% ggü. Vorjahr; Kokskohle (Steel coal) 3,8 Mio. Tonnen, -3% ggü. Vorjahr. Durchschnittlich realisierter Eisenerzpreis 85,35 USD/Tonne, unverändert ggü. Vorquartal.
AGRAR
1) SPPOMA: 1.–20. April 2026 stieg Malaysias Palmöl-Ertrag um 29,80% ggü. Vormonat; Ölausbeute +0,20%; Produktion +31,13%.
2) Indonesiens Energieministerium: Bis 13. April 3,9 Mio. Kiloliter Palmöl-Biodiesel 2026 verbraucht. Ab 1. Juli steigt die verpflichtende Beimischung von 40% auf 50% (B50), restlicher Anteil konventioneller Diesel; Übergangsphase drei Monate. B50 wird aktuell in Pkw, Lkw, Agrar- und Bergbaumaschinen sowie Schiffen getestet.
3) GAPKI: Februar-Daten – Indonesien exportierte 3,3 Mio. Tonnen Palmöl, +17% ggü. Vorjahr. Produktion 5,02 Mio. Tonnen; Lagerbestände Ende Februar 2,02 Mio. Tonnen.
4) National Grain and Oil Information Center: Die Auslastung der inländischen Ölmühlen zog zuletzt leicht an, gestützt durch nachfragegetriebene Nachkäufe, Sojaschrotbestände sanken weiter. Für diese Woche wird eine leichte Abschwächung erwartet; Sojabohnenverarbeitung rund 1,7 Mio. Tonnen. Der Bestandsabbau dürfte anhalten, bis Monatsende womöglich auf ca. 500.000 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang um etwa 100.000 Tonnen ggü. Vormonat und einem Anstieg um ca. 400.000 Tonnen ggü. Vorjahr; rund 200.000 Tonnen über dem Dreijahresdurchschnitt.
5) USDA-Attaché (Argentinien): Wegen größerer Anbaufläche wird die Maisernte 2025/26 auf 61 Mio. Tonnen geschätzt, deutlich über der bisherigen USDA-Offizialschätzung von 52 Mio. Tonnen. Viele Analysten und Broker sehen 58–65 Mio. Tonnen. Mit Fortschritt der Ernte bestätigen viele Quellen eine größere tatsächliche Fläche.
6) USDA: Private Exporteure meldeten Verkäufe von 1,95 Mio. Tonnen Mais an ein unbekanntes Ziel sowie 1 Mio. Tonnen an Kolumbien, jeweils zur Lieferung im Vermarktungsjahr 2025/2026. Das US-Maisjahr beginnt am 1. September.
ENERGIE & CHEMIE
1) Drei Branchenquellen: Russland setzt ab 1. Mai die Ausfuhren kasachischen Öls nach Deutschland über die Druschba-Pipeline aus.
2) Chinas NDRC (Preisüberwachungszentrum): Während des Anpassungsfensters 7. April 24:00 bis 21. April 24:00 schwankten die internationalen Ölpreise abwärts. Ab 24:00 am 21. April gelten die oben genannten Senkungen (Benzin -555 RMB/Tonne, Diesel -530 RMB/Tonne; umgerechnet -0,44/-0,46/-0,45 RMB je Liter für 92/95 Oktan und 0-Nummer-Diesel).
3) Nationales Statistikamt (China): Produktion von Natronlauge (sodium carbonate) im März 3,562 Mio. Tonnen, +3,9% ggü. Vorjahr; Jan–März kumuliert 10,371 Mio. Tonnen, +6,5%. Synthetischer Kautschuk im März 791.000 Tonnen, -2,5%; Jan–März 2,341 Mio. Tonnen, +4,3%.
4) Fünf Quellen und Reuters-Berechnungen: Russland musste im April die Ölproduktion wegen ukrainischer Drohnenangriffe auf Häfen und Raffinerien sowie wegen Störungen der Rohölzufuhr durch die einzige russische Pipeline nach Europa senken. Der Rückgang könnte bei 300.000 bis 400.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Durchschnitt zu Jahresbeginn liegen – womöglich der stärkste monatliche Einbruch seit der Pandemie.
METALLE
1) Mysteel: Am 21. April 2026 nahm ein neu gebautes Aluminiumoxidwerk in Guangxi am Nachmittag den Kalzinierungsofen in Betrieb und startete gleichzeitig die Produktion; Kapazität 1,2 Mio. Tonnen/Jahr.
2) SMM: Chinas Aluminiumoxid-Handel im März 2026 stark verändert – Importe 338.300 Tonnen, +86,9% ggü. Vormonat und +2.928,8% ggü. Vorjahr; Exporte 209.400 Tonnen, +43% ggü. Vormonat, aber -29,4% ggü. Vorjahr.
3) Schweizer Zoll: Goldexporte im März +30% ggü. Vormonat. Lieferungen ins Vereinigte Königreich sprangen von 19,8 Tonnen im Februar auf 57,6 Tonnen – höchster Stand seit Dezember des Vorjahres.
4) US-Handelsministerium: Einzelhandelsumsätze +1,7% m/m (nicht inflationsbereinigt).
5) Goldman Sachs hält an der durchschnittlichen Kupferpreisprognose 2026 von 12.650 USD/Tonne fest; weiterhin wird für 2026 ein Überschuss von 490.000 Tonnen erwartet.
6) BHP: Kupferproduktion im 3. Quartal 476.800 Tonnen, -7% ggü. Vorjahr; Investitionen in den Escondida-Konzentrator werden auf 4,4 bis 5,9 Mrd. USD geschätzt.
AUS "FUTURES": TRADING-LOGIK
1) Harnstoff: Enge Marktverfassung stützt Futures deutlich. Everbright Futures sieht die Tagesproduktion stabil bei rund 215.600 Tonnen und auf saisonal hohem Niveau; die negative Wirkung des hohen Angebots werde vom Markt zunehmend weniger stark eingepreist. Nachfrage sei robust: Hochsaison in der Landwirtschaft, hohe Auslastung bei Mischdüngerherstellern und kräftige Spotkäufe. Produzenten bauen Bestände ab. Kurzfristig sei keine schnelle Entspannung zu erwarten; Futures dürften fest und in einer Spanne handeln. Mit steigenden Preisen rücken die Nachhaltigkeit der Inlandsnachfrage und Volatilitätsrisiken stärker in den Fokus.
2) Palmöl: Indonesiens Politik treibt stark. Guoxin Futures verweist auf Gerüchte, Indonesien habe den Start des B50-Standards zum 1. Juli 2026 bestätigt. Eine Umsetzung ab Juli könnte das inländische Palmölangebot weiter verknappen, spätere Exportmaßnahmen könnten die Lage zusätzlich verschärfen. Die zuvor schwache Exportdynamik Malaysias könnte drehen, was am Nachmittag einen kräftigen Preissprung auslöste. In China zog die Risikobereitschaft für Palmöl-Futures deutlich an; trotz Gewinnmitnahmen zum Handelsschluss habe sich das Preisniveau nach oben verschoben. Sojaöl- und Rapsöl-Futures stiegen mit, aber weniger stark. Zudem nehmen Institutionen die Wahrscheinlichkeit eines extremen El-Niño in H2 2026 stärker in den Blick, was Sorgen über die Produktion 2027 verstärkt. Wird B50 bestätigt, könnte die bullische Stimmung anhalten und Palmöl-Futures in Richtung früherer Hochs treiben; Sojaöl und Rapsöl dürften folgen. Der Markt bewegt sich in einer moderat starken Seitwärtsphase.
TERMINE / DATEN
1) 22. April, 22:30 Uhr: EIA-Rohöllagerbestände (Woche bis 17. April, USA).
2) 23. April, 20:30 Uhr: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Woche bis 18. April, USA).
3) 23. April, Uhrzeit offen: Monatsbericht des International Grains Council (IGC) zum Getreidemarkt.